Schweizer wollen mit smartem Pflaster Spitalwesen revolutionieren

11. Juni 2015, 16:06
  • innovation
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Ein neuartiger Patch von LifeWatch kann Vitalfunktionen überwachen und macht so teure Geräte überflüssig.

Ein neuartiger Patch kann Vitalfunktionen überwachen und macht so teure Geräte überflüssig
Die Schaffhauser von LifeWatch, die ihren Firmensitz mittelfristig von Neuhausen am Rheinfall nach Zug verlegen wollen, haben grosse Pläne. Nach einem turbulenten Jahr sind sie in die operative Gewinnzone zurückgekehrt und auf dem Weg zur Lancierung eines intelligenten Pflasters zur Überwachung von Vitalfunktionen.
Herzpatienten können sich selbst überwachen
Bisher erzielt LifeWatch rund 98 Prozent des Umsatzes mit der Fernüberwachung von Herzpatienten in den USA. Diese Form der Überwachung senkt die Zahl nötiger Hospitalisierungen und trägt so zu einer Senkung der Gesundheitskosten bei. Der dabei bereits zum Einsatz kommende Patch ist allerdings keine Eigenentwicklung, sondern von einem Dritthersteller lizenziert.
Nach der Beerdigung der Pläne für ein Smartphone, das Vitalfunktionen aufzeichnen kann, verspricht sich CEO Stephan Rietiker nun Auftrieb vom ersten selbst entwickelten Patch, mit dem der Spitalbereich erschlossen werden soll. Das etwa zwanzig auf zehn Zentimeter grosse Pflaster wird auf der Brust aufgeklebt und ist in der Lage, Sauerstoffsättigung, Puls, Körpertemperatur, Herzrhythmus und Körperlage zu messen. Herzstück ist eine "Brain" genannte Steuerungseinheit, die vom Patch gelöst und so wiederverwendet werden kann. Der mit Sensoren ausgerüstete Patch ist ein etwa fünfzig Franken teurer Wegwerfartikel.
Die Hoffnung von Lifewatch: Im Idealfall wird der Patch in Spitälern die etwa 100'000 Franken teuren Telemetriebetten ersetzen können, die heute dieselben Aufgaben übernehmen: Erfassung und Übermittlung von Vitalfunktionen. Die potentiellen Einsparungen in Spitälern wären immens. Aktuell läuft in den USA ein Zulassungsverfahren, weitere Anträge in europäischen Ländern sollen folgen. Die Belegschaft von aktuell weltweit ungefähr 590 Mitarbeitern ist zu gut zwei Drittel in den USA angesiedelt, geforscht und entwickelt wird in Israel.
Klumpenrisiko wegen fehlender Diversifizierung
Ein wesentliches Problem von LifeWatch ist, dass der Umsatz fast vollständig in den USA erwirtschaftet wird. Der Fortgang des dortigen Geschäfts mit der Fernüberwachung von Herzpatienten hängt also wesentlich vom Wirtschaftsgang der USA und auch von der Entwicklung der Rückvergütungspreise der Krankenkassen ab. Konkurrent SHL stellt in der 'Finanz und Wirtschaft' (Bezahlschranke) einen zu hohen Druck auf die Rückvergütungspreise fest und verzichtet laut eigener Aussage deshalb auf einen entsprechenden Markteinstieg in den USA.
Unsichere Entwicklung der US-Geschäfte
LifeWatch-CEO Stephan Rietiker hingegen äussert sich vorsichtig optimistisch: "Die Rückvergütungen sind aktuell nach einem Preisanstieg von zwei Prozent einigermassen stabil. Die Talsohle dürfte damit erreicht sein. Vollständig gebannt ist die Gefahr aber noch nicht."
Wenigstens im grossen Markt Kalifornien stehen die Sterne allerdings nicht schlecht für LifeWatch. Wenn es nach der Legislative geht, sollen die Rückvergütungen dort deutlich erhöht werden, wie 'Mercury News' schreibt. Zuvor wurden die Rückvergütungspreise 2011 im Zuge der damals drohenden Zahlungsunfähigkeit des Bundesstaates radikal gekürzt. Lifewatch ist in Kalifornien mit aktuell etwa 40 Angestellten präsent.
Erschliessung neuer Märkte
Um dem Klumpenrisiko entgegenzuwirken und das Wachstum weiter voranzutreiben, strebt LifeWatch in verschiedenen Ländern weltweit die Erschliessung neuer Märkte an. Wo genau, will CEO Rietiker aber noch nicht verraten. (Michael Küng)

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