Schweizer Firmen hadern mit Digitalisierung

28. Oktober 2013, 10:06
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Abgestimmte Digitalisierungs-Strategien fehlen weitestgehend in Schweizer Unternehmen.

Abgestimmte Digitalisierungsstrategien fehlen weitestgehend in Schweizer Unternehmen.
Durch den rasanten Fortschritt im Bereich digitaler und mobiler Technologien verändern sich bisherige Spielregeln und Gewohnheiten in der Kommunikation und Interaktion der Menschen. Unternehmen stellt diese Entwicklung vor bedeutsame Herausforderungen. Kunden gewinnen an Transparenz, Wahlfreiheit und Macht. Die Tragweite der Veränderungen ist enorm. Einerseits eröffnen sich grosse Chancen für neue Geschäftsmodelle, Produkt- und Serviceangebote sowie verbesserte Prozesse. Andererseits bestehen auch nicht zu unterschätzende Risiken für Unternehmen: Das Risiko, nicht zu handeln wie auch das Risiko, das Falsche zu tun. Und die Herausforderung, eine gelungene Verzahnung oder Abgrenzung des neuen Business mit dem bestehenden Geschäft hinzubekommen.
Die Chancen, Risiken, aber auch erfolgversprechenden Rezepte zu ergründen, war Ziel des vierten C-Level-Roundtables 2013 unter dem Titel "Digitales und mobiles Business der Zukunft". 46 Top-Manager (CEOs, CFOs, COOs und CIOs) der C-Level Community nahmen an der Diskussion teil.
Geschäftsmodelle verändern sich
Nach Einschätzung von 90 Prozent der am C-Level-Roundtable anwesenden Top-Executives verändert Digitalisierung und zunehmende Mobilität die Geschäftsmodelle in erheblicher Weise. Von den 46 befragten Top-Managern am C-Level-Roundtable gaben 39 Prozent an, bereits jetzt mit substanziellen Auswirkungen der Digitalisierung und Mobilität zu kämpfen. Mehr als die Hälfte erwartet einen Handlungsdruck in den nächsten zwei bis drei Jahren.
Umso überraschender ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Ergebnis der Umfrage, wonach 61 Prozent der befragten Unternehmen bisher noch keine abgestimmte Digitalisierungsstrategie erarbeitet haben. Und entsprechend können auch 67 Prozent der befragten Firmen derzeit keinen oder nur einen kaum relevanten wirtschaftlichen Nutzen aus der Digitalisierung und Mobilisierung der Welt erzielen.
Digitalisierung bietet nach Einschätzung der am C-Level-Roundtable teilnehmenden Unternehmen grosse Chancen für neue Geschäftsmodelle. Vor allem im Bereich Service- und Produktinnovation erwarten die Top-Executives durch Digitalisierung grossen Mehrwert für die Kunden in der Schweiz.
Neue Produkte und Services erfordern einen hohen Innovationsgrad. Doch gerade wenn es um Geschäftsmodell-Innovationen geht, besteht oftmals ein Spannungsfeld zwischen dem etablierten bestehenden Geschäft und dem neuen zu entwickelnden Geschäftsmodell. "Kann man innovativ genug sein, wenn man den bestehenden Geschäftsbereichen im eigenen Unternehmen den Auftrag gibt, neue, digitale Produkte zu entwickeln?", fragte daher Selçuk Boydak, Moderator und Gründer von Boydak Management Consulting. 76 Prozent der Befragten gaben diesbezüglich an, die digitale Transformation aus der eigenen Organisation heraus zu entwickeln.
Der Unternehmens-IT kommt im Rahmen der digitalen Transformation eine besondere Rolle zu. Neben neuen Architekturmodellen ist vor allem eine insgesamt deutlich höhere Schnelligkeit und Agilität gefragt.
Die Rolle der Informatik im Rahmen digitaler Transformationsprozesse wird unter den Top-Executives in der Schweiz kritisch eingestuft. Zwei Drittel der im Rahmen des C-Level-Roundtables Befragten halten die IT-Abteilung für einen Bremsklotz. Entsprechend halten 26 Prozent die fehlende Agilität der Unternehmens-IT für eine der grössten Herausforderungen für die digitale Transformation. (mim)
Über C-Level
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Fast 400 der wichtigsten 2'500 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.

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