Software-Hersteller in kritischer Phase

2. Dezember 2014, 14:56
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Nur fünf Schweizer Anbieter gehören zu den Top-100 der europäischen Software-Hersteller. Zum ersten Mal übersteigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung den Gewinn.

Nur fünf Schweizer Anbieter gehören zu den Top-100 der europäischen Software-Hersteller. Zum ersten Mal übersteigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung den Gewinn.
Die europäische Software-Industrie ist vergleichsweise winzig. Und gäbe es da nicht den deutschen ERP-Riesen SAP, so wäre sie gar bedeutungslos. Mit über 16 Milliarden Euro Umsatz und knapp 18'000 Angestellten stemmt der deutsche Hersteller alleine 39 Prozent des Umsatzes der Top-100 Software-Hersteller Europas. Dies geht aus der neuesten Ausgabe der "Truffle 100" des gleichnamigen französischen Beteiligungsunternehmens hervor.
Nur fünf Schweizer Software-Firmen haben es in die Truffle-100-Liste geschafft. Es sind dies Swisslog (Logistik-Systeme, Rang 15, 383 Mio. Umsatz mit Software & Services), Temenos (Software für Banken, Rang 22, 352 Mio.), Avaloq (Software für Banken, Rang 30, 302 Mio. ), Elca (Rang 80, Individualsoftware, 72 Mio.) und ERI Bancaire (Rang 84, Software für Banken, 65 Mio.). Die Schweiz ist nach Umsatz gemessen damit das siebtgrösste Software-Land Europas - gäbe es die starken Bankenspezialisten nicht, läge sie zwischen Tschechien und Belgien auf Rang 12!
Natürlich misst Truffle unscharf, denn sehr viele kleinere Anbieter werden ebensowenig berücksichtigt wie die Entwicklungsabteilungen von IT-lastigen Firmen wie zum Beispiel die Grossbanken. Für andere Länder trifft dies aber auch zu.
Mehr Investition in F+E als Gewinn
Truffle betrachtet nicht nur den Umsatz der Top-100 europäischen Softwarefirmen, sondern auch den Gewinn. Und schlägt Alarm: Zum ersten Mal seit 2006 befände sich die europäische Software-Industrie in einer hochriskanten Situation. Denn sie hat 2013 mehr Geld in Forschung und Entwicklung investiert als Gewinne erzielt (Siehe Grafik oben). Total erzielte die europäische Software-Branche einen Gewinn von 6,4 Milliarden Euro, gab aber 6,9 Milliarden Euro für F+E aus.
"Software-Hersteller sind von Natur aus resolute Optimisten, die sich immer dazu verpflichtet fühlen, das Produkt der Zukunft zu entwickeln," kommentiert Truffle-Mitgründer Bernard-Louis Roques das Phänomen in einem einer kurzen Zusammenfassung der "Truffle-100".
Gemessen an den Ausgaben für F+E sitzt die Schweiz mit 149 Millionen Euro übrigens auf Rang fünf. Würde man allerdings die Anzahl der Beschäftigten in F+E als Kriterium nehmen, wäre die Schweiz hinter Polen, Italien und Finnland nur auf Rang 8. (hc)

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