Schweizer Online-Handel unter der Lupe

11. November 2015, 14:04
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Sinkende Margen, hohe Investitionen und andere Trends.

Sinkende Margen, hohe Investitionen und andere Trends.
Zwar attestiert der siebte nun vorliegende E-Commerce Report für den B2C-Sektor dem Schweizer Onlinehandel 2014 einmal mehr eine bessere Entwicklung als der gesamten Handelsbranche. Doch sinkende Verkaufspreise, schwacher Euro und zunehmende Kaufkraftverluste ans Ausland haben die Wachstumsraten abgeschwächt, wie die von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag von Datatrans herausgegeben Studie festhält. Ausgewertet wurden dazu die Angaben von 38 "potenziell marktprägenden" E-Commerce-Anbietern mit Geschäftssitz in der Schweiz. Einmal mehr sieht die Situation allerdings je nach Branche sehr unterschiedlich aus, wobei sich insgesamt der Bereich IT und Unterhaltungselektronik überdurchschnittlich gut präsentiert.
Trotz des langsameren Wachstums zeichnet sich übrigens keine Trendwende im Markt ab, wie man bei der FHNW betont. Rund 10 Prozent habe 2014 der Onlinehandel mit Waren im Vergleich zum Vorjahr zugelegt, wobei ausländische Anbieter ihre Marktanteile erhöht hätten. Und mit 90 Prozent habe eine grosse Mehrheit angegeben, auch im laufenden Jahr 2015 weiter wachsen zu können. Die Studie zieht daraus den Schluss, dass die Verlagerung in den Online-Handel weitergehen wird. 40 Prozent der Befragten erwarten einen Umsatzzuwachs "um 50 Prozent oder mehr", wobei der insbesondere von Bestellungen über mobile Endgeräte kommen soll. Dagegen werden als Treiber der Verlagerung hin zum Onlinehandel altbekannte Aspekte genannt: Kompetenzzuwachs der Konsumenten, höheres Leistungsniveau spezifisch ausgerichteter Händler und, erst an vierter Stelle die niedrigeren Preise im Internet.
Hohe Investitionen, um an der Spitze zu bleiben
Interessant ist zudem, dass 22 der 38 befragten Händler sich für langfristige Investitionsphasen aussprechen. Damit sei den meisten klar, dass zum Bestehen im sich verschärfenden Wettbewerb "sehr viel investiert" werden müsse, wenn es um eine Spitzenposition im E-Commerce gehe, so die Studie. Auch 2015 wolle eine Mehrheit nochmals mehr investieren als in den Vorjahren. Der Eindruck, dass sich der Konkurrenzdruck verschärfe, wird übrigens nur von der Hälfte der Befragten geteilt.
Weiter wird festgehalten, dass der Handel mit Produkten aus IT und Unterhaltungselektronik zwar einer hohen Transparenz unterliegt, aber auch einem scharfen Kampf um die Preise. Denn bekanntlich sei "die Preisorientierung im Onlinehandel stärker ausgeprägt als im stationären Handel". Es würde mit einer so niedrigen Handelsspanne gearbeitet, dass einige Studienteilnehmer glauben, sie könne nicht mehr weiter sinken kann. Da man diese Rahmenbedingungen jedoch seit vielen Jahren gewohnt sei, brauche "es eine schlüssige Strategie und die notwendige Grösse im Einkauf". Unter anderem wird hier Digitec genannt, wo man "sehr fokussierte Filialen als Teil eines kanalübergreifenden Handelskonzepts" nutzt. Zudem wird auf Microspot verwiesen, wo man mit dem "Same Day Delivery" ohne zusätzliche Kosten den Ausbau der Pick-up-Stellen vorantreibe. Allerdings hätten es traditionelle Anbieter in dieser Branche nicht geschafft, ihre angestammte Marktposition auf den Onlinehandel zu übertragen. Lediglich Interdiscount mit seiner Onlinemarke microspot.ch habe "eine beachtliche Aufholjagd gestartet".
Optimismus im Laufe des Jahres gesunken
Da die Befragungen zum neusten E-Commerce Report bereits Anfang 2015 stattfanden, hat die FHNW zudem im Oktober noch eine Online-Blitzumfrage durchgeführt, an der 24 Händler teilnahmen. Dabei hätten neun Online-Händler angegeben, die Erwartungen für das laufende Jahr nicht erreichen zu können. Insgesamt buchstabiere man diesbezüglich auch für das kommende Jahr zurück. Nur noch 60 Prozent der Antwortenden meinen, dass der Marktanteil des E-Commerce in ihrer Branche steigen wird. Vor einem Jahr seien diesbezüglich noch über 75 Prozent optimistisch gewesen.
Wiederum sieht aber die Lage im Online-Geschäft mit IT-Produkten und Unterhaltungselektronik besser als in anderen Branchen aus. Es gäbe hier kaum Schwierigkeiten durch die Veränderungen des Wechselkurses, die Bedeutung ausländischer Wettbewerber sei "unterdurchschnittlich", und die Wachstumsaussichten im laufenden Jahr und 2016 lägen über dem Durchschnitt aller Branchen. Beinahe gegenteilig sieht es übrigens für Schweizer Modeanbieter aus, wie es bei der FHNW heisst. Dort würden inzwischen auch rückläufige Onlineumsätze nicht mehr ausgeschlossen. (vri)

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