Social Media und Cloud total unwichtig, sagen Schweizer Privatbanker

11. Dezember 2014, 12:42
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Laut einer Studie von Ernst & Young zögern Schweizer Privatbanken bei IT-Innovationen.

Laut einer Studie von Ernst & Young zögern Schweizer Privatbanken bei IT-Innovationen.
Es ist hinlänglich bekannt, dass Schweizer Privatbanken bei IT-Investitionen eher zurückhaltend sind. Ein Paradebeispiel dafür ist die Bank Julius Bär, die seit Jahren zögert, ihre IT zu modernisieren. Ernst & Young (EY) hat sich trotzdem intensiv mit dem Thema beschäftigt und eine internationale Studie durchgeführt. Es wurden Vertreter von knapp 30 Privatbanken in der Schweiz, Singapur und Luxemburg befragt. EY glaubt, dass Luxemburg als etablierter Finanzplatz und Singapur als relativ junger und dynamisch wachsender Private-Banking-Standort neben der Schweiz eine geeignete Basis bieten, um relevante IT-Benchmarks zu erheben.
Für 100 Prozent der Befragten in der Schweiz ist die wichtigste Aufgabe die Sicherstellung der Compliance gegenüber regulatorischen Anforderungen. Dazu gehört etwa die Einhaltung von Richtlinien zur Steuertransparenz. Informationssicherheit ist mit einer Zustimmung von 92 Prozent für die Befragten ebenfalls sehr wichtig. Jeweils 69 Prozent empfinden zudem die Automatisierung von Kundenprozessen und weitere Kostenoptimierungen als prioritär. Den Einsatz mobiler Endgeräte und Apps für Relationship Manager sehen nur 46 Prozent als wichtig an. Kein einziger Befragter erachtet Social Media und Cloud Computing als wichtig.
Andreas Toggwyler, Partner und Leiter IT Advisory bei EY Financial Services Schweiz, stellt fest, dass sich die Banken um Themen wie Compliance und Automatisierung bestehender Abläufe kümmern. "Vor massgeblichen Innovationen an der Kundenschnittstelle mit Hilfe der IT scheuen hingegen noch viele traditionsreiche Privatbanken zurück", so Toggwyler. In diesem Bereich habe der asiatische Markt eine Vorreiterrolle, "wo wir am Beispiel von Singapur – dort sieht immerhin einer von drei Befragten eine wichtige Bedeutung von Social Media – eine technologieaffine Haltung erkennen können." Auch der Schweizer Finanzplatz werde sich dieser Herausforderung stellen müssen, da in dessen Kundenstruktur momentan ein Generationenwechsel stattfinde, sagt Toggwyler.
Die Kosten für IT im Verhältnis zu den Gesamtkosten im Private Banking betragen bei den untersuchten Schweizer Finanzdienstleistern im Durchschnitt 16,4 Prozent und sind zwischen 2009 und 2013 relativ unverändert geblieben. Allerdings ist es gelungen, die IT-Ausgaben pro Bankmitarbeiter im gleichen Zeitraum sukzessive von 64'000 US-Dollar auf knapp 58'000 US-Dollar zu senken.
Neben den Gesamtkosten der IT inklusive Hard- und Software wurden auch die Personalkosten in der EY-Analyse betrachtet. In der Schweiz kostet ein interner IT-Mitarbeiter im Private Banking durchschnittlich 185'000 Dollar (inklusive aller Lohnnebenkosten). Dieser Wert sei seit 2009 (180'000 Dollar) im Grossen und Ganzen konstant geblieben, während die Personalkosten für den allgemeinen Bankangestellten im gleichen Zeitraum um knapp 10 Prozent sanken.
In der Schweiz ist der Anteil von IT-Ausgaben für neue Technologien ("change the bank") seit 2009/10 bis 2013 von 33 auf 37 Prozent gestiegen. In Singapur hingegen kam es bei den untersuchten Banken zu einem Anstieg von 26 auf 45 Prozent. "Diese Zahlen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bedeutung von Innovation innerhalb der IT zugenommen hat. Durch die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungskette im Private Banking werden sich für IT neue Einsatzfelder ergeben, beispielsweise bei der Integration zunehmend wichtiger Technologien wie Mobile, Social Media und Big Data. Durch diese digitalen Technologien ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, neue Kundenkanäle zu erschliessen und die Kundenbindung zu erhöhen. Um die Chancen, die sich durch diese Technologien bieten, auch voll ausschöpfen zu können, wird IT eine treibende Rolle bei der Integration solcher Werkzeuge einnehmen müssen", meint dazu Studienleiter Robert Rümmler.
Über die drei Länder hinweg wurde ferner untersucht, welches Architektur-Modell der Kernbankenplattform die höchsten beziehungsweise die niedrigsten Kosten mit sich bringt. Hierbei wurde unterschieden zwischen drei Gruppen von Privatbanken: solchen, die vor allem IT-Standardplattformen wie Avaloq oder Temenos benutzen, denjenigen, die auf Eigenentwicklung setzen und denen, die einen Mix aus beidem verwenden ("best-of-breed"). Standardplattformen und eigenentwickelte Plattformen sind im Schnitt fast gleich günstig. Bei Standardplattformen machen die IT-Kosten gemessen an den Gesamtkosten einer Privatbank 15 Prozent aus. Je nach Standardplattform können die Kosten zwischen 13 und 16 Prozent schwanken. Eigenentwicklungen schlagen laut der Studie mit 14 Prozent an den Gesamtkosten zu Buche. Mischformen sind mit 21 Prozent in jedem Fall signifikant teurer als die beiden anderen Varianten.
Robert Rümmler: "Die Kosten für selbst-entwickelte Plattformen sind zwar knapp am niedrigsten, aber diese Plattformen sind häufig auch unflexibel, was Modernisierungs- und Anpassungsmassnahmen betrifft. Die Industrie tendiert stark in Richtung Standardpakete, einerseits um Kosten für die Weiterentwicklung an den Software-Anbieter abzutreten, andererseits um eine verstärkte Automatisierung der Geschäftsprozesse zu ermöglichen. Aufgrund der Vielfalt der funktionalen Anforderungen, die eine Standard-Plattformen erfüllen muss, ist die richtige Auswahl des Softwareanbieters in jedem Fall von entscheidender Bedeutung."
Die ganze Studie gibt es hier. (mim)

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