Schweizer IT- und Telekommarkt stagnierte 2016

17. Januar 2017, 16:13
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Ob EU oder Schweiz - Umsatzwachstum gibt es nur noch in der IT-Branche. Das Telekom-Business bleibt weiter rückläufig, wie die jüngsten EITO-Marktzahlen zeigen.

Ob EU oder Schweiz - Umsatzwachstum gibt es nur noch in der IT-Branche. Das Telekom-Business bleibt weiter rückläufig, wie die jüngsten EITO-Marktzahlen zeigen.
Das IT- und Telekom-Geschäft kommt aktuell weder in der Schweiz noch im Durchschnitt der EU-Länder vom Fleck. Das zeigen die heute vom Branchenverband Swico vorgestellten Zahlen des European Information Technology Observatory (EITO). Wuchs hierzulande der gesamte ICT-Markt 2015 noch um 1,4 Prozent auf 30,5 Milliarden Franken, stagnierte er 2016 beinahe bei 30,6 Milliarden Franken (plus 0,2 Prozent). In diesem Jahr soll mit 31 Milliarden Franken und einem Plus von 1,1 Prozent fast wieder das Wachstumsniveau von 2015 erreicht werden, prognostiziert EITO.
Kaum anders sieht es im Durchschnitt der 27 EU-Staaten aus. Dort belief sich das Volumen des ICT-Markts 2015 bei einem Wachstumsplus von drei Prozent auf 682 Milliarden Euro. Mit 687 Milliarden Euro im 2016 (plus 0,9 Prozent) stagnierte der Markt dann beinahe und wird auch laut der Prognose für 2017 nur um 0,8 Prozent auf 693 Milliarden Euro zulegen.
Interessant ist, dass sowohl hierzulande als auch im Durchschnitt der EU-Länder der IT-Sektor mit Services sowie Hard- und Software Treiber der Entwicklung ist. Das Telekom-Business hingegen ist rückläufig.
Schweizer Zahlen
Konkret wird das Schweizer IT-Marktvolumen für 2016 mit 19 Milliarden Franken und einem Plus von 3,4 Prozent angegeben. Als auffälligen Treiber strich man beim EITO insbesondere das starke Software-Business der Schweiz heraus, das mit fast 20 Prozent am gesamten ICT-Markt deutlich über dem EU-Durchschnitt von gut 13 Prozent liegt. Konkret nahmen hierzulande die Software-Umsätze um 4,8 Prozent auf 5,9 Milliarden Franken zu.
Volumenmässig bilden aber die IT-Services mit über 33 Prozent Marktanteil weiter den grösste ICT-Bereich. Sie wuchsen um 2,8 Prozent und kamen auf 10,1 Milliarden Franken. Ähnliche Zuwächse verzeichnet auch das Hardware-Segment, dass um 2,6 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken im 2016 zulegte. Interessanterweise sollen laut den Zahlen bei den Desktops zwar die Gerätemenge geschrumpft, doch die Umsätze gestiegen sein - Grund dafür ist laut EITO die Nachfrage nach Spezial- und Game-Desktops.
Dagegen büsste der Telekom-Markt 4,6 Prozent ein und es wurden noch 11,7 Milliarden Franken umgesetzt. Auch 2017 soll diese Tendenz anhalten und 19,4 Milliarden Franken (plus 2,5 Prozent) im IT-Sektor umgesetzt werden, während der Telekom-Bereich auf 11,5 Milliarden Franken (minus 1,2 Prozent) weiter zurückgeht.
Begründet wird das rückläufige Telekom-Business insbesondere mit dem schrumpfen der Preise und des Absatzes beim Smartphone-Verkauf. Sie machen rund 75 Prozent des Telekom-Equipments aus, womit im letzten Jahr aber nur noch ein um rund 22 Prozent geschrumpfter Umsatz von 1,6 Milliarden Franken erwirtschaftet wurde. Laut EITO ist der Smartphone-Markt in der Schweiz mit einem Marktanteil von etwas mehr als 92 Prozent bei den Mobile Phones nahezu gesättigt. 2015 waren 3,6 Millionen Stück verkauft worden, 2016 noch 3,3 Millionen und 2017 sollen mit 3,2 Millionen Geräten nochmals etwas weniger Smartphones über die Ladentische gehen.
Im Telekom-Umfeld wird laut den EITO-Zahlen aber ohnehin nur noch Geld mit Datendiensten verdient, für die 2016 ein Plus von 2,5 und für 2017 ein Plus von 2,7 Prozent ausgewiesen wurde. Der seit Jahren anhaltende Rückgang bei der Sprachtelefonie schreibt sich unter anderem wegen immer mehr Bündel-Angeboten und Alternativen zur klassischen Telefonie fort. Im letzten Jahr ergab das ein Minus von 3,8 Prozent und 2017 wird der Marktsektor um vier Prozent schrumpfen, hiess es an der Präsentation in Zürich.
Swico Agenda
Der Branchenverband Swico nutzte die Vorstellung der Marktzahlen, um die Schwerpunkte seines Engagements im 2017 vorzustellen. So soll nach dem Aufbau der zweisprachigen Webseite der Ausbau in der Westschweiz inhaltlich vorangetrieben werden. Die Anzahl Mitglieder in der Region will man auf mindestens 50 verdoppeln. Dann soll mit Swico-Vorstandsmitglied und Ex-Sage-Schweizchef Jean-Jacques Suter die französischsprachige Swico-Community unter anderem mit Präsentationen in Westschweizer Städten ausgebaut werden. Auch eine eigene IG (Interessengemeinschaft) für spezielle Themen der welschen Regionen soll es geben, hiess es weiter.
Ausser diesen regionalen Bemühungen stehen bei dem Verband vier Themen ganz oben auf der politischen Agenda. Neben der Regulierungsdichte, gemeint sind Rahmenbedingungen, die der wirtschaftlichen Entwicklung entgegenstehen, sei der Fachkräftemangel ein bleibendes Thema. Ausserdem steht das Datenschutzgesetz auf dem Arbeitsplan, zu dem die Vernehmlassung läuft. Schliesslich soll auch die geplante Einführung von Netzsperren im Rahmen der Geldspielgesetz-Revision insbesondere wegen der möglichen Auswirkungen auf andere ICT-Bereiche prioritär behandelt werden.
Weiter hat der Swico sechs technologische Schwerpunkte und ihre Bedeutung für die Schweizer ICT-Branche definiert. In dem "Swico House View" genannten Paper werden produktneutral diese Trends beschrieben, sowie ihre Innovationspotenziale und gesellschaftlichen Auswirkungen kurz und präzise erklärt. Ein kurzfristiger Ausblick gibt den ICT-Anbietern am Ende des Papiers konkrete Empfehlungen. (Volker Richert)

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