Schweizer Städte wollen gemeinsame Sozialhilfe-Software entwickeln

15. Dezember 2014, 16:00
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Projekt "Citysoftnet" wird einige Jahre dauern und mehrere Millionen kosten. Daraus könnte ein standardisiertes Fallführungssystem für die ganze Schweiz entstehen.

Projekt "Citysoftnet" wird einige Jahre dauern und mehrere Millionen kosten. Daraus könnte ein standardisiertes Fallführungssystem für die ganze Schweiz entstehen.
Immer wieder wird kritisiert, dass Kantone oder Kommunen in Sachen E-Government zu wenig miteinander kooperieren - etwa bei den Grundbuchlösungen. Nun zeigt ein ambitioniertes Projekt, dass dies doch möglich ist: Die Städte Zürich, Bern und Basel wollen ihre veraltete Sozialhilfe-Software bis zum Ende des Jahrzehnts erneuern. Sie werden dafür mehrere Millionen Franken investieren und unzählige Hürden überwinden müssen. Gelingt das Projekt, dürften auch andere Städte und Kantone profitieren.
Heute ist in Zürich und Bern mit dem Produkt "KiSS" von Bedag im Grunde genommen die gleiche Software im Einsatz, doch sind die Lösungen kaum vergleichbar, weil in Zürich alles ein Stück grösser ist. In Basel ist Tutoris.Net von Infogate im Einsatz. Alle drei Städte verfügen über eine zwar grundsätzlich funktionierende Fallführungssoftware, welche für die nächsten drei bis fünf Jahre relativ problemlos unterhalten werden kann, aber technologisch bald an ihr Lebensende kommt, wie es in einem Vortrag der Stadtberner Regierung heisst. Statt drei individuelle Ersatzlösungen zu suchen, wollen die beteiligten Partner auf eine gemeinsame setzen. Zu diesem Zweck haben sie nun den Verein "Citysoftnet" gegründet.
Neustart nach FAMOZ/ELUSA
Diese Zusammenarbeit erhöhe die Chancen, dass sich das neue Fallführungssystem zu einem Schweizer Standard entwickeln könnte, heisst es in einer Mitteilung. Auch bräuchten Weiterentwicklungen nicht separat in Auftrag gegeben werden und zudem seien einheitliche Schnittstellen für Datenlieferungen an Bund und Kantone möglich. Allein die Projektarbeiten zur Beschaffung der Software dürften rund drei Jahre dauern. Aktuell sind insgesamt etwa 900'000 Franken für die Erarbeitung der Grundlage für die Submission vorgesehen. Wie viel jede Partei letztlich für die Einführung ausgeben wird, ist noch unklar. Man darf insgesamt von einem tiefen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgehen. Es ist geplant, dass die Einführungsprojekte nach Definition des gemeinsamen Standards gestaffelt durchgeführt werden.
Bedag werde bei der Ausschreibung sicher mitmachen, heisst es auf Anfrage von inside-it.ch. Die bei der Stadt Zürich für das Projekt zuständige Erika Bachmann gibt zu verstehen, dass Bedag in den letzten Jahren nicht genügend in KiSS investiert habe. "Es braucht eine neue architektonische Grundlage. Die Software läuft zwar gut, aber nicht richtig gut. Bei jedem Release besteht die Gefahr unerwünschter Fehler." Laut Bachmann soll die neue Lösung eine Dreischichten-Architektur haben: "Das würde bereits viele Probleme lösen."
Die Stadt Zürich hat mit KiSS beziehungsweise dem Projekt FAMOZ/ELUSA vor einigen Jahren negative Erfahrungen gemacht. Das Hauptproblem war, dass Bern damals als Referenz für das Zürcher Projekt galt - doch in Zürich waren die Anforderungen ungleich höher. Das führte zu Verzögerungen und Redimensionierungen. Der damalige Neustart sei 2011 ordentlich beendet worden, sagt Bachmann heute. Dies sei aus heutiger Sicht durchaus ein Erfolg. Das neue Projekt mit Bern und Basel sei nun ein "ganz neuer Start in einem ganz neuen Rahmen".
Gemäss Bachmann soll die neue Software künftig auch für andere Kommunen einsetzbar sein. Das käme letztlich allen Beteiligten zu Gute. Dafür zuständig wäre dann aber der Projekt-Partner, der die entsprechende Ausschreibung gewinnt. (Maurizio Minetti)

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