Schweizer Dreamlab unter Beschuss: "Wir liefern keine Staatstrojaner"

5. September 2013, 15:51
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Erstmals belegen von Wikileaks veröffentlichte Dokumente, dass das Berner Unternehmen Dreamlab Geschäfte in Turkmenistan und Oman machte. Der Dreamlab-Chef verteidigt sich.

Erstmals belegen von Wikileaks veröffentlichte Dokumente, dass das Berner Unternehmen Dreamlab Geschäfte in Turkmenistan und Oman machte. Der Dreamlab-Chef verteidigt sich.
Wikileaks hat gestern Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass das Berner Unternehmen Dreamlab Technologies vor einigen Jahren versucht hat, dem repressiven Regime Turkmenistans Überwachungslösungen zu verkaufen. Bereits Ende 2011 hatten diverse Medien unter Berufung auf Wikileaks-Dokumente berichtet, dass Dreamlab zusammen mit dem Münchner Ableger des britischen Unternehmens Gamma das turkmenische Regime mit dem Programm "Infection Proxy" beliefern wollte. Später soll ein Deal mit dem Sultanat Oman zustande gekommen sein. Die Belege waren damals aber nicht öffentlich.
Teil des "Infection Proxy"
Dreamlab-Chef Nicolas Mayencourt lässt gegenüber inside-it.ch nun durchblicken, froh darüber zu sein, dass der Vertrag zwischen Dreamlab und Gamma nun öffentlich ist. Nun könne man offen darüber reden. Mayencourt bestätigt, dass Dreamlab 2010 eine Partnerschaft mit Gamma eingegangen war, wobei Dreamlab als Zulieferer von Netzwerk-Komponenten für IT-Security fungierte. Die Komponenten waren Teil des "Infection Proxy" von Gamma. Angeregt hatte die Partnerschaft damals ein Mitarbeiter, von dem sich Dreamlab 2011 trennte. Er habe damals dem Mitarbeiter vertraut und geglaubt, die Zulieferung eines generischen Bausteins sei unproblematisch - heute bereut er dies.
"Schutz vor derartigen Angriffen"
Mayencourt wehrt sich gegen die Behauptung, Dreamlab produziere Spionagesoftware: "Wir sind ein IT-Verteidigungshaus und haben nie und werden auch nie Staatstrojaner entwickeln. Im Gegenteil: Wir entwickeln Lösungen zum Schutz gegen Spionage im Bereich der Industrie und Politik." Die Rolle von Dreamlab sehe er "in dem Schutz vor derartigen Angriffen und diese Arbeit machen wir seit nunmehr zehn Jahren mit grossem Erfolg für unsere Kunden."
Der 'Norddeutsche Rundfunk' sind die Produkte und Dienstleistungen aufgelistet.
Seco ist dran
In der Schweiz ist die Ausfuhr von Überwachungslösungen noch legal, doch in letzter Zeit haben sich Fälle gehäuft. Die Politik fordert nun unter anderem, dass der Export von Software an Länder, die im Krieg sind oder die Menschenrechte verletzen, verboten werden soll. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nimmt diesen Bereich deshalb nun unter die Lupe, wie im Juli bekannt wurde.
In einer Stellungnahme gegenüber inside-it.ch schreibt das Seco: "Wir können bestätigen, dass die im Rahmen von Ausfuhrgesuchen von politischer Tragweite zuständige Exportkontrollgruppe (Seco, EDA und VBS) Geschäfte mit Überwachungstechnik behandelt. Es wurden noch keine Entscheide gefällt und zu den konkreten Geschäften können keine Angaben gemacht werden." Ausserdem, schreibt das Seco, prüfe die Exportkontrollgruppe auch, ob die Kriterien der Güterkontrollverordnung für diese "relative neue Technologie" genügend seien oder allenfalls neue Regelungen erforderlich seien. (Maurizio Minetti)

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