Schweizer Forscher wollen Open-Source-Hardware regulieren

6. April 2020, 11:48
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Wie können Chancen und Risiken von Open-Source-Hardware juristisch eingebettet werden? Ein Projekt der Uni Neuenburg will Antworten liefern.

Weil Open Source längst nicht mehr nur auf Software beschränkt ist, sondern sich beispielsweise in der Robotik immer mehr auf Open-Source-Hardware erstreckt, stellen sich spezifische juristische Fragen. Auf diese wollen Forscher für Innovationsrecht an der Universität Neuenburg Antworten finden. Dies meldet die Universität.
In einem Projekt wollen die Wissenschafter den Schweizerischen rechtlichen Rahmen von Open-Source-Modellen in der physischen Welt klären und verbessern, insbesondere bezogen auf Hardware. Womit ganze Maschinen und Einzelteile für solche gemeint sind und nicht die Software.
Open-Source-Hardware-Projekte (OSH) gibt es seit über 20 Jahren, aber sie scheinen allgemein "Mainstream-tauglich" zu werden. Das Interesse an diesen hat laut Mitteilung beispielsweise Schweizer Projekte der ETHZ und EPFL geweckt. Genannt wird RocketLogger, ein tragbares Gerät zur Datenerfassung und -verarbeitung, für das die ETH Zürich einen öffentlichen Aufruf zur Einreichung von technischen Beiträgen lanciert hat. An der EPFL würden zudem regelmässig "Open Hardware Workshops" in der Bio- und Nanotechnologie-Forschung stattfinden.
Zudem resultiert das juristische Interesse auch aus der immer weiteren Verbreitung 3D-Druckern und Fablabs. Dank diesen finden Private und Gewerbetreibende den Zugang zu modernen Fertigungsverfahren für Einzelstücke, und damit so die Forscher "erleben einige industrielle Aktivitäten eine echte Revolution."

Wenn Patentrecht auf Urheberrecht trifft

Hardware untersteht im Unterschied zu Software vielfach nicht dem Urheberrecht, sondern dem Patentrecht. Zudem können voneinander unabhängige Teile einer Hardware unterschiedlichen Lizenzen unterstehen. Entsprechend interessiert die Autoren, "wie lässt sich dieser Ansatz mit dem Patentrecht und dem Recht der technischen Gestaltung in Einklang bringen? Wie lassen sich diese Möglichkeiten der Technik optimal regulieren?"
"Jeden zum Meister der Technik zu machen, hat viele Tugenden, wie wissenschaftliche Ausbildung, unternehmerischer Antrieb oder das Ende der programmierten Obsoleszenz", erklärt Projektleiter Quentin Louis Adler. "Wenn wir diese partizipativen Modelle der Innovation und Fertigung populär machen wollen, brauchen wir eine rechtliche Grundlage, die einfach, umsetzbar, vorhersehbar und leicht übertragbar ist sowie mit der Praxis und Philosophie der Open-Source-Hardware in Einklang steht".

Vorschläge des CERN und anderer nutzbar

Dabei müssen die Forscher nicht bei Null beginnen, es gibt Vorschläge der Open Source Hardware Association, Creative-Commons-Lizenzen und andere Ideen mehr. Dazu zählt auch die CERN Open Hardware License (CERN OHL), die ursprünglich für die Verwendung mit dem Open Hardware Repository entwickelt wurde. Das Genfer CERN habe seine Unterstützung des Projekts auch signalisiert, so die Mitteilung der Neuenburger.
Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds über drei Jahre mit 210'000 Franken finanziell unterstützt. Dessen Forschungsresultate sollen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

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