Schweizer Distis: "Portokriege sind vorbei"

18. Juli 2008, 13:08
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"Frachtfrei? Kannst du haben!" Diese Zeiten sind passé. Die Distributoren können sich die Zückerchen für ihre Kunden nicht mehr leisten. Die drei grossen im Schweizer Markt passen ihre Preispolitik an.

"Frachtfrei? Kannst du haben!" Diese Zeiten sind passé. Die Distributoren können sich die Zückerchen für ihre Kunden nicht mehr leisten. Die drei grossen im Schweizer Markt passen ihre Preispolitik an.
Noch Anfang Juni war Ingram-Micro-Chef Joe Feierabend zuversichtlich. In einer Umfrage von 'it-reseller.ch' meinte er damals, er sehe sich trotz steigender Treibstoffpreise nicht zu einer Weitergabe der Frachtkosten an die Händler gezwungen. Am Dienstag hat der Broadline-Distributor nun offiziell eine "minimale Preisanpassung" bekannt gegeben, wie sich Feierabend gegenüber inside-channels.ch ausdrückt.
Die frachtfreie Lieferung sei in der Disti-Branche schon immer ein effektives Verkaufsinstrument gewesen. Die steigende Nachfrage nach Notebooks mache den Preiszerfall bei den Produkten nicht wett, die ohnehin schon dünnen Margen der Distributoren drohten von den "verschenkten" Frachtkosten aufgefressen zu werden. Die Distributoren seien selber Schuld, meint der Ingram-Boss. "Mit den Portokriegen der letzten Jahre haben wir uns selbst geschädigt und den Händlern grössere Margen beschert." Feierabend geht davon aus, dass diese Überlegungen auch bei seiner Konkurrenz aktuell sind.
"Die Zeit der Portokriege ist vorbei", stimmt Also-Schweiz-Geschäftsleiter Marc Schnyder zu. Auch die Nummer eins im Schweizer Distributionsmarkt will "in den nächsten zwei, drei Monaten" die Frachtkosten verursachergerecht verrechnen, wie er gegenüber inside-channels.ch ankündigt. Schnyder hatte bereits vor sechs Wochen in der 'it-reseller'-Umfrage vorausgesagt, dass sich dies nicht werde vermeiden lassen. Angst vor Wettbewerbsnachteilen hat er nicht. "Ich glaube nicht, dass man in der jetzigen Situation ohne Preisanpassungen glaubwürdig geschäften kann."
Drop Shipment, B-Post und tote Boxmovers
Dennoch sieht er weitere Möglichkeiten, um Drittkosten zu minimieren. Bei Also haben Reseller die Möglichkeit, nebst der Lieferung innert 24 Stunden die günstigere 48-Stunden-Variante zu wählen, die dem Unternehmen wiederum zu einer besseren Auslastung der Infrastruktur verhilft. Ob dieses System für das von Termindruck geprägte Reseller-Geschäft eine Alternative darstellt, bleibt dahingestellt. Das Modell der Zukunft verortet Marc Schnyder im so genannten Drop Shipment. Der Distributor liefert direkt an die Kunden des Resellers und druckt die Frachtpapiere mit Logo des Händlers selbst. "Die Reseller werden sich langfristig auf das Geschäft mit Dienstleistungen konzentrieren", ist er überzeugt.
"Die Boxmovers, die vom reinen Handel leben, sind so gut wie ausgestorben. Das ist nichts Neues", bestätigt Manfred Steinhardt, Geschäftsführer von Tech Data, mit einem Umsatz von 560 Millionen die Nummer zwei im Schweizer Disti-Markt. Auch sein Ziel ist: "Alle zahlen Fracht. Unsere Margen sind zu klein, um die Kosten nicht weiter zu geben." Auch Tech Data wird in naher Zukunft seine Porto-Politik anpassen und damit einhergehend gleich "ein Bündel von Massnahmen" präsentieren, wie Steinhardt gegenüber inside-channels.ch ankündigt. Dazu soll auch ein System von unterschiedlichen Servicelevels gehören, das, wie bei Also, die Wahl zwischen einer prioritären und einer langsameren Lieferung zulässt.
"Blauäugigkeit verloren"
Zudem will Steinhardt "Prozesse optimieren", um mit den Kunden zusammen unnötige Drittkosten gar nicht erst entstehen zu lassen. Steigende Frachtkosten und schmelzende Margen scheinen die Preiskriege im Distributorengeschäft vorerst beendet zu haben. Doch Manfred Steinhardt blickt nicht ohne Skepsis in die Zukunft. "In den Jahren im Geschäft habe ich meine Blauäugigkeit verloren. Auf Worte folgen nicht immer Taten. Es würde mich nicht wundern, wenn unsere Konkurrenz angekündigte Kostenumwälzungen doch nicht ausführt und weiterhin versucht, die Preise zu drücken." Am Wettbewerb scheint es den Distis jedenfalls nicht zu fehlen. (Amir Ali)

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