Schweizer Unternehmen und der "War for talents"

29. August 2013, 10:24
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Talentmanagement wird angesichts des verschärften Fachkräftemangels für Schweizer Unternehmen überlebenswichtig. Axpo Informatik geht dabei neue Wege.

Talentmanagement wird angesichts des verschärften Fachkräftemangels für Schweizer Unternehmen überlebenswichtig. Axpo Informatik geht dabei neue Wege.
Zum dritten Mal hat C-Level an einem Roundtable eine Managerumfrage durchgeführt, um den Schweizer Führungskräften den Puls zu fühlen. Diesmal ging es um das leidige Thema Fachkräftemangel, der nicht nur in der ICT-Industrie ein Problem darstellt. Fazit: Der Kampf um die besten Talente droht sich aufgrund der demographischen Entwicklung weiter zu verschärfen. Doch herrschen in Schweizer Unternehmen diesbezüglich noch grosse Defizite.
Talentmanagement?
An der Veranstaltung Anfang Juli in Zürich unter dem Motto "Die besten Talente gewinnen und halten" nahmen 40 CEOs, CFOs, COOs und CIOs aus 27 Unternehmen teil. Die grosse Mehrheit - 88 Prozent - gaben an, dass in ihren Unternehmen bereits heute die Auswirkungen des Fachkräftemangels zu spüren seien. Zwei Drittel sind sich bewusst, dass sich die Lage diesbezüglich in naher Zukunft noch verschlechtern werde.
Das Bewusstsein ist also da, doch trotzdem handeln die Unternehmen noch wenig. Ob es bei den vertretenen Unternehmen eine aufeinander abgestimmte, mehrjährige Ressourcen-, Skill- und Talentplanung gebe, fragte Selçuk Boydak, Gründer von Boydak Management Consulting. 61 Prozent der Befragten verneinten das (siehe Grafik) und lieferten damit "ein düsteres Bild für strategisches Talentmanagement in Schweizer Unternehmen", erklärt Boydak auf Anfrage.
Bei ebenfalls 61 Prozent der Unternehmen fehlt laut der befragten Manager eine systematisierte Nachfolgeplanung für Schlüsselpositionen. Und bei gut zwei Dritteln der Unternehmen ist die Talentplanung nicht einmal an die Unternehmensstrategie ausgerichtet. Das sind besorgniserregende Zahlen, die aufzeigen, dass es in weiten Teilen Schweizer Unternehmen nach wie vor strategische Defizite im Talentmanagement gibt.
Die Recruiting-Strategie von Axpo Informatik
Derweil kämpft Axpo Informatik im IT-Bereich mit dem Problem, dass Neubewerber heute kaum mehr selbst auf Job-Inserate antworten. "Gut 80 Prozent der Kandidaten kommen über Headhunter. Das macht die Personalsuche sehr teuer", sagte CEO Robert Gebel. Auch der abnehmende Zustrom von Mitarbeitenden aus Deutschland, bedingt durch die Vollbeschäftigung in der IT-Branche, erschwert die Rekrutierung von Fachleuten in technischen Berufen. Aus diesem Grund habe Axpo begonnen, beim Recruiting mit neuen Medien zu experimentieren und ihre bestehenden Mitarbeitenden zu Markenbotschaftern für das Unternehmens zu machen. So postet Axpo seit zwei Jahren Stellenbeschriebe über Twitter und ermutigt neue Mitarbeitende nach wenigen Monaten die Firma auf Firmenbewertungsportalen wie kununu.com zu bewerten.
Um gute Lernende zu gewinnen, wirke Axpo Informatik zudem aktiv dem IT-Nerd-Image entgegen. "Wir wollen zeigen, dass Informatiker nicht Birkenstocksandalen und eine unmodische Brille tragen müssen", so Gebel. Deshalb hätten Axpo-Informatiker beispielsweise schon gemeinsam mit Bezirksschülern eine App für eine elektronische Schülerzeitung entwickelt. Die Folge: Das Unternehmen geniesse in der Region einen so guten Ruf, dass die Qualität der Lehranwärter ständig steige.
Talente binden
Hat man als Unternehmen Talente gewonnen, so gilt es, diese auch langfristig zu halten und weiter zu entwickeln. Denn es ist eine Binsenwahrheit, dass jeder verhinderte Weggang einer Fachkraft besser ist, als die mühsame Neugewinnung von Mitarbeitenden, deren tatsächliche Qualität ein Unternehmen noch nicht kennt. Dass jedoch ist mitunter schwierig. So zeigt die C-Level-Managerbefragung, dass nur die Hälfte der befragten Unternehmen in der Lage ist, Talente nachhaltig an sich zu binden.
Trotz des vielerorts strategisch nur unzureichend aufgesetzten Talentmanagements ist der Blick in die Zukunft unter den befragten Top-Managern erfreulich positiv. Erwarten doch über drei Viertel der Befragten, dass die Schweiz auch künftig ein Magnet für Fachkräfte aus dem In- und Ausland bleiben wird. (mim)
Über C-Level
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Fast 400 der wichtigsten 2'500 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.
Hinweis: Talente findet man (auch) auf unserer intelligenten Job-Plattform ictjobs.ch

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