Schweizer Werkplatz durch vierte industrielle Revolution gefordert

24. Oktober 2014, 09:28
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Schweizer Industrieunternehmen können sich nicht auf früheren Innovationslorbeeren ausruhen. Mit "Industrie 4.0" starten alle wieder bei Null, sagt eine Deloitte-Studie.

Schweizer Industrieunternehmen können sich nicht auf früheren Innovationslorbeeren ausruhen. Mit "Industrie 4.0" starten alle wieder bei Null, sagt eine Deloitte-Studie.
Die Vernetzung von Maschinen, Daten und Menschen wird laut Experten eine vierte industrielle Revolution auslösen. Der Schweizer Werkplatz ist gefordert, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen, um die Entwicklung nicht zu verpassen. Zwar spürt erst rund ein Drittel der Schweizer Unternehmen in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie der Chemie- und Baubranche spürt die digitale Transformation bereits im eigenen Unternehmen, wie die Studie "Werkplatz 4.0" des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt. Über die Bedeutung der "Industrie 4.0" für die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Werkplatzes ist sich jedoch ein Grossteil der Befragten einig.
 
Die Schweizer Unternehmen müssten sich auf einen grundlegenden Wandel einstellen, erklärt Studienautor Ralf Schlaepfer: Statt wie früher technisch überlegene Produkte auf den Markt zu "drücken", müsse Produkte und Services künftig konsequent auf den Kunden und seine Bedürfnisse ausgerichtet werden.
 
"Spielfeld geebnet"
Die Schweiz gehöre heute zu den innovativsten Ländern. Durch die neue industrielle Revolution werde das Spielfeld jedoch wieder geebnet, führt Schlapefer aus. Alle stünden am selben Ausgangspunkt und hätten demzufolge die gleichen Chancen im Wandel zur "Industrie 4.0".
 
Industrie 4.0 meint: Nach den drei industriellen Revolutionen durch die Mechanisierung, die Massenfertigung sowie der Automatisierung könnte die zunehmende Vernetzung zu einem sogenannten Internet der Dinge die Industrie ein viertes Mal grundlegend umkrempeln. Die zunehmende digitale Vernetzung eröffnet viele Möglichkeiten: Durch Vernetzung der Maschinen, bessere Datenauswertung sowie neue Technologien kann die Effizienz gesteigert, die Qualität erhöht, die Lieferzeiten verkürzt sowie der Kunde stärker einbezogen und die Produkte stärker individualisiert werden.
 
Risiken ergeben sich hingegen in der Cyber-Sicherheit sowie dem Schutz des geistigen Eigentums. Zudem bestünde die Gefahr, wichtige Veränderungen zu verpassen, erklärt Schlaepfer, der den Bereich Produzierende Industrie bei Deloitte leitet.
 
Keine überstürzten Handlungen
 Durch sich exponentiell entwickelnde Technologien dürfte sich die heutige Entwicklung weiter beschleunigen. Die fortschreitende, massive Steigerung der Rechenleistung bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten ermöglicht heute immer mehr Anwendungsmöglichkeiten von Technologien wie künstliche Intelligenz, Robotik, Drohnen und 3D-Druck.
 
Wichtig ist daher laut Schlaepfer, sich frühzeitig mit dem Thema Industrie 4.0 auseinanderzusetzen. Jedes Unternehmen müsse überlegen, wie sich die Veränderungen auf sein Angebot auswirken und wie es damit umgehen wolle. Es bringe nichts, wenn der Chef die Veränderungen verordne oder ein Spezialistenteam "das Ei des Kolumbus finden" wolle. Dadurch könnte eine Abwehrhaltung bei der Belegschaft erzeugt werden.
 
Schlaepfer rät deshalb, neue Bereiche am Rand des Kerngeschäftes aufzubauen, die schliesslich zum künftigen Unternehmenszentrum anwachsen könnten. Ein Beispiel dafür sei das Fotografie Unternehmen Fujifilm. Dieses habe neben der analogen Fotografie das Geschäft mit digitalen Speichermedien aufgebaut.
 
Weiterbildung zentral
Zentral für den Wandel sei weiter die Belegschaft. Nur 4 Prozent der über 50 befragten Unternehmen geben an, bereits über die geeigneten Mitarbeiter zu verfügen. Die zahlreichen benötigten Mitarbeiter könnten nicht alle auf dem Markt gesucht werden, erklärt Schlaepfer. Stattdessen müssten die bisherigen Mitarbeiter auf dem Weg zur Industrie 4.0 mitgenommen werden.
 
Um den Wandel erfolgreich zu meistern müssten sich Unternehmen zu "lernenden Organisationen" entwickeln, die auf fortlaufende Weiterbildung und Freiräume zur Entwicklung setzen. Für die künftige Vernetzung werden weiter Investitionen in die IT-Infrastrukturen nötig sein. Für eine bessere Vernetzung müssen die Schnittstellen für den Datenaustausch vereinheitlicht werden. Nur ein Drittel der Unternehmen verfügt gemäss der Umfrage über die angemessene Infrastruktur, weitere 48 Prozent besitzen sie teilweise.
 
Gemäss der Studie profitieren die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei der digitalen Transformation von ihrer Flexibilität. Diese könnten neue Informatikstrukturen mit weniger Aufwand von Grund auf aufbauen und einführen, während grosse Konzerne mit den höheren Komplexitäten und den existierenden Organisationsstrukturen stärker gebunden wären. (sda/hjm)

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