Schweizer Gesundheits­wesen hat immer noch digitalen Nachholbedarf

14. September 2021, 15:19
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Die Bevölkerung zeige sich offen für digitale Lösungen, doch der Branche mangle es an Tempo, so der "Digital Health Report".

Die Schweiz bewege sich bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens immer noch nur im internationalen Mittelfeld, heisst es in einer Mitteilung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zum "Digital Health Report 21/22".
In den letzten Jahren habe sie also "nichtnennenswert aufgeholt". Verglichen mit anderen inländischen Branchen sei der Digitalisierungsgrad des Gesundheitswesens gar unterdurchschnittlich.
Vor allem die Corona-Krise habe die Digitalisierungslücken offengelegt. "Man denke etwa daran, wie Fallzahlen zum Teil per Fax übermittelt werden mussten", wird ZHAW-Gesundheitsökonom Alfred Angerer in der Mitteilung zitiert.
Grund für den Rückstand seien ein Mangel an Fachkräften, regulatorische Hürden sowie die geringe Priorität, die die Digitalisierung bei den Gesundheitsinstitutionen geniesse.

Wie nachhaltig ist der Digitalisierungsschub durch Corona?

Zwar habe die Corona-Pandemie teilweise auch einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Es sei allerdings unklar, wie nachhaltig diese Beschleunigung sei. "Die mühsame Abstimmung der Kantone untereinander bleibt bestehen, und es fehlt dem Konstrukt Gesundheitssystem insgesamt an innerer Agilität", so der Report.
Die meisten beobachteten Anwendungen seien "eher als Evolution denn als Revolution zu betrachten". Der Digitalisierungstrend zeige allerdings nach oben: Mittlerweile gebe es über 200 Digital-Health-Startups in der Schweiz.
Durch das Jahrhundertereignis Corona-Pandemie habe das Gesundheitssystem einen externen Schock erfahren, heisst es weiter. Durch "diesen hohen Druck wurden unerwartet Initiativen ermöglicht, die bislang noch undenkbar waren". Allerdings: "So eindrücklich die Wachstumszahlen bei telemedizinischen Konsultationen zwischen 20 und 650% auch wirken: Es kann noch nicht abschliessend beantwortet werden, wie nachhaltig dieser Innovationsschub sein wird."

Zentrale Pfeiler und Zukunftsmusik

Der "Digital Health Report" zeige, dass sich die Schweizer Bevölkerung – insbesondere junge Menschen – einen Ausbau der digitalen Angebote im Gesundheitsbereich wünsche. Ein "zentraler Pfeiler" dieser Digitalisierung sei das elektronische Patientendossier, das sich in den kommenden Jahren wohl durchsetzen werde.
Beim Thema KI-Einsatzpflicht für Gesundheitsfachpersonen und feste Implantate ("Insideables") seien sich befragte Experten hingegen einig, dass diese in den nächsten zehn Jahren nicht zum Thema werden. "Bei vielen anderen Thesen gehen die Einschätzungen der Befragten jedoch auseinander. Während die einen beispielsweise das Thema vollautomatische OP-Roboter als ausgeschlossen sehen, ist deren Realisierung für andere gewiss", heisst es im Fazit des Reports.
Der "Digital Health Report 21/22" kann kostenlos auf der Website der ZHAW als PDF heruntergeladen werden. Er basiert laut Mitteilung auf einer übergreifenden Auswertung vorhandener Studien und einer Befragung von rund 20 Expertinnen und Experten. Er wurde unterstützt vom Pharmakonzern Roche, der Unternehmensberatungsfirma Synpulse, der Krankenkasse Swica sowie der Post.

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