So nutzen Schweizer Unternehmen "Web 2.0"

18. November 2009, 16:08
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Studie untersucht den Einsatz von "Web-2.0-Anwendungen" wie Wikis, Xing oder Twitter in Schweizer Firmen.

Studie untersucht den Einsatz von "Web-2.0-Anwendungen" wie Wikis, Xing oder Twitter in Schweizer Firmen.
Unter dem Begriff "Web 2.0" (populär "Mitmach-Web") fasst man neuartige Web-Anwendungen, auf denen die Grenze zwischen Konsumenten und Anbietern verwischt werden, zusammen. Beispiele sind das Business-Netzwerk Xing, Wikis zur firmeninternen oder -externen Zusammenarbeit und Wissenserhaltung oder soziale Medien wie Twitter, in denen "alle" Inhalte produzieren. Für viele CIOs ist das Web 2.0 ein Horror, da soziale Plattformen wie Facebook nicht nur zuviel Arbeitszeit verschlingen, sondern auch eine Vielzahl von neuen Angriffspforten öffnen. Unbestritten ist aber auch, dass Web-2.0-Anwendungen als Kommunikationskanäle zwischen Menschen (und Firmen) zunehmend an Bedeutung gewinnen, so etwa Xing für die Rekrutierung von Mitarbeitenden oder mySpace als Werbekanal für Musikveranstalter. Auch die Redaktion von inside-it.ch benützt die Kurznachrichten-Community Twitter für Kommunikation und als Marketing-Instrument.
Web 2.0 kommt von unten
Das Berner Beratungs- und Marktforschungsbüro Sieber&Partners hat den Einsatz von Web-2.0-Werkzeugen in Schweizer Unternehmen untersucht und die Resultate in einer brandneuen Studie veröffentlicht. Grundlage der Studie ist eine Web-Umfrage unter 225 "Entscheidungsträgern" von Schweizer Organisationen. Da die Teilnahme freiwillig war, muss man davon ausgehen, dass die Untersuchung die Benützung von Web-2.0-Instrumenten in Unternehmen zu positiv darstellt, da naturgemäss eher Web-2.0-Interessierte teilgenommen haben.
Wie die Umfrage zeigt, ist in den meisten Unternehmen das eine oder andere Web-2.0-Werkzeug im Einsatz. Oft werden die Tools "von unten", sprich spontan von den Mitarbeitenden eingeführt und zwar meistens von jüngeren Leuten, die nach 1980 ("Generation Y") oder 1990 ("Generation Z") geboren sind. Sie sind sich die permanente Vernetzung gewöhnt, wissen die Werkzeuge routiniert einzusetzen und können sich den Alltag ohne andauernde Kommunikation über elektronische Kanäle gar nicht mehr vorstellen.
Die Schweiz hat noch keine "Enterprise-2.0-Kultur
Im Durchschnitt werden in Schweizer Firmen fünf verschiedene Web-2.0-Werkzeuge eingesetzt. Immerhin die Hälfte der Schweizer Firmen setzen Instant Messaging und Internet-Konferenz-Werkzeuge ein und fast gleich viele (46 und 45 %) benützen News-Feeds oder Wikis. Erstaunliche 42 Prozent der Organisationen in der Schweiz nützen soziale Netzwerke und ein Drittel Internet-Tagebücher (Blogs).
Die grosse Mehrheit (88 Prozent) der Firmen, die solche Werkzeuge überhaupt einsetzen, verwenden Enterprise-2.0-Technologien für die interne Kommunikation, immerhin 63 Prozent nützen sie für die Kommunikation mit Kunden oder mit Partnern (50 %).
Wenig überraschend werden die modernen Werkzeuge von den meisten Benützerfirmen (86 %) im Wissensmanagement eingesetzt. Wenig überraschend deshalb, weil Wikis, Blogs, Internet-Konferenzen, Newsfeeds, Podcasts, Social Tagging und Mash-Ups sich ausgezeichnet für die Organisation, Speicherung und Verteiligung von Wissen eignet. Ebenfalls oft werden Web-2.0-Tools für die Koordination (75 %), die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen (46 %) und für Ausbildung (27 %) genutzt.
Nach aussen wird Web 2.0 für die reine Kommunikation (89 % der Benützerfirmen) eingesetzt. Aber auch in der Kundendienstleistung (59 %), für die Interaktion (47 %) und sogar für die Einbindung der Kunden in die Produktentwicklung (28 %) werden Enterprise-2.0-Werkzeuge heute benützt.
Schaut man aber die Selbsteinschätzung der Umfrage-Teilnehmer an, so wird rasch klar, dass Web-2.0-Instrumente meistens erst experimentell und vereinzelt eingesetzt werden (siehe Grafik oben). Erst 14 % der Firmen koordinieren den Einsatz unternehmensweit und und nur je 2 Prozent wollen oder haben eine "Enterprise-2.0-Kultur".
Senkung oder Steigerung der Produktivität?
Die meisten Web-2.0-Tools dienen in der einen oder anderen Art der Kommunikation (Echtzeit oder zeitlich versetzt) zwischen Menschen und sie werden auch so eingesetzt, wie die Studie zeigt.
Doch zu viel oder die falsche Kommunikation kann auch den Zielen von Organisationen widersprechen. So werden "schwierig kontrollierbare Inhalte" sowie "fehlendes Know-how für effizienten Gebrauch" als die grössten Herausforderungen für den Gebrauch von Web-2.0-Werkzeugen angesehen. Angesichts des Suchtpotentials gewisser Web-2.0-Anwendungen nicht erstaunlich ist auch, dass die Aufhebung der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ebenfalls als Herausforderung eingeschätzt wird.
Als grösstes Risiko bei der Implentation von Web-2.0-Anwendungen in einer Organisation werden die "Senkung der Produktivität" und Kostensteigerungen befürchtet. (Christoph Hugenschmidt)
Infos
~~Die Studie "Enterprise 2.0 – Die kollektive Intelligenz als Wettbewerbsvorteil" basiert auf einer Umfrage, die im Auftrag der Sponsoren Unic und des KMU-Portals des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO im August 2009 durchgeführt wurde. Der Studienbericht erklärt, was Enterprise 2.0 ist und wie sich Enterprise 2.0 zur Förderung von Interaktion sowie dem Austausch von Wissen nutzen lässt. Zudem zeigt er anhand von zwei interessanten Fallbeispielen (Swisscoms personalisiertes Mitarbeiterportal und Web-2.0-Marketing von Mammut) wie die modernen Kommunikationsmittel eingesetzt werden können.
Zu guter letzt werden werden die Schritte für eine erfolgreiche Umsetzung einer Enterprise-2.0-Strategie formuliert.~~
Der Studienbericht umfasst 49 Seiten und kann für 275 Franken Online bestellt und bezogen werden.

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