Schweizer Software-Hersteller springen auf den "Cloud"-Zug

18. November 2011, 10:42
  • software-industrie
  • schweiz
  • saas
  • cloud
image

Die unsichere Wirtschaftsentwicklung bremst das Wachstum der Schweizer Software-Industrie etwas. Der Hype um "Cloud"-Computing ist keiner: Schon zwei Drittel der Hersteller von Standard-Software bieten Software als Service an.

Die unsichere Wirtschaftsentwicklung bremst das Wachstum der Schweizer Software-Industrie etwas. Der Hype um "Cloud"-Computing ist keiner: Schon zwei Drittel der Hersteller von Standard-Software bieten Software als Service an.
Der Schweizer Software-Industrie ging es trotz unsicherer Wirtschaftslage auch im ersten Halbjahr 2011 blendend. Dies zeigt die neue Ausgabe des 'Swiss Software Industry Index' (SSII), der vom Berner Beratungshaus sieber&partner mit einer halbjährlichen Umfrage unter den 120 wichtigsten Software-Herstellern der Schweiz erarbeitet wird und heute veröffentlicht worden ist.
Trotz unsicheren Aussichten für die Konjunktur konnten die Schweizer Software-Hersteller ihre Umsätze im ersten Halbjahr 2011 im Schnitt um 7,1 Prozent steigern. Dies ist zwar weniger als in der zweiten Hälfte 2010, als die Branche noch um volle 11 Prozent zulegen konnte, aber angesichts der Wirtschaftslage (hoher Franken, Schuldenkrise) immer noch hervorragend. Die Software-Industrie entpuppt sich immer mehr als krisenresistente Wachstumslokomotive der Schweiz.
Auch bei den Gewinnen konnten die Schweizer Software-Hersteller weiter zulegen. Im Schnitt stiegen die Erträge auf EBIT-Stufe im ersten Halbjahr 2011 um 5,9 Prozent.
Nur noch langsam wachsender Auftragsbestand
Nachvollziehbar ist, dass die Hersteller von Standard-Software, also Firmen wie Avaloq, Abacus oder Opacc, das Abflauen der Konjunktur stärker zu spüren bekommen als Hersteller von Individualsoftware (Firmen wie etwa Elca oder Netcetera). Der Umsatz der ersteren wuchs im ersten Halbjahr 2011 um 5,9 Prozent, während projektbezogene Anbieter um 6,9 Prozent zulegen konnten. Dies ist logisch, denn die Projekte der Individualsoftware-Hersteller sind oft längerfristig und können nicht einfach so gestoppt werden.
Das gleiche Bild zeigt die Entwicklung des Auftragsbestands - eine Kennzahl, die eine Aussage über die Zukunft erlaubt. Der Auftragsbestand der Hersteller von Standard-Lösungen wuchs im ersten Halbjahr 2011 nur noch um 2,6 Prozent - man muss also befürchten, dass das Umsatzwachstum in der zweiten Hälfte des Jahres weiter zurückgehen wird.
Alle bieten Software als Service
Erstaunlich hoch ist die Anzahl der Software-Anbieter, die ihre Lösungen bereits "als Service" - also in einem Mietmodell übers Internet - anbieten.
Schon 62 Prozent der Hersteller von Standard-Software sagen, sie hätten eine SaaS-Lösung im Angebot (siehe obere Grafik). Eine solche zu entwickeln ist aber ausgesprochen aufwändig und teuer, da die Software eine neue Architektur braucht. Deshalb gehen wir davon aus, dass viele der Anbieter, die sich selbst als SaaS-fähig sehen, den Hype um "Cloud Computing" ausnützen und ihre klassichen Terminal-Server-Lösungen nun als "SaaS" (Software as a Service) positionieren. Ausserdem kann man davon ausgehen, dass eher Firmen am Swiss Software Industry Index teilnehmen, denen es gut geht und die positiv gestimmt sind und also auch eher eine sehr moderne Plattform haben.
Firmen, die jetzt noch keine SaaS-Version im Angebot haben, wollen (oder können?) auch keine solche entwickeln. Nur gerade ein Viertel der Standard-Softwarehersteller will nächstes Jahr mit einem neuen SaaS-Angebot auf den Markt gehen. (Christoph Hugenschmidt)
Die neue Ausgabe des 'Swiss Software Industry Index' wird Teilnehmern an der Umfrage kostenlos zur Verfügung gestellt. Die detaillierte, 43-seitige Präsentation mit den wichtigsten Erkenntnissen aus der Umfrage kann für 297 Franken (exkl. MWSt) hier bestellt werden.

Loading

Mehr zum Thema

image

Public Cloud: Der Bund hat Verträge mit Hyperscalern unterzeichnet

Da noch ein Gerichtsverfahren hängig ist, können die Ämter noch keine Cloud Services im Rahmen der 110 Millionen Franken schweren WTO-Beschaffung beziehen.

publiziert am 27.9.2022
image

Beschaffung des Bundes-CMS wird kritisiert

Der Einkauf des neuen Content Management Systems des Bundes sei intransparent gewesen, heisst es von einer Gruppe Parlamentarier.

publiziert am 27.9.2022
image

Swisscom und EU-Telcos fordern Big-Tech-Beteiligung an Netzkosten

16 CEOs von europäischen Telekomunternehmen wollen, dass sich Google, Meta, Netflix & Co. am Netzausbau beteiligen. Die Forderung ist nicht neu, doch der Ton gewinnt an Schärfe.

publiziert am 26.9.2022
image

Basler Datenschützer sieht Cloud-Gutachten kritisch

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung bedeute der Entscheid aus Zürich nicht, dass der Gang in die Cloud unproblematisch sei, findet der kantonale Beauftragte in Basel-Stadt.

publiziert am 26.9.2022