Security-Zone 2010: Eintritt kostete und Besucher kamen trotzdem

29. September 2010, 11:04
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Nur sechs der letztjährigen 25 Aussteller der Security-Zone beteiligten sich erneut an der diesjährigen Spezialmesse. Trotzdem sprechen die Veranstalter von einem Erfolg.

Nur sechs der letztjährigen 25 Aussteller der Security-Zone beteiligten sich erneut an der diesjährigen Spezialmesse. Trotzdem sprechen die Veranstalter von einem Erfolg.
Soeben ist die siebte Ausgabe der Security-Zone in Zürich über die Bühne gegangen. Heuer unter einem zumindest äusserlich stark veränderten Konzept. Die wichtigste Neuerung: Alle Besucher hatten Eintritt zu zahlen. Verkäufer sollten abgeschreckt werden, sagt Veranstalter Rafael Cruz gegenüber inside-it.ch, der von einer erfolgreichen Messe spricht, ohne allerdings genaue Zahlen nennen zu wollen. Bekannt ist, dass 18 der letztjährigen 25 Aussteller in diesem Jahr nicht vertreten waren, weil sie aus Unzufriedenheit ihr Engagement nicht verlängert hatten.
Ein weiter Grund für den Obolus zum Eintritt sei gewesen, so Cruz, die Stände der diesmal nur 17 Aussteller nicht mit Kundenfängern anderer Firmen zu verstopfen: "Oft sind an Messen neun von zehn Gesprächen für die Aussteller uninteressant". Damit habe diese Barriere aber auch den Effekt gehabt, die Qualität der Gespräche mit den Ausstellern zu verbessern, wie der Veranstalter meint. Zudem seien jetzt tatsächlich rund 95 Prozent der angemeldeten Besucher – die Eintritte waren im Voraus zu bezahlen – real vor Ort. "Bei kostenlosen Messen liegen die Anmeldungen in der Regel weit über den tatsächlichen Besucherzahlen", sagt Cruz und fügt an, dass man kompromisslos die Eintritte überwacht habe.
Patrick Burkhalter, Chef der ausstellenden Ergon, hält die Konzeptänderung der Messe allerdings für nicht so wichtig. Vielmehr sei die Security-Zone, so Burkhalter gegenüber inside-it.ch, eine der wenigen Messen, die wirklich noch sinnvoll sei. Die Gespräche seien diesmal vor allem deshalb besser gewesen, weil endlich die Krisenstimmung der letzten Jahre überwunden sei, meint Burkhalter. Bei der Zürcher In&Out, die ebenfalls seit Jahren an der Messe vertreten ist, unterstreicht Eric Bilang, dass die Security-Zone derzeit die einzige Schweizer Messe für Sicherheitsspezialisten sei. Mit dem kostenpflichtigen Eintritt trenne man die "Spreu vom Weizen", meint Bilang weiter, und das habe man diesmal deutlich gespürt. Die Qualität der Gespräche sei besser gewesen als früher. Wer an dieser Fachmesse vertreten sei, so Bilang, zähle ohnehin nicht die Menge der Kontakte, sondern erwarte den fachspezifischen Austausch.
Anders sieht man die Situation bei Symantec, die im letzten Jahr noch mit einem Stand vor Ort war, diesmal aber als Aussteller fehlte. Dort wird kritisiert, dass man nicht genau genug wusste, was einen an der diesjährigen Veranstaltung erwartet. Gemeint sein dürften vor allem die Besucherzahlen. Ob man im nächsten Jahr wieder vertreten sein werde, ist laut Thomas Rom von Symantec noch offen. Er hat sich allerdings einen Eindruck vor Ort verschafft und macht die Entscheidung für eine erneute Symantec-Teilnahme auch davon abhängig, wie andere Kollegen und Firmen die Messe erlebt haben.
Cruz scheut sich, konkrete Zahlen zu nennen, weil "die Besucherzahlen der Messeveranstalter schon lange zum Spielball des Marketings geworden sind und kaum mehr eine Aussagekraft haben". Glaubwürdigkeit und Qualität, so sein Credo, lasse sich mit Zahlen nicht belegen. Entscheidend und viel interessanter sei, was die Security-Zone in diesem Jahr real an Referenten aufgeboten habe. Diesmal seien namhafte Security-Spezialisten aus Forschung, Lehre und Praxis gewonnen worden. Als Beispiele verweist Cruz auf: Marcel Affolter, Leiter des Identity- und Access Management bei der SBB, Steve Purser, Head of Technical Competence Department der ENISA (European Network and Information Security) und Werner Degenhardt von der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der als CIO an der Fakultät für Psychologie und Pädagogik arbeitet.
Dass diesmal derartige Veränderungen initiiert und umgesetzt wurden, begründet Cruz aber auch mit den Erfahrungen in den letzten Jahren. Besonders in der Krisenzeit sei man zahlreiche Kompromisse eingegangen, um möglichst viele Aussteller und Besucher anzuziehen. Die Folgen seien verheerend gewesen. So habe man zwar Aussteller gewinnen können, doch sei beispielsweise die Vortragsreihe, der eigentliche Kern dieser Spezialmesse, von Verkäufern dominiert worden. Das hätte merkliche Qualitätseinbussen zur Folge gehabt, die Besucher seien von diesen sogenannten "Vendor-Präsentationen" abgeschreckt worden und dann ausgeblieben. Und die fehlenden Besucher wiederum seien der Grund, so Cruz weiter, warum die meisten Aussteller des letzten Jahres heuer nicht mehr vor Ort waren.
Trotz seines positiven Fazits zur diesjährigen Security-Zone will Cruz auch im nächsten Jahr nicht einfach weiter machen wie bisher. Es habe sich beispielsweise gezeigt, dass sich viele Interessierte für Sessions an beiden Tagen angemeldet haben, aber dann doch nur einen Tag vor Ort waren. So waren etwa Referate zum Thema Identity- und Access-Management oder zur SuisseID zwar schon Wochen vor der Veranstaltung ausgebucht, obwohl dann zur Veranstaltung selber noch Plätze frei waren. Um in Zukunft zu verhindern, dass durch Leeranmeldungen anderen Interessierten der Zugang verwehrt bleibt, werde man möglicherweise für jeden der beiden Veranstaltungstage Eintritt erheben. (Volker Richert)

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