Social-Media-Plattformen als offizielle Mitteilungskanäle (in den USA)

4. April 2013, 10:07
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Schweizer Börse akzeptiert Social-Media-Kanäle nur als Ergänzung der zwingend vorgeschriebenen Kanäle.

Schweizer Börse akzeptiert Social-Media-Kanäle nur als Ergänzung der zwingend vorgeschriebenen Kanäle.
Die amerikanische Börsenaufsicht, die Securities Exchange Commission (SEC), hat gestern in einem weitreichenden Entscheid die Kommunikation über Social-Media-Plattformen der Kommunikation über die etablierten Kanäle (Web, E-Mail) gleich gestellt.
Andere Länder, andere Sitten. CEOs von börsenkotierten Unternehmen, die twittern und sich auf Facebook präsentieren, finden sich in der Schweiz kaum, dafür in den USA umso mehr. So kam es auch, dass kursrelevante Informationen nicht über die normalen Kanäle, sondern über Twitter und Facebook kommuniziert wurden. Nicht von Corporate Communications, sondern vom CEO höchstpersönlich.
Was die SEC zum Handeln zwang, war ein Facebook-Post von Reed Hastings, dem CEO von Netflix. Darin beglückwünschte er seine Mitarbeitenden dafür, dass zum ersten Mal über eine Milliarde Stunden Video in einem Monat ausgeliefert wurden. Die Facebook-Seite von Reed Hastings ist zwar öffentlich zugänglich, doch blieb die Mitteilung auf die Veröffentlichung auf Facebook beschränkt. Die Firma Netflix hat den Inhalt dieses Posts weder als News Release veröffentlicht, noch im Publikationssystem der SEC eingetragen. Die SEC prüfte deshalb, ob dadurch kursrelevante Tatsachen nur einem Bruchteil der interessierten Marktteilnehmer mitgeteilt wurden.
Nach einer mehrere Monate dauernden Untersuchung kam nun die SEC zu folgendem Schluss: Social-Media-Kanäle sind Firmen-Websites und Edgar – dem öffentlich zugänglichen System der SEC – für die Veröffentlichung von Ankündigungen gleichgestellt. Eine Bedingung – nebst der öffentlichen Zugänglichkeit – muss aber erfüllt sein: Die Firmen müssen die verwendeten Social-Media-Kanäle (e.g. Facebook-Seite, Twitter-Account) klar und deutlich bekannt geben.
Und in der Schweiz?
In den USA gilt die Reg FD der SEC, in der Schweiz hingegen die Richtlinie betreffend Ad-hoc-Publizität der SIX Swiss Exchange. Die Schweizer Börse akzeptiert Social-Media-Kanäle nur als Ergänzung der zwingend vorgeschriebenen Push- (E-Mail) und Pull-Kanäle (Web). Social-Media-Kanäle darf man für potenziell kursrelevante Informationen auch nur dann verwenden, wenn die dort geposteten Informationen gleichzeitig über die zentrale Web-Domain und E-Mail erhältlich sind.
Twitter wird als zusätzlicher Verteilkanal bereits heute von mindestens zwei börsenkotierten Unternehmen verwendet. Alpine Select und Absolute Invest. Dabei dient Twitter als reiner Verteilkanal, zusätzlich zu Web, RSS und E-Mail.
Mehr zum Thema Ad-hoc-Publizität finden Sie hier. (cj)

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