Schweizer Industrie liebt SAP(-Dienstleister)

3. September 2008, 14:16
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SAP-Services sind ein Wachstumsmotor im Schweizer IT-Dienstleistungsmarkt. Bei steigender Kommoditisierung geraten die Preise der IT-Dienstleister unter Druck.

Der Industriesektor ist der weitaus grösste Nachfrager von SAP-Dienstleistungen in der Schweiz. (Grafik: (c) by PAC)
Der französisch-deutsche Marktforscher PAC hat den Schweizer Markt für IT-Dienstleistungen im SAP-Umfeld untersucht. Das hohe Volumen von über 1,1 Milliarden Franken jährlich zeigt, welch hohen Marktanteil der deutsche Hersteller in der Schweiz besitzt.
Sonderkonjunktur, aber Einbruch im Maschinenbau
"Nicht gerade eine Sturmflut", so schreibt PAC-Beraterin Julia Reichhart, aber immerhin eine "Sonderkonjunktur" herrscht in der Schweiz aufgrund der stetigen SAP-ERP-Upgrade-Projektwelle. Die Upgrade-Welle, die bekanntlich auch in der Schweiz zu einem Mangel an Fachleuten geführt hat wird gemäss PAC noch bis 2012 andauern.
Die meisten Anwender dürften den rein technologischen Upgrade auf SAP ERP 6.0 gemacht haben, doch nun folgen potentiell aufwändigere, funktionale und strategische Erneuerungen der Systeme. Die Auftragswelle wird aber nicht ganz so hoch ausfallen, wie man ursprünglich dachte. Dies, weil einige Branchen, namentlich der Maschinenbau, zur Zeit konjunkturelle Rückschläge hinnehmen müssen. Dies führt zur einer "deutlichen Projektdelle" und zu Verzögerungen bei den strategischen Updates. Klassisches Beispiel ist der Stopp des SAP-Megaprojekts bei OC Oerlikon. Andere Branchen wie die Pharmaindustrie hingegen stützen die Nachfrage.
Preismodelle und Offshore-Kapazitäten der Dienstleister werden wichtiger
Die klassischen Kriterien für die Auswahl eines SAP-Dienstleisters durch die Anwender sind (nachgewiesene) Erfahrung, insbesonders beim Uprade auf ERP 6.0, Zuverlässigkeit und natürlich Branchen- und Prozess-Know-how.
Doch mit zunehmender Reife des Markts und vor allem bei Upgrades, die eher einen "Rückbau" als neue Funktionen bezwecken, treten neue Kriterien in den Vordergrund. Preis und Preismodelle und damit zusammenhängend natürlich die Fähigkeit, gewisse Dienstleistungen aus einem Tieflohnland heraus zu erbringen, werden nun wichtiger.
Zudem erhöht die steigende Präsenz von indischen Dienstleistern in der Schweiz den Druck auf die etablierten Anbieter.
Auch bei der Auslagerung des Betriebs von SAP-Applikationen wird es für Anbieter immer schwieriger, sich zu differenzieren. Dies führt gemäss PAC zu einem starken Druck auf die Preise. Ausserdem verlangen die Kunden immer öfter flexible, verbrauchsabhängige Preismodelle.
Industrie fragt am meisten IT-Dienstleistungen nach
PAC schlüsselt das Schweizer Marktvolumen der IT-Dienstleistungen (etwas über sechs Milliarden Franken) auch nach Branchen auf (siehe Grafik oben). Erstaunlich ist der grosse Anteil der Industrie. Gemäss Reichhart hat dies mehrere Ursachen. So gehören einige der sehr grossen Schweizer Firmen (ABB, Pharma, Nestlé) zum Industrie-Sektor. Und die Industrie hat sich, anders als der Dienstleistungssektor, wo man erst von "Industrialisierung" spricht, im Rahmen der Globalisierung an Outsourcing und externe Beschaffung gewöhnt. Würde man allerdings einen Sektor "Financial Services" mit den Versicherungen und Banken zusammen bilden, so würde dieser der grösste Konsument von IT-Dienstleistungen in der Schweiz.
Weniger überraschend ist hingegen der grosse Anteil der Industrie an IT-Dienstleistungen im SAP-Umfeld. SAP kommt historisch aus dem Industriebereich und ist in der Schweiz in diesem Sektor sehr gut verankert.
Reichharts Fazit der Untersuchung des Schweizer Dienstleistungsmarkts: Services- und Outsourcing im SAP-Umfeld bleiben ein Wachstumsmotor für IT-Dienstleister. Entscheidend wird die Fähigkeit, flexibel und kosteneffizient zu liefern (Offshore-Entwicklung, On-Demand-Abrechnungen) und gleichzeitig steigende Branchen-, Prozess- und Technologiekompetenz vorzuweisen. (Christoph Hugenschmidt)
(Grafik: (c) by PAC)

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