Sind Apps auch auf TVs die Zukunft?

1. November 2010, 10:07
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Samsung setzt auf Kooperation mit der Entwicklerszene.

Samsung setzt auf Kooperation mit der Entwicklerszene.
Der kommende Einzug der Interaktivität auf Fernsehern wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt prophezeit. In der Realität zeigten die Anwender bisher kaum Interesse – man erinnert sich vielleicht noch an spektakuläre Flops wie das Swisscom'sche "Betty TV". Durch das Konzept der "Apps", der kleinen, leicht beziehbaren und installierbaren Programme, welche mittlerweile die Smartphonewelt erobert haben, könnte sich dies nun aber ändern. Dies glauben diverse Industrieinsider, darunter auch der grosse Hersteller Samsung. Durch die Unterstützung der europäischen "Smart-TV"-Kampagne will der Elektronikhersteller Samsung das Zusammenwachsen von Internet und TV nun beschleunigen. Dazu stellt das Unternehmen Entwicklern ein Software Developer Kit mit integrierten Grafikbausteinen zur Verfügung, das eine einfache Programmierung von Apps für den Fernseher verspricht.
"Mit der European Smart TV Challenge wollen wir zusätzlich zu den professionellen Inhalten die Entwicklung kreativer Anwendungen fördern, um Verbrauchern eine ähnlich grosse Vielfalt wie bei mobilen Apps bieten zu können", sagte André Schneider, Head of Product Strategy bei Samsung.
Apps für Konvergenz essenziell
Die speziell auf den Fernsehbildschirm abgestimmten Apps werden auch nach Ansicht von Peter Weilmuenster, Vorstandschef des After-Sales Dienstleisters Bitronic, einen grossen schub bei der Konvergenz von TV und Internet bringen. "Das wird ähnlich rasant verlaufen wie bei Smartphones. Die Nutzungsrate des mobilen Webs ist erst durch das vielfältige Apps-Angebot nach oben geschossen. Die von Samsung eingeschlagene Strategie wird das auch bei Fernsehgeräten bewirken", kommentiert Weilmuenster gegenüber 'pressetext'.
Neuer Vertriebskanal für Medien
Aus Sicht eines Medienunternehmens hinterfragt Marek Baum, Projektleiter IPTV/WebTV bei 'Bild digital', die Herausforderungen und Chancen vernetzter TV-Geräte: "Das Nutzungsverhalten am heimischen Fernseher wird sich durch die neuen Geräte entscheidend ändern. Dadurch haben wir die Chance, neben Print, Online und Mobile einen weiteren Vertriebskanal und neue Zielgruppen für unsere Inhalte zu erschliessen.
"Mit dem Einzug von 'bild.de' ins Wohnzimmer bieten wir den Nutzern eine neue Vielfalt an Themen und Geschichten am Fernsehgerät", so Baum. Das erfordere allerdings eine ganz andere inhaltliche Ausrichtung. Da könne man nicht mit Mini-Clips arbeiten. Es reiche nicht aus, die Videos und Artikel der Website auf den Fernsehbildschirm zu bringen.
"Jede Plattform und jedes Medium braucht ein eigenes Storytelling. Hier liegt unsere Aufgabe. Man benötigt verschiedene Erzählweisen und Geschichten", sagt Baum. Bild habe zudem unendlich viele Bilder. Da liege es nahe, das Medium auf den TV-Bildschirm zu bringen.
"Zudem platzen wir auf unserem Onlineportal mit den Videos aus allen Nähten. Man hat gar nicht die Fläche, um alles darzustellen. Mit dem Fernsehen bekommen wir einen weiteren Vertriebskanal, um die Abrufzahlen zu erhöhen", sagte Baum. Im vergangenen Monat hatte Bild über alle Videoplattformen eine halbe Million Videoabrufe. Daran erkenne man, wie extrem dieser Markt wachse. (pte)

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