SGS: Digitalisierung mit Start-ups und Cloud-First-Strategie

9. Januar 2017, 14:01
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Warum der weltweit grösste Warenprüf-Konzern mit einem EPFL-Spinoff partnert und in die Cloud geht.

Warum der weltweit grösste Warenprüf-Konzern mit einem EPFL-Spinoff partnert und in die Cloud geht.
SGS geht eine Partnerschaft mit dem EPFL-Spinoff Sensima ein und gibt diesem auch ein Drei-Millionen-Franken-Darlehen. Dies teilte das weltweit grösste Warenprüf- und Zertifizierungsunternehmen mit. Sensima beschäftigt sich mit Messungen von elektromagnetischen Felder mit Sonden oder Sensoren. Das Ziel der Partnerschaft sei es, "einen neuen IoT-Akteur aufzubauen, der sich auf die Wartung von Industrieanlagen spezialisiert", lässt sich Frankie Ng, CEO von SGS, in der Mitteilung zitieren.
Bereits 2015 hatte SGS einen 17,65-Prozent-Anteil am auf Sensor-Analytik spezialisierten US-Unternehmen Savi Technologies erworben und eine Partnerschaft geschlossen, um im Bereich Industrie 4.0 stärker zu werden. 2016 hatte SGS C-Labs gekauft, ein Tessiner Industrie 4.0-Start-up, das Nahrungsmittel mit künstlicher Intelligenz kontrollieren will. Das Jungunternehmen aus Chiasso stammt aus dem Dunstkreis des international bedeutenden IDSIA (Istituto Dalle Molle di Studi sull'Intelligenza Artificiale).
Die Partnerschaft ist ein Element der gross angelegten Digitalisierung des in Genf ansässigen Konzerns mit 5,4 Milliarden Jahresumsatz, das von der Qualität von Rohöl bis zum Auto alles Mögliche prüft. Das Unternehmen nimmt auch Teile von iPhones unter die Lupe und erhielt – erst nach dem Branddebakel – auch Komponenten des Samsung Galaxy Note 7, wie inside-it.ch weiss.
Laut 'NZZ' arbeitet sich SGS auch in neue, digitale Geschäftsfelder vor, so mit dem chinesischen Online-Giganten Alibaba. SGS prüfe die Qualität der auf Alibaba angebotenen Produkte von Dritten und will das Business mit Billigkopien und Fälschungen erschweren.
"Wir verfolgen eine Cloud-First-Strategie"
Die Digitalisierung von SGS schreitet auch intern voran, wie Christoph Heidler, seit Ende 2015 Group CIO von SGS, gegenüber inside-it.ch in einem Gespräch erläuterte. Der Konzern mit rund 2000 Labor-Standorten rund um die Welt und noch mehr Kontrolleuren im Feld, verfolgt eine Cloud-First-Strategie.
Zu deployen gibt es aktuell nicht nur Office 365 für fast 86'000 Mitarbeitende, man habe auch 4000 Server im Einsatz. Nun entwickle sich die SGS-IT vom SaaS-Modell zu IaaS weiter und in die Cloud gehen auch Labors und Labordaten (zum Einsatz kommen Azure, Oracle, AWS). Man wolle ein eigentliches Cloud-Ökosystem aufbauen, so Heidler.
Nur bei den Finanzdaten sei die Cloud-First-Strategie noch nicht verabschiedet, sagte Heidler vor einigen Wochen.
Mit der Devise "deploy quickly and change frequently" wolle SGS auch die Innovation fördern, ohne das Rad neu zu erfinden. "Die Kosten in der Cloud sind für uns nicht unbedingt niedriger, aber kontrollierbarer als bei On-Premise-Installationen", ergänzte der SGS-CIO auf dem Podium eines Oracle-Cloud-Days. Man lege strategisch mehr Wert auf Tempo, denn auf Kosteneinsparungen.
SGS-Chef Ng scheint laut 'NZZ' der Ansicht zu sein, seine Firma sei in Sachen Digitalisierung im Rückstand. SGS ist weltweiter Marktführer in einem hoch fragmentierten Markt mit laut 'Moody's' 25'000 konkurrierenden Laboratorien und Regierungsorganisationen. (Marcel Gamma)
(Bild Startseite: sgs.com)

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