Schweizer Telekombranche unter Strom

20. Juni 2013, 13:36
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Transport- und Stromnetze werden zunehmend "smart". Geräte kommunizieren künftig übers Internet. Für die Telekombranche sind diese Trends Herausforderung und Chance zugleich.

Transport- und Stromnetze werden zunehmend "smart". Geräte kommunizieren künftig übers Internet. Für die Telekombranche sind diese Trends Herausforderung und Chance zugleich.
Alles ist heute smart: Smarte Phones, smarte Autos, smarte Kaffeemaschinen, smarte Stromnetze, smarte Länder. "Smart Switzerland" heisst denn auch die Neuauflage der Digitalen Agenda von Economiesuisse und ICTswitzerland, die kürzlich vorgestellt wurde. Dabei ist vielen Smart-Apologeten vielleicht gar nicht klar, woher das Wort kommt: "Smart stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet Schmerz", sagt Fridemann Mattern. Der Professor leitet das Departement Informatik der ETH Zürich und kennt sich mit smarten Dingen aus. Vielleicht braucht es also ein bisschen Schmerz auf dem Weg zur Smartheit.
Telekom- und Energiebranchen wachsen zusammen
Mattern machte seine Aussage heute Morgen im Berner Kursaal anlässlich des 39. Swiss Telecommunication Summits des Telekomverbands Asut. Er sprach in seinem Vortrag mehr über Energie als über ICT. Ein Zeichen, dass die Telekombranche im Wandel ist. Tatsächlich bewegen sich die Energie- und die Telekombranche seit geraumer Zeit aufeinander zu, da waren sich die Akteure in Bern einig.
Doch diese Entwicklung steht erst am Anfang. Bei den Diskussionen über die Energiewende sei die Informatik praktisch vergessen worden, kritisierte Mattern. In der Energieforschung spiele Informatik noch immer keine Rolle. Umgekehrt kümmern sich Informatiker aber um Energie-Themen. Mattern erwähnte zum Beispiel den ETH-Spinoff Amphiro, der ein System entwickelt hat, womit man Warmwasser sparen kann. Auch intelligente Stromzähler (Smart Meter), die dem Konsumenten über eine App den Stromkonsum anzeigen, helfen, Energie zu sparen. Dieses unmittelbare Feedback beeinflusst letztlich das Verhalten der Menschen.
Asut richtet sich neu aus
Eröffnet hatte die Veranstaltung Asut-Präsident Peter Grütter. Er hatte die Leitung des Verbands vor einem Jahr übernommen und gleich damit begonnen, Asut neu auszurichten: "Wir gehen weiter als Telekom, wir wachsen in die Breite und in die Tiefe. Themen wie Transport und Energie werden zunehmend wichtiger." Anfang 2013 wurden die Arbeitsgruppen Smart Energy und Smart Transportation gegründet.
Insbesondere im Energie-Bereich sieht Grütter viel Potenzial. Es gebe "keine sichere und stabile Stromversorgung ohne ICT", sagte Grütter. Man werde künftig vermehrt Mitglieder aufnehmen, die kleine klassischen Telekomfirmen seien, so Grütter.
Schwierige Verschmelzung
Vom Zusammenwachsen des Energie- und des Telekomsektors sollten letztlich beide Branchen profitieren, doch die Verschmelzung ist nicht so einfach. Grütter machte dies deutlich: "Wenn wir in der ICT-Branche von einer Generation sprechen, sind drei bis fünf Jahre gemeint. In der Energie-Branche sind die Zyklen länger – hier sprechen wir von dreissig bis fünfzig Jahren."
Einer, der eine perfekte Mischung zwischen Telekom und ICT zu sein scheint, ist Pierre-Alain Graf. Er war früher Chef der Schweizer Niederlassung von Cisco und leitet seit Anfang 2009 die Schweizer Stromnetzgesellschaft Swissgrid. An einer Podiumsdiskussion sagte er: "Denkmuster müssen überbrückt werden." Die Strombranche stehe vor einer Umbauphase, ist Graf sicher.
Geschäftsmodelle gesucht
Matthias Finger, Professor an der ETH Lausanne und Mitglied des Stromregulators ElCom, stellte am Podium die Frage, wie Smart Energy erreicht werden könne. Seiner Meinung nach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird dies von Konsumenten vorangetrieben, also quasi natürlich - oder vom Staat. Finger sprach sich gegen Subventionen aus, auch weil dies künftig schwierig werden würde. Es gibt einen Strom- und einen Telekomregulator (ComCom). "Aber die Technologien sind konvergierend", so Finger, der an die Macht des Marktes glaubt. Ein Problem bleibe aber. Mit den heutigen Technologien können Kunden zwar ihren Energiekonsum besser überwachen und werden so sensibilisiert – doch Geld sparen können sie nur wenig. Die Herausforderung sei also, gute Geschäftsmodelle zu finden.
Pierre-Alain Graf von Swissgrid und Ueli Dietiker von Swisscom glauben, solche Geschäftsmodelle entwickelt zu haben. Der Swissgrid-Chef erinnerte an das Pilotprojekt. Man werde mit dem Angebot bald an den Markt gehen.
Die Verschmelzung von Energie und Telekom steht noch am Anfang, doch das Potenzial scheint tatsächlich gross. (Maurizio Minetti)
Bildlegende, v.l.n.r.: Pierre-Alain Graf, CEO Swissgrid, Kurt Lanz, Mitglied der Geschäftsleitung Economiesuisse, Leiter Infrastruktur, Energie & Umwelt, Reto Brennwald, Moderator/Reporter SRF, Prof. Dr. Matthias Finger, EPF Lausanne, Mitglied ElCom, Ueli Dietiker, Stellvertretender CEO Swisscom.
Foto: Asut

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