Software-Weltmarkt: Die Schweiz ist ein Niemand

5. Dezember 2008, 16:20
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Einzig die vier Schweizer Bankensoftware-Hersteller schaffen es in die Liste der 200 grössten Software-Anbieter in Europa.

Einzig die vier Bankensoftware-Hersteller schaffen es in die Liste der 200 grössten Software-Anbieter in Europa.
In der Schweiz werden Roboter, Textilmaschinen, Hörgeräte und höchst komplexe Bestückungsautomaten und Druckmaschinen entwickelt, hergestellt und erfolgreich weltweit vermarktet. Sie alle werden durch Software, die ebenfalls hier entwickelt wird, gesteuert. Doch den Schweizer Firmen gelingt es offenbar nicht, Software als solche im europäischen Massenmarkt zu vermarkten, wie eine in diesen Tagen erschienene Übersicht über die 200 grössten Anbieter in Europa zeigt.
Alles nur keine Schweizer
Unter den nach Umsätzen rangierten Top-10 Software-Herstellern in Europa finden sich acht US-Firmen. Einzig SAP (Rang 3 mit 3,8 Milliarden Euro Umsatz) und Sage (Rang 9, 715 Mio. Euro) gehören zu den 10 grössten Anbietern in Europa. Auch unter den ersten 30 gibt es nur relativ wenige europäische Firmen, wobei der junge holländische ERP-Anbieter Unit 4 Agresso auf Platz 28 auffällt.
Erst ab Platz 40 (ca. 150 Millionen Euro Umsatz) sind mehr Europäer zu finden. Doch den grössten Schweizer Hersteller, Temenos, findet man erst auf Platz 60. Avaloq liegt auf Platz 101, ERI Bancaire auf Platz 136 und Finnova auf Platz 162. Alle vier Schweizer Firmen, die es unter die Top-200 in Europa schaffen, haben eine Kernbankenlösung im Sortiment.
Dass die geringe Grösse und Fragmentierung des Schweizer Marktes sicher eine der Ursachen für die relative Bedeutungslosigkeit der Schweizer Softwareindustrie ist, zeigt sich im Vergleich mit Herstellern aus anderen kleinen Märkten. Doch eben nur einer der Gründe. So findet sich der erste holländische Hersteller, wie oben erwähnt, auf Rang 28, der erste belgische (Agfa Health Care) auf Rang 44 und der erste norwegische Anbieter auf Rang 45. Und in der Rangliste (Illustration) der in der Liste vertretenen Länder liegt die Schweiz hinter Dänemark, Schweden, Finnland, Holland, Norwegen und Belgien…(Christoph Hugenschmidt)
Lesen Sie auch die interessante Diskussion zu diesem Thema, die wir im April 2007 mit Daniel Gorostidi (Elca) und Andrej Vckovski (Netcetera) führten. Software: Die unsichtbare Schweizer Industrie.
Quelle für diese Story: EuroSoftware: European Markets & Trends. EuroSoftware100. Die Untersuchung wurde von PricewaterhouseCoopers zusammen mit der Europäischen Software Association (ESA) und ihrem franzöischen (AFDEL) und britischen Pendant (BASDA) sowie Pierre Audoin Consultants durchgeführt. Die PDF-Version kann kostenlos heruntergeladen werden.

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