Schweizer Software-Branche ist optimistisch

25. Oktober 2021, 14:52
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Die hiesigen Software-Schmieden haben sich von der Corona-Krise erholt und erwarten in diesem und im nächsten Jahr einen Wachstumsschub.

Die hiesige Software-Branche prognostiziert fürs laufende Jahr 2021 ein Umsatzwachstum von 6,6%, auch wenn das Beschäftigungswachstum nur bei 2,7% liegen werde. Im nächsten Jahr soll es dann einen regelrechten Boom geben. Das Mitarbeiterwachstum werde 2022 um rund 10 Prozentpunkte auf knapp 13% zulegen und man erhofft sich ein Umsatzwachstum von gut 11% (+5 Prozentpunkte).
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Erwartetes jährliches Mitarbeiterwachstum für 2021 und 2022. Grafik: SSIS 2021
Diese optimistischen Zahlen sind den Resultaten des neusten  Swiss Software Industry Survey (SSIS 2021) zu entnehmen. Er wurde erstmals unter der Federführung des Branchenverbands Swico durchgeführt und wie zuvor von Sieber&Partners und dem Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) der Universität Bern durchgeführt. Befragt wurden dazu 510 Software-Unternehmen in 23 Kantonen.
Insgesamt gaben die Befragten an, in Zukunft wieder ein Wachstum auf dem Niveau der Jahre vor Corona zu erwarten, so das Resümee des SSIS. Nachdem im Corona-Jahr 2020 alle Zahlen deutlich hinter den Prognosen zurückgeblieben waren, soll die Bedeutung der Schweizer Software-Industrie nun wieder zunehmen. Daran ändere sich auch nichts, dass der Jobmotor Software-Industrie im 2021 etwas ins Stottern geraten war.

Die Zahlen für 2020

Interessant ist, dass 3 von 5 Firmen laut der Studie keinen oder fast keinen Einfluss der Corona-Krise auf ihren Geschäftserfolg sahen. 17,7% gaben hingegen geringe bis grosse Einflüsse zu Protokoll.
Allerdings ging der Anteil des im Ausland generierten Umsatzes deutlich zurück von 14% im Kahr 2019 auf 9,7% im Jahr 2020. Der wichtigste Markt ist und bleibt dabei Deutschland, mit einem Anteil von 43%. Danach folgen Grossbritannien (9,6%), Spanien (8,4%) und Frankreich (8,0%). Der Überseemarkt spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Anpassung von Standardsoftware ist wichtigste Umsatzquelle

Einen Fünftel des Umsatzes machen Schweizer Software-Unternehmen mit der Anpassung von Standard-Software. 17% entfallen auf die Entwicklung von kundenspezifischer Software, 16,4% auf die Wartung. Software-Lizenzen von selber entwickelter Software machen nur einen Anteil von 7,7% aus. Grosse Zuwächse verbuchte in den letzten Jahren der Cloud-Bereich. Interessanterweise, so die Autoren, hätten aber 2020 die Einnahmen aus Cloud-Lösungen (7%) im Vergleich zum Vorjahr nicht an Bedeutung gewonnen.
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Umsatzentwicklung pro Mitarbeitendem. Grafik: SSIS 2021
Der Umsatz pro Mitarbeiter belief sich 2020 auf fast 224'000 Franken, was im Vergleich zum Vorjahr leicht weniger gewesen sei, wie Swico schreibt. Die Profitabilität oder EBIT-Marge vor Zinsen und Steuern habe im letzten Jahr 8,1% betragen und sei somit 2,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr ausgefallen. Die erstmals abgefragte EBITDA-Marge, also der Einbezug auch von Abschreibungen, habe 8% betragen. Zudem hat die Befragung eine Fluktuationsrate bei den Mitarbeitenden von durchschnittlich 10,4% ermittelt, leicht mehr als 2019.Finanzbranche und öffentlicher Sektor sind wichtige Kunden
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Die wichtigsten Branchen für Anbieter von Standardsoftware. Grafik: SSIS 2021
Interessant ist der Aspekt, auf welche Sektoren die Software-Branche am stärksten fokussiert. Laut SSIS sind das für die Hersteller von Standardsoftware der Finanz- und der öffentliche Bereich. Hier würden rund 40% respektive knapp 31% der Einnahmen erwirtschaftet. Andere Branchen hätten mit jeweils unter 10% Anteil deutlich geringere Bedeutung für die Hersteller von Standard-Software.
Anders siehts bei den Herstellern von Individualsoftware aus. Zwar sind diese beiden Kundenkreise auch wichtig, jedoch sei man hier mit je rund 14% weniger stark abhängig vom Finanz- und dem öffentlichen Bereich. Das Versicherungswesen (14,1%), Handel, Transport und Logistik (13,5%) sowie Industrie und verarbeitendes Gewerbe (12,2 %) seien für die Individualsoftware-Spezialisten nahezu gleich bedeutsam.
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner und war am initialen Studiendesign beteiligt.

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