Schweizer Storage-Markt unter der Lupe

13. September 2006, 13:15
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Wieviel wird für Storage-Projekte ausgegeben? Und warum?

Wieviel wird für Storage-Projekte ausgegeben? Und warum?
Die Explosion der Datenmengen, die heute gespeichert werden, hat auch im Schweizer Storage-Markt folgen: Der Anteil der Ausgaben für Speicherinfrastruktur an den gesamten IT-Investitionsbudgets von Schweizer Unternehmen nimmt zwar nicht erdrutschartig – dafür sorgt der heftige Zerfall des Preises für Speicherkapazität – aber doch merklich zu.
Wie eine Studie des Schaffhausener Marktforschungsinsituts MSM Research, die heute morgen von MSM-Chef Philipp A. Ziegler der Presse vorgestellt wurde, prognostiziert, dürften Schweizer Unternehmen dieses Jahr rund 870 Millionen Franken für neue Speicherinfrastruktur ausgeben. Das sind etwa 7,5 Prozent mehr als 20005. Nächstes Jahr werden die Storageausgaben in der Schweiz gemäss MSM dann noch etwas stärker steigen, um 9,1 Prozent auf rund 950 Millionen Franken.
Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt für IT und Telekommunikation wird dieses Jahr gemäss MSM um rund 3,8 Prozent auf 16,4 Milliarden Franken wachsen. (Ziegler hat übrigens seine Prognose für den Gesamtmarkt seit Anfang Jahr, als er noch ein Wachstum von 3,3 Prozent prophezeite, inzwischen angehoben.)
Rund 373 Millionen Franken werden dieses Jahr von KMU (in der MSM-Studie Unternehmen bis 500 Mitarbeiter) für Storage aufgewendet, grössere Unternehmen geben insgesamt rund 498 Millionen aus.
Projekte immer öfter Business-orientiert
Eine deutliche Veränderung innerhalb des Speichermarkts, so konstatierte Ziegler, spielt sich gegenwärtig bei den Gründen für Storage-Projekte ab. Ein wesentlich höherer Anteil der Projekte als noch vor drei oder vier Jahren sei heute "Business getrieben". Dieser Trend wurde auch von den heute morgen ebenfalls anwesenden Storage-Verantwortlichen von IBM und HP, Renato Bastianelli und Robert Wigger, aus ihrer Praxiserfahrung heraus bestätigt.
In der Kategorie "Business-getrieben" fasst Ziegler Storage-Projekte zusammen, die einerseits ins Compliance-Umfeld angesiedelt sind (Archivierung, Dokumentenmanagement, Content Management, "Information Lifecycle Management") oder durch neue Applikationen (ERP, CRM, BI, Data Warehousing, E-Commerce) angestossen werden.
Momentan machen diese Art von Projekten gemäss MSM bereits etwa 43 Prozent der Projekte im Storage-Bereich aus. Schon in kurzer Zeit, so Ziegler, werden sie die "IT-getriebenen" Projekte überholen und die Mehrheit aller Projekte ausmachen. Unter "IT-getrieben" versteht Ziegler Storage-Projekte, die mit Infrastruktur-Verbesserung oder -Konsolidierung, Integration, Datensicherheit oder Katastrophenvorsorge zu tun haben.
Storage bleibt ein "Hardwarebusiness"
Der Löwenanteil der Storageinvestitionen geben Schweizer Unternehmen immer noch für die Hardware aus. 2006 werden es gemäss MSM insgesamt rund 633 Millionen Franken, also etwa 73 Prozent der Gesamtausgaben sein. Services schlagen mit 169 Millionen Franken (19 Protzen) zu Buche, für Storage Management Software (nur Lizenzen, ohne Wartung) werden rund 69 Millionen Franken (8 Prozent) ausgegeben.
Die Hardwarelastigkeit der Ausgaben dürfte in naher Zukunft sogar noch etwas grösser werden: Für das nächste Jahr werden die Ausgaben für Hardware gemäss MSM um 10 Prozent steigen. Die Ausgaben für Software sollen fast ebenso schnell (9,7 Prozent) steigen, aber der Anteil der Services dürfte mit einem Wachstum von 5,4 Prozent (wie schon beim Vergleich 2005/2006) weiter leicht nachlassen.
Hier gilt es allerdings anzumerken: Eines der Hauptdifferenzierungsmerkmale, mit denen Hersteller ihre Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen versuchen, ist heute die grundlegende Softwareaustattung von Speichersystemen. Diese wird aber, da oft im Preis inbegriffen, von den Kunden zu den Hardwarekosten gezählt.
Von den gesamten Storageausgaben entfallen dieses Jahr rund 30 Prozent auf Speicherhardware in Storage Area Networks (SAN), 8 Prozent auf NAS-Speichersysteme, 7 Prozent auf Tapes und Tape-Libraries, knapp 7 Prozent auf Connectivity-Komponenten, 17 Prozent auf Direct Attached Storage und 4 Prozent auf sonstige Speicherprodukte. Dazu kommen wie bereits erwähnt 19 Prozent für Services und 8 Prozent für Management Software.
One Stop Shop vs. Best of Breed
MSM fragte die Studienteilnehmer unter anderem auch danach, ob sie lieber alle Storage-Prdukte bzw. Services aus einer Hand beziehen würden, oder ob sie nach dem "Best-of-Breed"-Prinzip von verschiedenen Herstellern und Anbietern beziehen, je nachdem wer in welchem Bereich das bessere Angebot hat. Eine leichte Mehrheit scheint im Prinzip die "One Stop Shop"-Strategie zu bevorzugen (61 Prozent bei Services, 88 Prozent bei Hardware, 55 Prozent bei Software). Die Einschränkung "im Prinzip" ist in diesem Zusammenhang allerdings sehr bedeutsam: Wie Philipp Ziegler anmerkte, kann dieser Vorsatz in der Praxis schnell ins Wanken geraten, wenn zum Beispiel ein anderer Hersteller ein Produkt für ein bestimmtes Einsatzgebiet gerade deutlich billiger auf Lager hat.
ILM-Implementationen immer noch Domäne von Grossunternehmen
Information Lifecycle Management ist weiterhin eines der von den Herstellern im Storage-Bereich am stärksten propagierten Trendthemen. Bei einer Mehrheit der Kunden – zumindest über den Gesamtmarkt betrachtet – stösst der Ausdruck aber weiterhin auf eher beschränktes Interesse. Nur etwa ein Drittel der in der MSM-Studie befragten Unternehmen diskutiert überhaupt über Information Lifecycle Management-Lösungen, bei 12,8 Prozent sind Projekte geplant und bei 5,7 Prozent laufen sie. Dieser niedrige Anteil wird allerdings vor allem dadurch verursacht, dass ILM bei KMU noch kaum ein Thema ist. Bei Grossunternehmen für sich gesehen wären die genannten Prozentzahlen deutlich höher.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Bereich Enterprise Content Management. Von allen befragten Unternehmen diskutieren ist das Thema bei rund einem Drittel im Gespräch. Je knapp zehn Prozent haben ein ECM-Projekt geplant oder Bereits eine Implementation im Betrieb.
Um die genannten Marktzahlen abzuschätzen hat MSM 750 Schweizer Unternehmen zu ihren Ausgaben für Informations- und Telekommunikationstechnologie befragt und die Angaben auf den Gesamtmarkt hochgerechnet. Zu qualitativen Themen (Beschaffungsstrategie und ähnliches) wurden 141 Unternehmen befragt, 41 Prozent davon Unternehmen mit über 500 Angestellten. (Hans Jörg Maron)

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