So geht es mit dem Schweizer ICT-Markt weiter

10. Juni 2021, 14:46
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ICT-Provider sind glimpflicher durch die Krise gekommen, als befürchtet. Wie man den "Big Shift" nicht verpasst, erklärte Marktforscher Philipp Ziegler am Inside Channels Forum.

Das Jahr der Pandemie war auch ein Jahr der grossen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Konjunkturforscher waren gefragt wie kaum je zuvor, aber ihre Prognosen so wacklig wie selten. Mit dem Fortschritt der Impfkampagnen und den sinkenden Zahlen scheint es nun wieder etwas festeren Boden für Vorhersagen zu geben. Eine Prognose wagte auch Philipp A. Ziegler von MSM Research für die Schweizer ICT-Branche.
Am digital durchgeführten Inside Channels Forum erklärte der Marktforscher, der Markt habe keine Vollbremsung eingelegt, wie man das anfangs befürchtet habe. Statt um die prognostizierten 4,3% sei er 2020 um 2,9% geschrumpft. Man sei damit im Vergleich zu anderen Branchen recht glimpflich durch die Krise gekommen. Knapp 18,3 Milliarden Franken wurden 2020 im B2B-Markt für ICT ausgegeben, 549 Millionen weniger als im Jahr zuvor.
Die starke Korrektur der Marktzahlen ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Ausrüstungsinvestitionen – zu denen die ICT-Ausgaben von Firmen zählen – insgesamt deutlich weniger eingebrochen sind, als noch im Dezember befürchtet. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) ging damals von einem Einbruch von 5,4% aus, nun stehen -2,3% unter dem Strich.
Allerdings liefert die KOF auch schlechte Nachrichten. Sie hatte für 2021 einen regelrechten Boom mit einer Zunahme von 8,4% der Ausrüstungsinvestitionen prognostiziert, nun musste sie diese auf gerade noch +2% korrigieren. Die Gründe laut Ziegler: Fehlendes Geld bei den Firmen und weiterhin bestehende Unsicherheiten. "Mit Corona ist noch einiges Sand im Getriebe", erklärte der Marktforscher und ergänzte, das Thema werde uns noch länger beschäftigen.

Neue Services sind in der Schweiz gefragt

Darum arbeitet Ziegler nach wie vor mit Szenarien, statt mit einer einzigen Vorhersage. In seinem Basisszenario legt der B2B-Markt für ICT im laufenden Jahr um 4,7% zu. Voraussetzung dafür: keine vierte Welle, erfolgreiche Impfkampagne, offene Grenzen und eine gute internationale Konjunktur. Der IWF geht derzeit von einem globalen Wachstum von satten 6% aus, allerdings höchst ungleichmässig über den Globus verteilt.
Natürlich entwickeln sich nicht alle Segmente gleich stark: Ohne das Sourcing würde der Schweizer ICT-Markt 2021 um 16% schrumpfen, während das Sourcing um 13% zulegt. Der "Big Shift", wie Ziegler dies nennt, zeigt sich auch in den Zahlen von 2020 deutlich: Letztes Jahr flossen über zwei Drittel der ICT-Ausgaben von Firmen in Services, während etwa Software on Premises noch auf 9,1% kam. In einer Umfrage ermittelte MSM Research, dass nur noch 14% der Firmen in der Schweiz die ICT komplett in Eigenregie betreiben, der Rest setzt auf mindesten einen externen Provider.
Das verlangt laut Ziegler nach neuen Services und nach neuem Wissen bei den ICT-Anbietern. Um auf den Zug aufzuspringen, müsse man sich fragen, was die Fachabteilungen wollten. Sie würden gegenüber dem CIO zunehmend an Gewicht gewinnen, was die IT-Budgets angeht. Türöffner bei den Kunden – besonders bei den KMUS, die immerhin zwei Drittel des Marktes ausmachen – seien vor allem folgende Themen: Security, Corona-Auswirkungen, Effizienzsteigerung und Optimierung, Mobilität und Homeoffice, Digitale Transformation und neue Businessmodelle.

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