Schweizer Firmen setzen mehr und mehr auf Open Source

17. Juni 2021, 15:13
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Digitale Souveränität und offene Standards gewinnen an Bedeutung, wie eine Studie zeigt. Die unsichere Zukunft vieler Projekte hemmt aber den OS-Einsatz in Firmen.

Fast alle Firmen in der Schweiz setzen auch auf Open Source, wie eine Studie der Universität Bern zeigt. Demnach nutzen 97% aller Firmen und Behörden quelloffene Software. Vor allem wegen den offenen Standards, wie viele der Befragten angaben. Denn die Interoperabilität über offene Schnittstellen würde immer wichtiger, monolithische IT-Systeme hätten ausgedient, folgert der Open-Source-Verein CH Open, der die Studie in Auftrage gegeben hat.
Fast die Hälfte der befragten 163 Manager und IT-Fachleute aus der Schweiz gab an, dass sie in mehr als der Hälfte der 28 abgefragten Themen Open-Source-Tools und -Software nutzen. In der letzten Umfrage von 2018 sagten erst rund 29%, dass sie solche Vielnutzer seien. 3 Jahre davor waren es etwas über 21%.
Am häufigsten kommen offene Programmiersprachen zum Einsatz: 82% der Firmen nutzen Javascript, Python, Ruby, Java, PHP und Co. Weitere wichtige Felder sind Web-Server, Server-Betriebssysteme, Datenbanken/NoSQL-DBs und Desktop-Anwendungen. In all diesen Bereichen gewann der Ansatz an Popularität. Auch im Security-Bereich und bei Cloud-Technologien werde mehr und mehr auf Open-Source-Lösungen gesetzt, freut sich CH Open. Letzteres geht vor allem auf die Beliebtheit von Docker und Kubernetes zurück. Die Anzahl der Firmen und Behörden, die die Container-Verwaltungs-Plattform nutzen, hat sich sei seit 2018 mehr als verdoppelt.
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Grafik aus der Studie

Die grössten Treiber und Hürden von Open Source

Neben der Interoperabilität wurde häufig die grosse Auswahl an Tools, die breite Community und die erhöhte Sicherheit als Gründe für die Wahl von OS-Lösungen genannt. Danach folgte die "digitale Souveränität", also verringerte Abhängigkeiten von Herstellern sowie bessere Verhandlungsmöglichkeiten bei der Beschaffung. Der Souveränitäts-Aspekt hat in den letzten 3 Jahren deutlich an Wichtigkeit gewonnen.
Am wenigsten wird Open Source für Businessanwendungen wie ERP, CRM und Groupware genutzt, jeweils rund jeder Zehnte gab an, dies zu tun. Der Einsatz hat hier ausser beim ERP seit 2018 abgenommen.
Am häufigsten sprach in den Firmen die unklare Finanzierung und die unsichere Zukunft von OS-Projekten gegen den Einsatz ihrer Produkte. Zwei Drittel der Befragten gaben dies an. Zudem beklagten viele trotz der APIs fehlende Schnittstellen zu anderen Systemen und Integrationsschwierigkeiten. Und schliesslich stecken viele Firmen in einem Vendor-Lockin, was den Umstieg auf Open-Source-Alternativen verhindert.
Die Studie wurde von CH Open und SwissICT bei der Universität Bern in Auftrag gegeben. Es nahmen 163 IT-Manager oder -Fachleute an der Umfrage teil, fast 40% stammen aus der ICT, knapp 30% aus Verwaltungen und der Rest aus den übrigen Sektoren. Die detaillierte "Open Source Studie Schweiz 2021" kann von Nextcloud heruntergeladen werden.

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