Seltene Erden: China dreht weiter an der Embargoschraube

28. Dezember 2011, 12:28
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Das Reich der Mitte will den Preisverfall aufhalten.

Das Reich der Mitte will den Preisverfall aufhalten.
Als der Fast-Monopolist China Ende 2010 ankündigte, den Export für Seltene Erden zu beschneiden, war ein Aufschrei durch die westliche Welt gegangen. Wie jetzt berichtet, will die Volksrepublik die Ausfuhr für die High-Tech-Metalle im ersten Halbjahr auf 10'546 Tonnen beschränken, was im Vergleich zu den ersten sechs Monaten dieses Jahres einer Kappung von 27 Prozent entspräche.
Der 'Financial Times Deutschland' zufolge kommt China auf etwa 97 Prozent der weltweiten Fördermengen für Seltene Erden, wie sie, angefangen von Leuchtstoffröhren und Flachbildschirmen bis hin zu Windkraftanlagen und Kernspintomographen für viele Elektro- und High-Tech-Produkte unerlässlich sind.
Trotz der Exportbeschränkungen sind die Preise für die so begehrten Metalle gesunken, da sich die wirtschaftliche Unsicherheit in den europäischen Ländern und in den USA negativ auf die Nachfrage ausgewirkt hat. Mit der weiteren Drosselung der Ausfuhren will China den Preisverfall aufhalten. Um die Preise anzukurbeln, hat Beijing laut 'FTD' den grössten Produzenten des Landes angeordnet, die Förderung für einen Monat auszusetzen. Ausserdem hat das chinesische Aussenministerium am Vortag verkündet, dass die Zahl der Unternehmen, die Seltene Erden ins Ausland verkaufen dürfen, auf elf beschränkt werde. Im ersten Halbjahr 2011 waren es noch 26 Unternehmen.
Dass China fast nur noch allein verantwortlich für die Förderung der High-Tech-Metalle ist, hat unter anderem den Grund, dass dort Umweltbedenken, so es sie gibt, kaum beachtet werden. Denn die Förderung der meisten Seltenen Erden ist ein höchst schmutziges Geschäft, das in westlichen Ländern mit entsprechenden Vorkommen längst nicht mehr geduldet wird.
Bis in die 1980er Jahre hinein waren die USA noch Hauptfördernation. Es entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sich vor einem Jahr am meisten entrüstet zeigte, als China auch unter dem Deckmäntelchen des nationalen Umweltschutzes ankündigte, den Export von Cer, Scandium, Yttrium und Co. einzuschränken.
Da die Nachfrage weiter steigt, sind in Kanada, den USA, Indien, Malaysia, Russland und anderen Ländern schon wieder neue Minen abgesteckt worden. Bis zur Förderung im grossen Stil können aber mitunter noch drei Jahre oder mehr vergehen. (kh)

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