Schweizer KMU: Das Zauberwort bleibt Teiloutsourcing

24. Oktober 2005, 13:20
  • cloud
  • outsourcing
  • kmu
  • schweiz
  • studie
image

Aber: Le KMU, ça n'existe pas. Die Voraussetzungen und Einstellungen sind stark branchen- und grössenabhängig.

Aber: Le KMU, ça n'existe pas. Die Voraussetzungen und Einstellungen sind stark branchen- und grössenabhängig.
Outsourcing ist heute auch für einen grossen Teil der mittelgrossen Schweizer Unternehmen ein heisses Thema. Dabei steht aber viel öfter ein Teiloutsourcing zur Diskussion als ein volles Auslagern der gesamten IT an einen Dienstleister. Dies ist das Hauptfazit einer heute Morgen vorgestellten Studie unter dem Titel "Outsourcing im Schweizer KMU-Markt", und dieses Ergebnis dürfte sich wohl tatsächlich auf den gesamten Schweizer KMU-Sektor übertragen lassen.
Zwei Branchen
Die genauen Zahlen und einige weitere Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne weiteres generalisieren: Die Autoren der von IBM unterstützten Studie konzentrierten sich nämlich, um ihre Arbeit nicht ins uferlose wachsen zu lassen, auf Unternehmen mit zwischen 50 und 700 IT-Benutzern sowie zwei Branchen, die Finanzindustrie auf der einen sowie die Chemie, Pharma und Medizinaltechnikbranche auf der anderen Seite. Michael Litterer (Bild links) von Tetrade und Christian Speck (Bild rechts) von Steffen Informatik, welche die Studie im Rahmen ihres Executive MBA an der Uni St. Gallen durchführten, konnten dafür die Antworten von 107 CEOs und CFOs auswerten.
Fast die Hälfte der Befragten, 46 Prozent, glauben, dass Outsourcing künftig an Bedeutung gewinnen wird. 36 Prozent glauben, dass die Bedeutung gleich bleiben wird und nur 11 Prozent glauben, dass Outsourcing an Bedeutung verlieren wird.
IT-Kosten schwanken stark
Immerhin 6 Prozent der Befragten haben bereits ihre gesamte IT ausgelagert und weitere 10 Prozent planen dies für die Zukunft. Demgegenüber stehen 80 Prozent, für die IT-Volloutsourcing kein Thema oder unwahrscheinlich ist.
Teiloutsourcing – die Auslagerung von einzelnen IT-Komponenten wie dem Webauftritt, dem E-Mail-System oder der Serverbertreuung – ist aber bereits heute viel weiter verbreitet und wird auch viel öfter geplant. 55 Prozent der Unternehmen haben schon eine oder mehr Komponenten ausgelagert und 50 Prozent planen, künftig damit zu beginnen oder weitere Bereiche folgen zu lassen. Dabei gibt es, wie die Autoren feststellen, einen Trend dazu, künftig auch komplexere Bereiche abzugeben, zum Beispiel die Sicherheit oder die ERP-Systeme.
Was die Studie aber auch klar belegt, ist, dass es in Bezug auf die Voraussetzungen für Outsourcing das Schweizer KMU gar nicht gibt. Schon nur zwischen den beiden betrachteten Branchen zeigten sich grosse Unterschiede. So gaben die Befragten aus der Finanzindustrie an, dass ihre IT sie pro Arbeitsplatz durchschnittlich 33'300 Franken kostet. In der anderen Branche, der Chemie/Pharma und Medizinaltechnik liegt dieser Schnitt fast viermal tiefer, bei 8400 Franken – wo die IT-Kosten eh schon tief sind, ist auch für einen Outsourcing-Anbieter weniger zu holen.
Bessere IT versus billigere IT
Und anhand der Finanzbranche für sich zeigt sich auch, dass die Grössenordnung eines Unternehmens Unterschiede bewirkt. Allgemein, so die Studie, erwarten die befragten Kunden vom Outsourcing vor allem ein besseres Mithalten mit Innovationen in der IT sowie eine höhere Verfügbarkeit und Sicherheit ihrer IT. Tiefere Kosten werden dagegen als Motivation erstaunlich tief bewertet. In der Finanzbranche allerdings beobachteten die Autoren zwei deutlich unterschiedliche Gruppen.
Auf der einen Seite stehen Unternehmen mit 50 bis etwa 200 IT-Anwendern. Bei ihnen gibt es riesige Unterschiede in den IT-Kosten, zwischen rund 5000 und extremen 85'000 Franken pro Arbeitsplatz. Ihnen sind beim Thema Outsourcing die Sicherheit und die Innovation am wichtigsten – Dinge, die sie mit ihren eher kleinen eigenen IT-Abteilungen weniger gut sicherstellen können.
Auf der anderen Seite stehen Finanzinstitute mit ab rund 200 Arbeitsplätzen. Bei ihnen variieren die IT-Kosten deutlich weniger stark und sie gaben die Konzentration aufs Kerngeschäft und die Kostenreduktion als Hauptmotivatoren für Outsourcing an. Diese Unternehmen haben meist eine recht starke eigene IT-Abteilung und die Hauptfrage lautet darum eher: Könnt ihr es billiger als unsere eigenen Leute?
80 Prozent der Kunden wollen Branchenkenntnisse
Ein weiteres Hauptresultat der Studie ist, dass über 80 Prozent der befragten IT-Entscheidungsträger von allfälligen Outsourcing-Anbietern ausdrücklich branchenspezifisches Know-how verlangen. Solches Know-how zu erlangen ist aber aufwendig. Zusammen mit den erwähnten ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Ansprüchen bei den Unternehmen führt dies dazu, dass auch die Dienstleister kaum um eine Spezialisierung herumkommen – einer Konsolidierung auf dem Gebiet Outsourcingdürften also Grenzen gesetzt sein.
Sogar ein Riese wie IBM will nicht allen alles bieten. Einerseits, so Lukas Mulle, Manager Strategic Outsourcing, wird sich auch IBM auf gewisse Branchen – zum Beispiel die Finanzindustrie – konzentrieren und andererseits auch bei der Kundengrösse Grenzen ziehen. Das KMU-Outsourcing-Geschäftsmodell von IBM, so Mulle, sei wohl am ehesten auf Kunden mit ab etwa 100 Arbeitsplätzen zugeschnitten. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Zürcher Datenschützerin zum Cloudeinsatz: "Der Regierungsratsbeschluss ändert gar nichts"

Bei Dominika Blonski häufen sich seit dem Frühling Anfragen von Behörden zur Cloudnutzung. Im Gespräch sagt die Datenschützerin: "Ich weiss nicht, was die Absicht der Zürcher Regierung war."

publiziert am 30.9.2022 7
image

Urs Truttmann wird Digitalchef der Stadt Luzern

Nachdem Truttman seit April schon interimistisch als CDO im Einsatz stand, übernimmt er die Leitung der Dienstabteilung Digital jetzt definitiv.

publiziert am 29.9.2022
image

Ransomware-Banden kaufen Erstzugänge extern ein

Für nur gerade 10 Dollar können sich Cyberkriminelle auf Darkweb-Flohmärkten Zugänge zu Systemen kaufen. Damit können sie dann Schlimmes anrichten.

publiziert am 29.9.2022
image

Regierung will Millionen für Digitale Transformation von Basel-Land ausgeben

Für die digitale Verwaltung und den Aufbau eines Governance-Modells sollen 21 Millionen aufgewendet werden. Es gebe dazu keine Alternative, so der Regierungsrat.

publiziert am 29.9.2022