Software-Brocki Usedsoft in der Schweiz insolvent

28. Juni 2011, 12:41
  • international
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Wegen Meinungsverschiedenheiten mit einem Investor muss das Schweizer Mutterhaus von Usedsoft Insolvenz anmelden. Die Tätigkeit der Ländergesellschaften sei davon nicht betroffen.

Wegen Meinungsverschiedenheiten mit einem Investor muss das Schweizer Mutterhaus von Usedsoft Insolvenz anmelden. Die Tätigkeit der Ländergesellschaften sei davon nicht betroffen.
Das Mutterhaus von Usedsoft, das sich einen Namen machte, indem es Softwarelizenzen auf- und weiterverkaufte ist zahlungsunfähig. Das berichtet 'ChannelPartner' heute.
Die Schweizer Büros scheinen nicht mehr besetzt zu sein, beim Anruf in der hiesigen Niederlassung wird das Telefon nach München umgeleitet, wo man gegenüber inside-channels.ch die Insolvenz bestätigte. Für weitere Informationen wird an die Usedsoft-Marketingchefin Vera Heubel verwiesen, die allerdings nichts sagen wollte: "Ich habe überhaupt kein Interesse, darüber zu reden", sagte sie kurz und bündig.
Ländergesellschaften nicht betroffen
Am späten Nachmittag veröffentlichte Usedsoft dann doch noch eine kurze Pressemitteilung, wonach der Geschäftsbetrieb ohne Störungen weiterlaufe, da die Ländergesellschaften von der Insolvenz der Schweizer Einkaufsgesellschaft "nicht unmittelbar betroffen" seien. Grund für die Insolvenz seien "Meinungsverschiedenheiten mit einem Investor". Usedsoft-Deutschland-CEO Peter Schneider lässt sich mit folgender Aussage zitieren: "Für unsere Kunden ändert sich nichts. Unsere Kunden werden weiter zuverlässig und auf derselben Rechtsgrundlage beliefert."
Dies dürfte zumindest stimmen für die Lizenzen, die sich gegenwärtig noch im Besitz der jeweiligen Länderniederlassungen befindet. Laut Usedsoft müssen sich jetzt die Ländergesellschaften selber um den Einkauf neuer Gebraucht-Lizenzen kümmern. Bisher wurde das durch die Zuger Muttergesellschaft - nach Schweizer Recht - erledigt. Ob allerdings auch Gesellschaften in der EU mit Gebraucht-Software handeln dürfen, ist noch nicht abschliessend geklärt.
Schullizenzen möglicher Stolperstein
Laut Usedsoft hat die Insolvenz nichts mit den Gerichtsverfahren mit Oracle und Adobe zu tun. Letzteres hat erst kürzlich für Schlagzeilen gesorgt, als der Handel mit gebrauchten Adobe-Lizenzen vom Zuger Kantonsgericht geschützt wurde.
Das bezweifelt hingegen der Usedsoft-Konkurrent Susensoftware. "Der Prozess gegen Adobe war wohl zu viel für Usedsoft", schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung heute Nachmittag. Usedsoft habe einen Rechtsstreit wegen Adobe-Education-Lizenzen geführt, also vergünstigten Schulversionen, die an normale Unternehmen übertragen werden sollten.
Die ganze Branche habe bezweifelt, dass Usedsoft damit durchkommen würde. Susensoft-CEO Axel Susen lässt sich in der Mitteilung folgendermassen zitieren: "Im Endeffekt musste Usedsoft wohl diesen Rechtsstreit in Deutschland vorläufig mit einer Schadensersatz-Zahlung beenden." Usedsoft schreibt in der Mitteilung dazu: Die "Behauptungen von Susen sind nachweislich falsch". (Philippe Kropf)

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