Sobaco: "Kein System ist für alle Zeiten gesetzt"

23. Oktober 2014, 12:06
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Peter Haist, CEO und Inhaber des Zürcher Banken-Dienstleisters Sobaco, spricht im Interview über sein Verhältnis zum Lieferanten Finnova, Pläne im Ausland und die Konkurrenz der beiden Big Player Swisscom und B-Source.

Peter Haist, CEO und Inhaber des Zürcher Banken-Dienstleisters Sobaco, spricht im Interview über sein Verhältnis zum Lieferanten Finnova, Pläne im Ausland und die Konkurrenz der beiden Big Player Swisscom und B-Source.
Seit knapp zwanzig Jahren ist Peter Haist (Foto) bei Sobaco an Bord. Angefangen als Projektleiter, amtiert er seit 2006 als CEO. 2008 gab Sobaco die Entwicklung der eigenen Privatbanken-Lösung auf und begann, seine Kunden auf Finnova zu migrieren. Seit dem Management-Buyout Anfang 2011 gehören Haist 80 Prozent der Anteile. In den letzten dreieinhalb Jahren hat er es geschafft, die Mitarbeiterzahl auf 28 Personen zu verdoppeln. Auch der Umsatz sei im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, sagt Haist. Seit dem MBO präsidiert der ausgewiesene Banking-Kenner François Jeannet den Verwaltungsrat. "Er ist der richtige Mann, den es braucht, wenn man noch viel vor hat in diesem Markt", sagt Haist über Jeannet. Doch was sind die Pläne von Sobaco? Haist im Gespräch mit inside-it.ch:
Herr Haist, Sobaco ist einer der kleineren Banken-Outsourcer in der Schweiz, richtig?
Peter Haist: Das triffts ziemlich genau. Wir wollen ein Outsourcer sein, der effizient auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingeht. Wir wollen keine Community-Lösungen. Was man standardisieren kann, ist zu 80 Prozent standardisiert. Mit den restlichen 20 Prozent soll sich eine Bank verwirklichen können.
Im Schweizer Markt für Banken-Outsourcer gibt es zwei Schwergewichte: Swisscom und B-Source. Worin unterscheidet sich Sobaco von diesen beiden?
Peter Haist: Swisscom und B-Source sehen uns nicht als Konkurrenz an und wir sie auch nicht. Ich würde eher von einer guten Ergänzung sprechen. Die zwei Grossen setzen den Fokus auf die Rationalisierung, wir hingegen wollen den Banken helfen, Flexibilität auszuschöpfen.
Das tönt recht allgemein. Warum sollte eine Bank ihr Finnova-System von Sobaco statt von Swisscom betreiben lassen?
Peter Haist: Weil wir schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren. Das ist unser Ansatz: Geschwindigkeit. Wir setzen in kurzer Zeit das um, was eine Bank benötigt. Andere brauchen für gewisse Projekte bis zu einem Jahr, wir zum Teil nur wenige Tage.
Unsere Grösse bietet uns Vorteile: Banken-CEOs können bei einer Eskalation direkt mit mir diskutieren, unsere Entscheidungswege sind kurz. Wir haben ein übergreifendes Wissen – unsere Projekt- und Applikationsmanager kennen das gesamte Paket des Kunden.
Swisscom ist zurzeit mit der schwierigen Zusammenlegung der beiden früheren Sparten Swisscom IT Services und Swisscom Grosskunden beschäftigt. Spüren Sie etwas davon?
Peter Haist: Nein, davon spüren wir nichts. Man hört aber schon hie und da, dass Swisscom in einzelnen Bereichen Kunden an Mitbewerber verloren hat. Bei uns sind sowohl die Kosten stabil als auch die Reaktionszeiten tief. Aber es ist nicht so, dass wir jetzt auf die Jagd nach Swisscom-Kunden gehen.
Und umgekehrt? Wildert Swisscom in Ihrem Revier?
Peter Haist: Nein, das kann ich nicht feststellen.
Die zwei Grossen bieten seit einigen Jahren Business Process Outsourcing (BPO) an, also die Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse wie die Wertschriftenabwicklung oder den Zahlungsverkehr. Ist BPO bei Sobaco ein Thema?
