Schweizer ICT-Branche mitten in Industrialisierungsprozess

9. März 2007, 15:58
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Biblisches Ausmass künftiger Gewinne?

Die verkleinerte Grafik zeigt das Wachstum der Bruttowertschöpfung (linke Skala) sowie die Veränderung des Beitrags zur gesamten Wertschöpfung (untere Skala) verschiedener Branchen in der Schweiz. (c) by Pascal Sieber Partners
Man kann den AkademikerInnen des kleinen Berner Beratungshauses Pascal Sieber & Partners das eine oder andere vorwerfen, nicht aber dass sie nicht eloquent zu formulieren wüssten. Schliesslich fassen die drei AutorInnen der Studie "Die ICT-Nation Schweiz 2007" ihre Erkenntnisse zu Vergangenheit und Zukunft der Schweizer IT-Branche wie folgt zusammen: "Soviel ist sicher: Biblisches Ausmass nehmen allenfalls die Gewinnpotentiale an. Die kleineren Krisen zwischendurch dagegen bei weitem nicht."
In der Studie untersuchen Nicole Scheidegger, Alfred Bertschinger und Pascal Sieber die Entwicklung der Schweizer Informatik- und Kommunikations-Branche in der Schweiz zwischen 1998 und 2005. Als Quellen wurden offizielle statistische Daten, z.B. aus der eidg. Betriebszählung, ausgewertet.
Die mageren Jahre
Eindrücklich zeigt sich aus den statistischen Daten der massive Einbruch des IT-Business in der Schweiz rund um den New-Economy-Crash kurz nach der Jahrtausendwende. Während die Umsätze eine sanfte Delle verzeichneten, rasten die Gewinne zwischen Mitte 2000 und 2001 in einer steilen Kurve nach unten - tief unter die Grenze, an der sich Gewinne in Verluste verwandeln.
Über den gesamten Zeitraum aber, ist die ICT-Industrie (ein Begriff der in der Studie nicht verwendet wird) einer der dynamischsten Branchen in der Schweiz. Gemessen am Wachstum der Wertschöpfung liegt sie gar an der Spitze (siehe Screenshot). Insgesamt ist der Anteil der "Informatikdienste" an der Wertschöpfung in der Schweiz mit zwei Prozent (in absoluten Zahlen: 8,1 Milliarden Franken) aber noch sehr gering.
Branche steckt mitten in Industrialisierung
Eine genaue Analyse von vier Kennzahlen zeigt, dass die ICT-Branche seit 2003 in einem Industrialisierungsprozess steckt. Ab dann hat sich nämlich die Bruttowertschöpfung von der Entwicklung der Beschäftigtenzahl abgekoppelt. Pro Lohnfranken wird also mehr produziert - man hat (und wird noch mehr) rationalisiert und lagert zunehmend Prozesse mit geringer Wertschöpfung in Tieflohnländer aus.
Dienstleistung oder Industrie?
2005 gab es in der Schweiz insgesamt 12'943 Unternehmen der ICT-Branche in der Schweiz. 82,5 Prozent davon sind gemäss den Schweizer Statistik-Daten "Informatikdienstleister", nur ein Prozent ist als "Hersteller" klassifiziert.
Mit der Realität hat diese Einteilung der Firmen allerdings wenig zu tun. Denn viele, wenn nicht die meisten, aber sicher die ertragskräftigsten der so genannten "Dienstleister" sind nichts anderes als Software-Fabriken. Sie stellen - dies nur zwei Beispiele - Hardware-nahen Code her, der später dann als Teil einer Maschine oder einer Anlage exportiert wird oder sie produzieren Software, die von der Schweizer Finanzindustrie weltweit eingesetzt wird. Zudem ist der wachsende Anteil von Informatik an der Wertschöpfung der Industrie nicht berücksichtigt, ja er wurde unseres Wissens nicht einmal je untersucht. (Christoph Hugenschmidt)
Die 21-seitige Studie trägt den Titel "ICT-Nation Schweiz 2007. Krise - Normalisierung - Industrialisierung. Die spannenden Jahre der ICT-Branche" kann online bei Pascal Sieber Partners für 230 Franken bestellt werden. Wer sich mit der Branche beschäftigt, sollte das tun.

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