Softwarepipeline und Microware in einem Boot

21. Oktober 2004, 10:22
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Mit Softwarepipeline und Microware fusionieren zwei gewichtige Software-Lizenzenhändler. Die grosse Frage: Halten es die Chefs, Gilli und Winter, miteinander aus?

"Sie sind völlig auf dem falschen Dampfer, wenn Sie unsere Fusion als Konsolidierungsschritt bewerten." Microware-Chef René Gilli will von unserer Interpretation, die Fusion mit Softwarepipeline sei aus der Not geboren, nichts, aber auch gar nichts wissen. "Beide Firmen sind profitabel und wir werden keine einzige Stelle abbauen", so Gilli (Bild rechts). Und sowohl er wie Patrick Winter (Bild links) von Softwarepipeline hätten sich verpflichtet, längere Zeit an Bord zu bleiben.
Patrick Winter stösst ins gleiche Horn. "Wir haben unseren Marktanteil mit Microsoft im vergangen Geschäftsjahr (7/03 bis 6/04) bei Kunden mit mehr als 250 Seats von ca. 12 auf 23 Prozent gesteigert. Und ich bin zufrieden mit der Marge. Die Fusion hat nichts mit Konsolidierung zu tun."
Gilli und Winter haben uns überzeugt: Beide hätten wohl gut alleine weitermachen können - mit der Fusion dringen die zwei Lizenzhändler aber in eine neue Dimension. "Wir wollen in einer anderen Liga spielen", sagt Gilli. Softwarepipeline bringt eine hervorragende Internet-Plattform für die Abwicklung von Lizenzen mit und ist ausserdem international aufgestellt. Microware ihrerseits hat mehr Marketing-Power und eine starke Kundenbasis in der Schweiz.
Kann also nichts mehr schief gehen? Eine offene Frage bleibt: Entscheidend wird sein, ob es die beiden starken Unternehmer-Persönlichkeiten Gilli und Winter miteinander aushalten.
Michael Kozlowski wird Verkaufsleiter
"Wir durchleuchten nun unsere Firmen und übernehmen das jeweils bessere Element für die Fusion", beschreibt Gilli den Prozess, den die beiden nun bis Ende Jahr durchziehen wollen. Wie das neue Gebilde heissen wird, steht noch nicht fest - fest steht aber, dass sich die Konkurrenz im umkämpften Markt für Lizenzhändler warm anziehen muss. Die "Micropipeline" - oder wie die Firma dann heissen wird - wird in der Schweiz die Nummer 1 sowohl bei Microsoft wie bei Adobe sein.
Ein weiterer Schritt ist getan: Mit Michael Kozlowski, der in der Schweiz lange Jahre das Symantec-Geschäft erfolgreich aufgebaut hat, holen die beiden einen renommierten Verkaufsleiter.
Kommentar
Microware-Chef René Gilli will sich offensichtlich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Bereits vor etwa zwei Jahren führte er Gespräche mit der deutschen PC-Ware und ihrer Schweizer Tochter Bison Systems. Diese führten aber zu nichts, Bison Systems hat deshalb selbst eine Lizenzen-Abteilung mit Microsoft-Mann Remo Gmür aufgebaut.
Die Fusion mit Softwarepipeline dürfte Bewegung in den übervölkerten Markt der Lizenzen-Dealer bringen.
Denn neben der neuen, stärkeren Konkurrenz durch "Micropipeline" sehen sich Lizenzspezialisten mit konstantem Margendruck und der Konkurrenz durch die Hersteller selbst konfrontiert. Microsoft-Dealer müssen sich ausserdem neu zertifizieren. Nur wer den Status eines "Gold-Partners" erreicht, kann mit den höchsten Margenstufen rechnen. Die Szene der Lizenzspezialisten bleibt interessant. (Christoph Hugenschmidt)

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