Schweizer Online-Händler gegen Widerrufsrecht

15. August 2013, 13:13
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Werden Online-Händler - vor allem jene, die Elektronik verkaufen - mit der möglichen Einführung des Widerrufsrecht künftig als Leihhaus missbraucht?

Werden Online-Händler - vor allem jene, die Elektronik verkaufen - mit der möglichen Einführung des Widerrufsrecht künftig als Leihhaus missbraucht?
"Würgen Schweizer Politiker den boomenden E-Commerce mit einem untauglichen Widerrufsrecht ab?", fragte bereits vor einem Jahr der E-Commerce-Spezialist Thomas Lang von Carpathia. Eine bereits vor Jahren eingereichte parlamentarische Initiative will das Recht, das bisher nur bei sogenannten Haustürgeschäften und beim Abschluss gewisser Verträge gilt, auf sogenannte Fernabsatzgeschäfte ausweiten. Davon wäre vor allem der Online-Kanal betroffen.
Das Widerrufsrecht, wie es etwa in der EU gilt, bedeutet, dass Konsumenten von "aufgeschwatzten" Verträgen zurücktreten können. Künftig soll dies nach Meinung der Initianten in der Schweiz nicht nur bei Verträgen möglich sein, die an der Türschwelle abgeschlossen werden, sondern auch bei solchen, die man online mit einem "Jetzt kaufen" bestätigt hat. Bundesrätin Simonetta Sommaruga, die 2005 als Ständerätin mit einer parlamentarischen Initiative, die ein Widerrufsrecht für den Online-Handel vorsah, scheiterte, will gemäss einer aktuellen Revisionsvorlage nun ein Widerrufsrecht "für jede Art von Fernabsatzverträgen" einführen, berichtet heute die 'Handelszeitung'.
Online-Händler als Leihhaus?
Der Verband des Schweizerischen Versandhandels kritisiert, dass die schon einmal abgelehnte Initiative Sommarugas nun von ihrem Justiz- und Polizeidepartement "unter dem Schafspelz Telefonverkauf" wieder auftauche.
Die mögliche Einführung eines solchen Widerrufsrechts in der Schweiz stösst vor allem bei Elektronik-Händlern auf Widerstand. Digitec etwa fürchtet eine Margenerosion. "Heute sind wir kulant und versuchen wenn immer möglich diese Dienstleistung der Rücknahme ohne Kostenfolge zu erbringen", so Co-Geschäftsführer Marc Dobler gegenüber der 'Handelszeitung'. Dobler glaubt, dass Händler bei einer Einführung des Widerrufsrecht als Leihhaus missbraucht werden. Ausserdem werde es zu Preiserhöhungen führen.
Markus Mahler, Chef von Brack.ch, verweist in der 'Handelszeitung' darauf, dass ein Widerrufsrecht den Online-Handel gegenüber dem stationären Handel benachteiligen werde. "Die geplante Änderung ermöglicht auch die kostenlose Rückgabe nach der Inbetriebnahme, das trifft vor allem elektronische Produkte, diese sind im Online-Handel heute am stärksten vertreten und werden durch einmalige Inbetriebnahme massiv entwertet", so Mahler zur 'Handelszeitung'. Beispiel: Ein Beamer wird fürs Wochenende bestellt und danach wieder zurückgeschickt.
Die Händler verweisen darauf, dass bereits heute viele Händler ein freiwilliges Rückgaberecht anbieten. (mim)

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