Schweizer Finanzchefs halten starke Rezession für unvermeidbar

6. April 2020, 12:23
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CFOs rechnen als Folge der Corona-Krise mit einer Wachstumsschwäche und einem Digitalisierungs-Schub, so Deloitte.

Die Corona-Pandemie hat innerhalb kürzester Zeit die wirtschaftlichen Aussichten der Schweiz fundamental verändert. Schweizer Finanzchefs sind so pessimistisch wie noch nie.
Weder in der Euro-Krise, noch beim Franken-Schock waren die CFOs bezüglich Konjunkturaussichten so negativ wie heute, erklärte das Beratungsunternehmen Deloitte in seiner halbjährlich durchgeführten CFO-Umfrage. Diese wurde nach Mitte März, der Ausrufung der "ausserordentlichen Lage" in der Schweiz befragt.
Die Befragungen zeigten zwar schon seit knapp zwei Jahren eine Abkühlung an, nun kam es aber zu einem regelrechten Absturz, so Deloitte. So rechnen 97% befragten Finanzchefs mit einer negativen Entwicklung der Wirtschaft über die kommenden 12 Monate – und 41% davon gar mit einer stark negativen Dynamik.
Zudem sehen gut zwei Drittel eine negative finanzielle Entwicklung auf ihr Unternehmen zukommen und nur gerade 15% eine positive. Dabei schätzen 93% die Zukunft ihres Unternehmens als weniger rosig als noch vor drei Monaten ein.
Und mehr als drei Viertel rechnen mit einem Umsatzrückgang, über die Hälfte mit einem Sinken des Personalbestandes innert Jahresfrist.

Auch Deloitte erwartet Digitalisierungsschub

Das Gros der Schweizer CFOs begegnet der Krise allerdings aktiv, wie die Umfrage weiter zeigt. So haben 91% der Unternehmen Massnahmen zur Eindämmung der Wachstumsschwäche getroffen – am häufigsten wurden Kosteneinsparungen und Umsatzgenerierung genannt.
Und die wirklich erfolgreichen Unternehmen setzten sich bereits jetzt mit der Zeit nach der Krise auseinander, sagt Alessandro Miolo, Verantwortlicher für das CFO-Programm bei Deloitte. "Sie prüfen mögliche Käufe oder Verkäufe von Unternehmensteilen und setzen nötige interne Veränderungen zielgerichtet um. Ich rechne mit einem grossen Digitalisierungsschub als Folge der Coronakrise", so Miolo.
Auch Jörg Gasser, CEO der Schweizer Bankiervereinigung, glaubt, dass die aktuelle Situation die Digitalisierung vorantreiben könnte, wie er in einem Interview mit 'Le Matin Dimanche' Ende März sagte. Aufgrund der Krise müssten neue Lösungen gefunden werden, um sich besser vor solchen Schocks schützen zu können. Man werde sich bewusst, welche Nachteile entstehen, wenn der Zugang zu Produktionsketten und Dienstleistungen, insbesondere im IT-Bereich, wegfalle. "Dies wird aber auch den digitalen Technologien einen Schub verleihen", sagte Gasser zur Zeitung.
Ökonomen des renommierten US-Thinktanks Brookings gehen davon aus, dass eine Covid-19-bedingte Rezession zu einem Vermehrten Einsatz von Robotern in Unternehmen führen wird. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Automatisierung in Firmen in der Vergangenheit nicht in einem konstanten Tempo erfolgt ist, sondern in Schüben, die vor allem in schlechten Zeiten auftauchen.
Ein Grund dafür ist laut den Autoren, dass in Zeiten, in denen die Einnahmen der Unternehmen rasch schwinden, menschliche Arbeitsleistung relativ teuer ist. Dies habe zur Folge, dass Unternehmen in solchen Zeiten schlecht qualifizierte Arbeitskräfte durch eine Mischung aus Technologie und besser qualifizierten Arbeitskräften ersetzen würden. 

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