Schweizer Konzerne verschmähen das Web 2.0

26. August 2010, 10:38
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Börsenkotierte Schweizer Firmen zeigen bei der unternehmerischen Nutzung von Social-Media-Angeboten grossen Nachholbedarf.

Börsenkotierte Schweizer Firmen zeigen bei der unternehmerischen Nutzung von Social-Media-Angeboten grossen Nachholbedarf. Dies behauptet zumindest eine Untersuchung der Firma Social Media Schweiz, die unter zwanzig im Swiss Market Index (SMI) gelisteten Unternehmen durchgeführt wurde. Demnach nutzt nur ein Bruchteil dieser Firmen die Möglichkeiten direkter Online-Unternehmenskommunikation, wie sie bei Facebook, Twitter und anderen Tools von vielen Firmen weltweit praktiziert wird.
"Von den 20 beleuchteten Firmen beschäftigt sich lediglich die Hälfte mit dem Thema Social Media. Von diesen zehn sind auch nur fünf wirklich aktiv", fasst Studienautor Stefan Schär im Gespräch mit 'Pressetext' zusammen. Zu den Vorreitern gehören laut Schär Nestlé, ABB und die Swatch Group. Die grössten Defizite sieht die Analyse bei Firmen wie Julius Bär, Transocean oder Synthes.
Paralleluniversen
Besonders auffällig ist, dass die Unternehmen auf ihren Webseiten nicht oder nur versteckt auf ihre Social Media Aktivitäten hinweisen. "19 von 20 Unternehmen haben keine sichtbare Integration von Social Media Tools auf der eigenen Webseite", sagt Schär. Der Dialog mit Kunden und anderen Interessenvertretern finde in einer Art Parallelwelt statt. "Bei manchen SMI-Unternehmen entsteht der Eindruck, dass der Auftritt ohne das explizite Wissen des Hauptsitzes installiert und meistens auch eher nur zu Versuchszwecken eingerichtet wurde", heisst es in der Studie. Social Media werde primär genutzt, um Leser auf die eigene Webseite zu locken, während die dem Social-Media-Gedanke zugrundeliegende Verlinkung auf andere Plattformen soweit als möglich vermieden werde.
Acht Unternehmen nutzen laut der Erhebung Twitter und jeweils sechs Facebook sowie Youtube. Die Foto-Plattform Flickr wird lediglich von Nestlé in Anspruch genommen. Kunden und Aktionäre verfolgen die Firmen primär auf Facebook. So zählt beispielsweise der Studien-Musterschüler Nestlé auf Facebook über 130'000 Followers, während auf Twitter etwa 1'900 Personen die Gesellschaft verfolgen.
Bei Push- und Pullangeboten wie RSS-Feeds oder Kontaktformularen stellt die Studie den beleuchteten Unternehmen bessere Noten aus. So bieten 18 der 20 Firmen ein E-Mail-Abo, zwölf Firmen nutzen RSS. Einen firmeneigenen Blog bietet, wenn auch etwas versteckt, nur Swisscom an. Als Standard etabliert hat sich immerhin die noch aus Zeiten des Web 1.0 stammende Form der geschlossenen Kommunikation: Sämtliche Firmen bieten in irgendeiner Form, meist als E-Mail oder Kontaktformular, die Möglichkeit, Fragen und Anregungen an die Unternehmen zu richten.
Ungenutztes Potenzial
Die deutsche Business-Plattform Xing wird von keinem der 20 SMI-Unternehmen zur internen und externen Unternehmenskommunikation genutzt. Hier spricht die Studie von einem "brachliegenden Potenzial der Social-Media-Möglichkeiten im HR-Bereich". Viel aktiver sind die Mitarbeiter selbst: 19 Konzerne sind durch ihre Angestellten auf Xing zumindest indirekt vertreten.
Als Positivbeispiel für einen gelungenen Social Media-Auftritt nennt Schär die nicht-börsennotierte Fluglinie Swiss. Laut Untersuchung betreibt die Fluggesellschaft "eine konsequente Umsetzung eines offenen Dialoges", indem bereits auf der Startseite auf Twitter und Facebook hingewiesen wird. Darüber hinaus verbindet Swiss seine Social-Media-Aktivitäten direkt mit der eigenen Buchungsmaschine im Webauftritt.
Anzumerken bleibt, dass die Autoren der Studie nicht ganz uneingenommen sind, denn die Firma bietet laut Webseite selbst Serviceleistungen rund um Social-Media an. (pte/bt)

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