Skype vom Regen ins Fettnäpfchen

21. August 2007, 16:43
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Nachdem die Technik versagt hat, setzen sich auch die Kommunikationsleute in die Nesseln.

Nachdem die Technik versagt hat, setzen sich auch die Kommunikationsleute in die Nesseln.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Schon während und nach dem grossen Ausfall Ende der letzten Woche ergriffen Konkurrenten, vor allem traditionelle Telcos, die Gelegenheit, Skype grundsätzliche Instabilität vorzuwerfen, die in Zukunft, falls die Userzahlen noch mehr steigen, nur noch schlimmer werden könne.
Von Anfang an war aber auch Skypes Informationspolitik ein weiterer Grund für Kritik. Skype informierte nur häppchenweise und versuchte, so schien es zumindest, das Ausmass der Störung zu verharmlosen. Vor allem fehlten - und fehlen unseres Wissens nach immer noch - Angaben darüber, wann das Problem genau begann, wie schnell es sich ausbreitete und wie viele User jeweils betroffen waren.
Zuletzt sorgt nun auch Skypes am Montag publizierte Erklärung der technischen Gründe des Ausfalls für weitere Häme und haufenweise bissige Kommentare im Internet. Skype hat darin erklärt, Microsofts-Patch-Day beziehungsweise die dadurch bewirkten massenweisen Reboots von Computern rund um die Welt habe die Störung ausgelöst. Skype, so der Tenor der Kritiker, versuche nun mit einer ganz alten Masche, von den eigenen Probleme abzulenken: Such Dir einen Sündenbock, den die Leute eh nicht mögen.
Die Plausibilität von Skypes Erklärung wurde unter anderem wegen zwei Punkten bezweifelt, die eigentlich sofort ins Auge springen. Microsoft führt seinen monatlichen Patch-Day seit langer Zeit durch: Wieso fiel das Skype-Netz gerade jetzt danach aus? Und das Timing passt nicht: Die ernsthaften Störungen im Skype-Netzwerk begannen erst rund 24 Stunden nach dem üblichen Reboot-Zeitpunkt der meisten PCs. Dass die Skype-Leute anfänglich mit keinem Wort auf diese beiden selbstverständlichen Fragen eingingen, ist zumindest äusserst ungeschickt.
Heute nun versuchen die Skype-Kommunikatoren - wir nehmen an, auch nach ein paar bösen Anrufen aus Redmond - den erneuten Scherbenhaufen zu beseitigen und den Eindruck wegzuwischen, dass man Microsoft in irgendeiner Art die Schuld geben wollte.
Bei genauem Hinsehen stimmt dies auch tatsächlich nicht. Im Text vom Montag wird gesagt, der Patch-Day habe die Störung ausgelöst ("triggered") - und ein "Auslöser" ist tatsächlich kein "Grund". Aber dass diese Nuance nicht überall wahrgenommen werden würde, hätten die hoch bezahlten Kommunikationsleute ebenso voraussehen müssen, wie die Fragen, welche ihre löchrige Erklärung hinterlassen würde. (Hans Jörg Maron)
Die aktuellste technische Erklärung liest man übrigens am besten bei Skype selbst nach.

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