Schweizer Distis denken an Preiserhöhung – wegen HP

19. Oktober 2005, 16:52
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Ein neues Partnerprogramm von HP wird Distributoren dazu zwingen, ihre Preisstruktur zu überdenken.

Ein neues Partnerprogramm von HP wird Distributoren dazu zwingen, ihre Preisstruktur zu überdenken.
Am 1. November 2005 führt Hewlett-Packard weltweit das neue "Preferred Partner Program" ein. Reseller profitieren von einem direkten Sales-Kontakt zu HP und von Sonderkonditionen. Im Gegenzug muss beispielsweise das Unternehmensprofil des Partners jährlich aktualisiert werden, es muss ein bestimmter Umsatz generiert werden und bestimmte Zertifizierungen sollten auch vorhanden sein.
HP Schweiz rechnet damit, dass es dereinst rund 200 "Preferred Partner" in der Schweiz geben wird. Wie HP-Sprecher Beat Welte gegenüber inside-channels.ch erklärt, sei man im Moment daran, die Reseller zu zertifizieren. Per 1. November sollten ungefähr zwischen 100 und 200 Händler den Status erreicht haben, ganz genau könne man dies aber noch nicht sagen. HP wolle natürlich die Händler mit diesem neuen Partnerprogramm honorieren, deshalb sollen sie von besseren Konditionen profitieren.
Kosten müssen gedeckt werden
Bessere Konditionen für Reseller bedeuten schlechtere für die Distributoren. Aus deutschen Presseberichten ist bereits zu erfahren, dass Distis die Preise ab 1. November erhöhen wollen. Joe Feierabend, Managing Director von Ingram Micro Schweiz, glaubt, dass sich die Preisstruktur verändern wird. Schliesslich müsse ein Distributor die Kosten decken können. Trotzdem seien ihm "Preferred Partner" sehr willkommen. Denn diese Kunden generierten natürlich ein grösseres Einkaufsvolumen und seien konstanter als andere.
Der Leiter der HP Business Unit bei Tech Data Schweiz, Guido Portmann, befürchtet schlechtere Konditionen für die Distributoren. Da Tech Data aber ein sehr breites Sortiment führe, sei der Anteil an Produkten von HP kleiner als bei anderen. Deshalb habe dieses neue Programm keine dramatischen Auswirkungen: "Generell sehen wir noch keinen Handlungsbedarf." Im Moment müsse man noch abwarten.
Es ist gut möglich, dass die Distis abwarten und sehen wollen, was die Konkurrenz macht, um dann die Preise anzupassen. Auch der Leiter der HP Business Unit von Actebis, Thomas Stocker, sagt, dass es wohl Preisanpassungen geben wird. In welchem Masse sei aber noch nicht abzuschätzen.
Eines von vielen Problemen
Für Also-Geschäftsleiter Marc Schnyder ist das neue Partnerprogramm von HP bloss ein weiteres Zeichen dafür, dass man heutzutage als Distributor mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Dass die Preise angepasst werden müssen, ist für Schnyder klar. Dies habe man auch schon angekündigt. Die Notwendigkeit die Preise anzupassen habe aber auch damit zu tun, dass die Durchschnittsproduktpreise in den letzten zwei Jahren so massiv gesunken seien.
"Die Preise für PCs, Notebooks und Monitore sind so massiv gesunken, dass die Logistikkosten in Prozent vom Produktpreis extrem gestiegen sind", sagt Schnyder. Für ein Logistikunternehmen spielten zudem noch andere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel der gestiegene Ölpreis, oder die LSVA (leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe). Das Problem auf einen Hersteller zu reduzieren sei deshalb nicht richtig. Jedoch müsse man natürlich auch auf diese neue Veränderung reagieren.
Wie stark die Schweizer Distributoren auf das neue Partnerprogramm von HP reagieren werden, ist somit noch ungewiss. Fest steht nur, dass es eine Reaktion geben wird, die wohl oder übel nicht alle zufrieden stellen kann. (Maurizio Minetti)

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