Schweizer Telcos bleiben weiterhin unter Druck

9. Februar 2011, 13:44
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Trotz Milliardeninvestitionen in die Breitbandinfrastrukturen kann die Schweizer Telekomindustrie mittelfristig die Verluste aus dem bisherigen Kerngeschäft nicht kompensieren.

Trotz Milliardeninvestitionen in die Breitbandinfrastrukturen kann die Schweizer Telekomindustrie mittelfristig die Verluste aus dem bisherigen Kerngeschäft nicht kompensieren.
Bis 2015 wollen Orange und Sunrise 700 Millionen respektive eine Milliarde Franken in den Netzausbau stecken. Swisscom plant in der gleichen Zeit Investitionen von acht Milliarden Franken, wobei allein zwei Milliarden Franken in den Glasfasernetzbau fliessen sollen. Doch trotz dieses hohen Investitionsvolumens werden die hiesigen Netze an "ihre Belastungsgrenze" kommen, meint die heute vorgelegte Studie "Zukunft der Telekommunikation" des internationalen Strategieberaters Booz & Company. Aufgrund der rasanten Digitalisierung fast aller Lebensbereiche würden auch die Schweizer Mobilfunk- und Festnetzbetreiber von den Anwendungen und Inhalten, die von Verbrauchern und Unternehmen nachgefragt werden, geradezu überrollt. Doch selbst wenn die konsequente Erschliessung dieser neuen Ertragsbereiche eher ein "Luxusproblem" sei und eine durchaus sehr sinnvolle Strategie für die Telcos ist, können die Umsatzverluste im Kerngeschäft kurz- bis mittelfristig nicht kompensieren, schreibt Booz.
Konkurrenz schmälert Erträge
"Kaum eine andere Industrie durchläuft derzeit einen so gravierenden Strukturwandel wie die Telekommunikationsindustrie", erklärt die Studie die Hintergründe. Auch wenn die Netzbetreiber ihren Wirkungskreis immer weiter ausbauen, konkurrieren sie doch heute schon mit einer Vielzahl von Internet-Anbietern, Hightech- und IT-Unternehmen, Geräteherstellern, Anwendungs- und Serviceanbietern sowie mit Medienunternehmen. Neue Ertragsbereiche wie Smart Grid und Smart Metering, Telematik, Heimautomatisierung, Mobile Payment sowie E-Health werden durchaus stark nachgefragt. Aber nicht mehr nur von den Telcos allein. Selbst mit der konsequenten Erschliessung dieser neuen Gebiete würden die Telcos die Umsatzverluste im Kerngeschäft nicht ausgleichen können, resümiert die Studie.
Die Treiber
Während der notwendige Aus- und Aufbau geeigneter Infrastrukturen (Glasfaser- und 4-G-Mobilfunknetze) die Investitionen unumgänglich mache, hätten sich gleichzeitig die mobilen Terminierungsgebühren im Vergleich zum Vorjahr halbiert, schreibt Booz: "Insgesamt verlieren die Mobilfunkanbieter in der Schweiz im ehemaligen Kerngeschäft Sprache bis zu 500 Millionen Franken pro Jahr". Allerdings würde der enorme Nachfrageschub zu mehr als einer Verdopplung der Umsätze mit mobilen Datendiensten von 0,7 Milliarden Franken 2010 auf 1,8 Milliarden Franken 2015 führen. Treiber hierfür sei der Absatzboom bei Smartphones und Tablet-PCs, deren Gebühren und Anwendungen erhebliche Ertragspotentiale bergen. "Bis Ende 2011 werden die Endgerätehersteller im Schweizer Markt annähernd 3,7 Millionen Smartphones abgesetzt haben, deren Besitzer sich für 150 Millionen Franken über 30 Millionen kostenpflichtige Anwendungen aus dem App-Store laden", schreibt Booz. Konventionelle PCs werden in Westeuropa bis 2014 jährliche Wachstumsraten von 7,8 Prozent verzeichnen, der Smartphone- und der Tablet-PC-Markt im gleichen Zeitraum aber mit 16,3 respektive 61,5 Prozent pro Jahr zulegen.
Netze kommen an ihre Grenzen
"Die Mobilfunknetze kommen durch das exponentiell wachsende Datenaufkommen
bald an die Grenze der Belastbarkeit", resümiert Booz die sich schnell wandelnde Situation. Das Problem sei, dass unter grossem Investitionsdruck im Mobile- und Festnetz ausgebaut werden müsste. Wegbrechende Umsätze mit den Sprachdiensten liessen sich so langfristig durchaus kompensieren. Doch die Netzanbieter müssen dazu die weiterhin wachsenden Qualitäts- und Geschwindigkeitsanforderungen erfüllen. Nicht nur die stark gestiegene Anzahl an Endgeräten mit Internetzugang, auch der wachsende Geschäftskundenmarkt mit dem Trend zum Cloud Computing verlangten permanente Konnektivität auf einer entsprechenden ICT-Infrastruktur. Hier seien die hiesigen Telekommunikationsunternehmen "hervorragend" positioniert, um von dem bevorstehenden Nachfrageboom nach virtuellen Servern, Speichern und Anwendungen zu profitieren. Mit Services aus der Rechnerwolke erwartet Booz jährliche Umsatzsteigerungen zwischen 30 und 50 Prozent. Allerdings müssen die Erwartungshaltung realistisch bleiben, weil aufgrund der starken Konkurrenzsituation alle neuen Geschäftsfelder zusammen den Umsatzverlust im Kerngeschäft kurz- bis mittelfristig nicht kompensieren können. (vri)

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