Seilziehen um OpenOffice-Community beginnt

14. Oktober 2010, 05:31
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Oracle will auch nach der Abspaltung von LibreOffice "sein" OpenOffice.org weiterentwickeln und buhlt nun um die Community.

Oracle will auch nach der Abspaltung von LibreOffice "sein" OpenOffice.org weiterentwickeln und buhlt nun um die Community.
Vor rund einem Monat haben sich viele der aktivsten Mitglieder der OpenOffice.org-Community von Oracle verabschiedet und die "Document Foundation" gegründet, um die Open-Source- Bürosuite unabhängig von Oracle als "LibreOffice" weiterzuführen. Einer der dafür angeführten Gründe war, dass Oracle, durch die Übernahme von Sun zur Schirmherrschaft über OpenOffice.org gelangt, während Monaten kaum mit Vertretern der Community geredet und nur unklare Aussagen zur Zukunft gemacht habe.
Die Abspaltung hat nun zumindest ein schnelles verbales Bekenntnis des Softwareriesen ausgelöst. Vor einigen Tagen hatte Oracle, gleichzeitig mit seiner Absage an die Document Foundation schon generell angekündigt, OpenOffice.org weiterentwickeln zu wollen. Nun verspricht die Ellison-Company in einer Pressemitteilung von gestern, dass sich bei Oracle sogar ein "wachsendes Team" von Entwicklern, Testern und Mitarbeitern mit Anwendererfahrung,um die Weiterentwicklung, Verbesserung und Unterstützung von OpenOffice.org kümmern werde. Ausserdem beweise man mit den neuen kostenlosen Versionen OpenOffice.org 3.2.1 und OpenOffice.org 3.3 Beta die weitergehende Verpflichtung für OpenOffice.org.
Damit ist klar, dass für die absehbare Zukunft zwei Hauptvarianten der Open-Source-Bürosuite existieren werden, falls die Document Foundation nicht schnell die Segel streicht und reumütig in den sicheren, wenn auch den Betreffenden etwas kühl und besitzergreifend erscheinenden Schoss von Oracle zurückkehrt.
Schalmeienklänge
Ab sofort beginnt damit auch das Buhlen um die Community, der unter anderem wichtige IT-Unternehmen wie Google, Novell oder Red Hat angehören. Oracle nimmt beispielsweise am heute und morgen stattfindenden "ODF Plugfest" in Brüssel teil, um "der Community und OASIS Beifall für ihre Fortschritte" bei der Etablierung des offenen Fileformats ODF zu spenden. Ausserdem lädt Oracle die Community ein, an den kommenden OpenOffice.org-Konferenzen, zukünftigen ODF-Plugfests sowie Diskussionsgruppen teilzunehmen, und ruft die aussenstehenden Softwareentwickler auch dazu auf, weiterhin Beiträge zur Codebasis von OpenOffice.org zu leisten.
Auch Bekenntnis zu anderen Open-Source-Projekten
Gleichzeitig mit dem Bekenntnis zu OpenOffice verspricht Oracle auch die weitere Untersützung diverser anderer Open-Source-Technologien wie MySQL, GlassFish, Linux, PHP, Apache, Eclipse, Berkeley DB, NetBeans, VirtualBox, Xen und InnoDB, die bisher von Oracle selbst oder Sun unterstützt beziehungsweise geführt wurden. Durch "signifikante Ausgaben für Entwicklung, Tests, Optimierung" investiere Oracle in seine zukünftige Entwicklungen und gebe gleichzeitig der Community, die am Entwicklungsprozess beteiligt war, etwas zurück. (Hans Jörg Maron)

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