SIX will Paymit zum Schweizer Bezahl-Standard machen

7. September 2015, 11:45
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"Die strategische Partnerschaft mit Swisscom ist sehr bedeutend."

"Die strategische Partnerschaft mit Swisscom ist sehr bedeutend."
SIX Group hat zusammen mit der UBS und der ZKB im vergangenen April die mobile Bezahl-App "Paymit" lanciert. Damals noch für einen bescheidenen Einsatzzweck in einer Nische: Die Überweisung von kleineren Geldbeträgen zwischen Privatpersonen.
Angesichts der beteiligten Unternehmen war es aber schon damals klar, dass die Allianz mit Paymit Grösseres vorhat. Spätestens, seit nach einigen weiteren Banken auch noch Swisscom der Paymit-Allianz beigetreten ist, weiss man, dass die App einer der ernsthaften Player im Bereich der Handy-Bezahl-Apps sein wird. In einem Gespräch mit der 'NZZ am Sonntag' hat SIX-Chef Urs Rüegsegger nun klipp und klar gesagt, wohin die Reise gehen soll: "Wir wollen Paymit in der Schweiz zum Standard für digitale Zahlungssysteme machen."
Deshalb arbeitet die Paymit-Allianz mit Hochdruck an der Erweiterung der Paymit-Funktionen. Noch vor Ende dieses Jahres sollen Lösungen für Detailhändler zur Integration von Paymit in Terminals herausgebracht werden. Auch an einer Lösung zum Einsatz von Paymit für Bezahlungen in Online-Shops wird gearbeitet.
Durch den Seitenwechsel von Swisscom ist zumindest ein Konkurrent schon mal aus dem Rennen: Swisscom hat seine eigene Bezahl-App "Tapit" aufgegeben. "Die strategische Partnerschaft mit Swisscom ist sehr bedeutend", erklärte Rüegsegger der 'NZZ am Sonntag'. "Swisscom kennt die Mobil-Technologie sehr gut, wir die Anwendungsseite."
Ein weiterer potentieller Konkurrent, die SBB, hat ihr "Wally" schon vor knapp einem Jahr.
Viel Feind, viel Ehr
Dass die beiden grössten Schweizer Detailhändler noch nicht bei Paymit mitmachen, dürfte eines der grossen aktuellen Probleme für SIX und Co. sein. Laut Rüegsegger konzentriert man sich vorerst auf das Ziel, kleinere Detaillisten an Bord zu holen, die noch gar keine moderne Zahlungs-Infrastruktur besitzen.
Paymit muss sich aber nicht nur gegen einheimische Konkurrenten durchsetzen. Auch internationale Anbieter wie Apple, Samsung, Google, Facebook, Amazon oder Paypal wollen ein Stück vom Mobile-Payment-Kuchen. Und daneben gibt es auch noch den Systemkampf zwischen Handy-Portemonnaies und dem kontaktlosen Bezahlen via Kredit- oder Debitkarte.
In dieser Auseinandersetzung hat Paymit noch einen Nachteil, wie Rüegsegger offen einräumt: Man sei technisch noch nicht so weit, dass man mobile Zahlungen schneller machen könne, als mit einer Karte. (Dies gilt wohl auch für andere Handy-Bezahlplattformen). Die Zahlungen auch mit dem Handy via NFC durchzuführen, würde eine Beschleunigung bringen. Aber: Die Schweiz ist immer noch ein iPhone-Land. Und Apple, so Rüegsegger, gibt seine NFC-Schnittstelle nicht für andere Anbieter frei. (hjm)

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