Peter Haist: Bei uns selber im Moment nicht. Wir bieten BPO in Kooperation mit unserem Partner Finanz-Logistik an. Sobaco selbst konzentriert sich auf IT-Outsourcing, Application Management und Betrieb. Letztes Jahr haben wir aber in der Romandie eine Niederlassung eröffnet. Es ist vorstellbar, dass wir in der Westschweiz künftig eigene BPO-Dienstleistungen anbieten werden, oder dann mit einem Partner.
Mit dem Westschweiz BPO-Platzhirsch Crédit Agricole?
Peter Haist: Ich glaube nicht, dass wir gleich mit dem ganz Grossen kooperieren würden, aber letztlich sind wir offen.
Ein solches BPO-Angebot würde auf Basis von Finnova angeboten werden?
Peter Haist: Im Moment gehe ich davon aus, dass es so wäre.
Das hört sich aber recht unverbindlich an.
Peter Haist: Tatsächlich sind wir in Bezug auf die Software sehr offen. Was die Abwicklung der Bankgeschäfte betrifft, spielt es praktisch keine Rolle, welches System man verwendet. Wir konzentrieren uns heute auf Finnova, aber grundsätzlich ist nie etwas gesetzt. Wir hatten bis vor einigen Jahr ein eigenes System, dessen Weiterentwicklung wir dann aber zugunsten von Finnova aufgegeben haben. Finnova ist sicher nicht für alle Zeiten gesetzt, aber ich glaube, es ist im Moment eine gute Basis.
Vergleicht man Finnova mit dem direkten Mitbewerber Avaloq, kann man vorsichtig formuliert von einer fehlenden Dynamik der Lenzburger sprechen. Einverstanden?
Peter Haist: Ja, das stellen wir teilweise auch fest. Das ist aber nicht unbedingt negativ für uns. So bekommen wir Raum, selber dynamisch unterwegs zu sein. Alles, was Finnova nicht umsetzen kann oder will, kann ich selber machen. Zum Beispiel die Schnittstelle zum Tax Reporting System. Selbstverständlich frage ich zuerst bei Finnova nach, ob sie es machen. Sie machen es nicht? Dann beackere ich den Markt selber. Dasselbe gilt für andere Bereiche. Ich will noch viel in diesem Markt erreichen. Wenn ich einen Partner habe, der sich allfällig zu wenig bewegt, dann liegt es an mir, mich umso mehr zu bewegen.
Sobaco feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Seit fast vier Jahren sind Sie Inhaber. Welche Pläne bezüglich Eigentümerschaft verfolgen Sie? Wäre ein Verkauf denkbar?
Peter Haist: Solche Gedanken beschäftigen mich momentan nicht. Ich möchte lieber selber Firmen kaufen um zu expandieren. Dort, wo es Sinn macht als Ergänzung für unsere Kunden. Ich bin daran interessiert, weitere Gebiete zu erfassen, nicht nur in der Schweiz.
Sie wollen ins Ausland expandieren?
Peter Haist: Wir sind bereits im Ausland mit einigen Kunden präsent, doch haben wir noch keine eigene Niederlassung. Wir sind zurzeit aber dabei, mit unserer Vermögensverwaltungslösung PAS (Portfolio Administration Solution) den deutschen Markt zu bearbeiten. In Deutschland beschäftigen wir zurzeit zwei Personen.
Ich glaube, dass im Markt der Vermögensverwalter zurzeit ein riesiger Umbruch stattfindet. Aufgrund der Regulierungen sind sie auf professionelle Systeme angewiesen. Heute arbeiten noch viele Wealth-Manager mit Excel. Ich erwarte eine grosse Umstrukturierung und will an vorderster Front dabei sein. Wir richten uns vor allem an kleine Vermögensverwalter mit drei bis zehn Mitarbeitenden - davon gibt es etliche.
Was macht Ihnen Bauchweh?
Peter Haist: Dass sich im klassischen Banking-Outsourcing-Markt wenig bewegt. Viele Banken sind mit Regulatorien beschäftigt und schieben einen Systemwechsel auf die lange Bank. Ich denke aber, dass ab nächstem Jahr wieder Entscheide fallen werden, vor allem bei Privatbanken. Ausserdem stehen viele bestehende Deals vor der Erneuerung. Es wird wieder eine grosse Bewegung stattfinden und dafür möchte ich vorbereitet sein. (Gespräch: Maurizio Minetti)

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