Snapchat prescht mit "all­tags­tauglicher" AR-Brille vor

21. Mai 2021, 11:42
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Die Mutter der Social-Media-Plattform stellt eine Augmented-Reality-Brille vor, die deutlich leichter ist als Konkurrenten. Der Akku reicht aber nur 30 Minuten.

Snap, die Mutter der Social-Media-Plattform Snapchat, hat als erstes Unternehmen in der Tech-Branche eine Brille für Augemented Reality (AR) vorgestellt, die alltagstauglich sein soll. Sie soll vor allem für Snapchat-User zum Einsatz kommen. Weitere Anwendungsfelder liegen aber nahe. 
Solche Brillen werden unter anderem von Apple und Facebook erwartet – aber die Entwicklerfirma Snap kam diesen mit der Präsentation zuvor. Die "Spectacles"-Brille blendet die virtuellen Objekte nur in einen eingeschränkten Teil des Blickfelds ein. Sie ist zunächst nur für von Snap ausgewählte Nutzer verfügbar und wird nicht zum Kauf angeboten.
Die Brille von Snap wiegt 134 Gramm und hat mehrere Kameras, Mikrofone und Lautsprecher. Sie ist deutlich leichter und kompakter als die Hololens von Microsoft, die der Software-Konzern für Unternehmen anbietet. Ein weiterer Vorreiter war das Startup Magic Leap, das hunderte Millionen Dollar für die Entwicklung eines High-Tech-Headsets ausgab, das so viel Rechenleistung benötigt, dass man einen kleinen Computer am Gürtel tragen muss.
"Alle anderen Produkte sehen wie ein Helm aus", sagte Snap-Mitgründer und Chef Evan Spiegel der 'Financial Times'. "Ich denke nicht, dass jemand erwartet hat, dass wir so weit sein würden." Er betonte, der Wettbewerb mit den Tech-Schwergewichten schrecke ihn nicht. "Wir werden schon seit der Gründung vor zehn Jahren danach gefragt – und unsere Strategie war immer, sich auf unsere Nutzer zu fokussieren." Die Brille ist aktuell vor allem dafür gedacht, dass Snapchat-Nutzer bis zu zehn Sekunden lange Videos mit digitalen Effekten erstellen können. Das lässt ein breites Feld für andere Anwendungsszenarien.
Zugleich ist Snapchat selbst nicht gerade klein. Die App hat 500 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer, täglich greifen 280 Millionen auf sie zu. Und Snap will eine zentrale Schnittstelle zwischen der realen Welt und virtuellen Inhalten sein.

Die Chancen und Hürden von Augmented Reality

Augmented und auch Virtual Reality wird von Marktforschern eine grosse Zukunft vorhergesagt: Während der Umsatz mit Hard- und Software in den Bereichen Virtual Reality die früheren Erwartungen von Analysten im letzten Jahr übertraf, wurde jener für Augmented und Mixed Reality (AR/MR) aber nach unten korrigiert. Noch sind einige Hürden zu überwinden.
Die grösste Herausforderung bei der Entwicklung von AR-Brillen sei derzeit, die richtige Balance zwischen einem möglichst grossen Blickfeld für die digitalen Inhalte und dem Stromverbrauch sowie der Grösse der dafür erforderlichen Bauteile zu finden, sagte Snap-Chef Spiegel der Nachrichtenagentur 'DPA'. Aktuell reicht eine Batterieladung seiner Brille für rund 30 Minuten.
"Die technologischen Einschränkungen der Hardware fordern heute eine Menge Kompromisse ab", sagte Spiegel. Daher dürfte noch ein Jahrzehnt vergehen, bis die Brillen von Verbrauchern breit genutzt werden. Daneben bremsen auch fehlende geschäftskritische Anwendungsfelder im Businessumfeld sowie Software-seitige Probleme, die noch nicht gelöst sind: etwa bei der korrekten Verankerung der digitalen Inhalte in der physischen Welt, besonders in dynamischen Umgebungen. Dieses Problem kennen VR-Brillen nicht.

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