SF-Archiv-Crash: Wer ist schuld?

12. Juli 2007, 15:12
  • bern
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Der Staub, die Zügeltruppe, ein Server-Fehler? Das Archiv des Schweizer Fernsehen soll in einem halben Jahr wieder online sein - allerdings werden nur "ausgewählte Beiträge" neu digitalisiert.

Der Staub, die Zügeltruppe, ein Server-Fehler? Das Archiv des Schweizer Fernsehen soll in einem halben Jahr wieder online sein - allerdings werden nur "ausgewählte Beiträge" neu digitalisiert.
Vor wenigen Wochen wurde über inside-it.ch bekannt nicht mehr abrufbar. Die Rohdaten sind weiterhin vorhanden und nicht beschädigt, deshalb ist die Frage des 'Blicks' eigentlich unberechtigt: "Hat das Schweizer Fernsehen einen Teil unserer Vergangenheit gelöscht?"
"Irgend etwas ist vorgefallen"
Trotzdem gab der Crash zu reden. Immerhin kann man historische Dokumente wie die Tagesschau vom 11. September 2001 nicht mehr online abrufen. In den vergangenen Wochen wurde viel über die Gründe für den Datenverlust spekuliert. Die 'Werbewoche' schrieb am 28. Juni, der Grund sei Staub im Serverraum: "Wie man beim Schweizer Fernsehen sagen hört, sei während Umbauarbeiten bei der SRG in Bern Staub in den betreffenden Server-Raum eingedrungen, was zum Schaden geführt habe", so die Zeitung.
Zwei Tage später sagte dann SF-Sprecher Daniel Steiner etwas schwammig im 'Blick': "Eine mögliche Ursache könnte ein Server-Fehler sein." Heute erklärte die 'Werbewoche' die Hintergründe der Staub-These: Demnach geschah der Crash bei der Räumung des Gebäudes der Generaldirektion an der Giacomettistrasse 3 in Bern. Im Untergeschoss der Liegenschaft befanden sich die Server mit den Videodaten. Weil das Hochhaus zurzeit umgebaut werde, musste die Hardware in einem provisorischen Serverraum bei Swissinfo nebenan untergebracht werden. "Irgend etwas muss auf dem Weg zwischen Hausnummer 3 und 1 vorgefallen sein", schreibt die 'Werbewoche' geheimnisvoll. Steiner war heute für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Bessere Qualität, weniger Beiträge
Eine andere Frage ist, wann das Archiv wieder online gestellt werden kann. Eines ist mittlerweile sicher: Die Daten sind unwiderruflich beschädigt, sie müssen neu digitalisiert werden. Doch glücklicherweise passt das vom Timing her ganz gut. Wie seit April bekannt ist, wird SF in den kommenden Jahren alle alten Bestände (100'000 Stunden Film- und Videobänder) in Datenfiles überspielen. Nun muss man eben ein paar tausend Filme zusätzlich digitalisieren. Das wird natürlich Zeit und Geld kosten. Wie viel – das ist nicht bekannt. Momentan wird davon ausgegangen, dass die Beiträge in einem halben Jahr wieder online sein werden. Laut SF sollen dann die Sendungen, die nun erneut aufbereitet werden, in einer besseren Qualität zu bestaunen sein.
Ob dann wirklich alle Beiträge ab 1999 verfügbar sein werden, ist unklar. 'Der Landbote' hatte vor zwei Wochen berichtet, dass die meisten Aufzeichnungen fürs Publikum möglicherweise definitiv verloren seien – aus Kostenüberlegungen. SF sagt, das ältere Archivmaterial werde kaum genutzt, die Jahre 2005 und davor machen nur ein Prozent von allen abgerufenen Archivbeiträgen aus. Deshalb ist es möglich, dass nur ausgewählte Beiträge erneut überspielt werden. (Maurizio Minetti)

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