SolNet ekelt "Poweruser" raus

12. Mai 2006, 12:17
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SolNet kürzt sogenannten Powerusern die Bandbreite. Schuld daran seien die hohen Preise von Swisscom Wholesale. Andere Provider wissen sich zu helfen.

SolNet kürzt sogenannten Powerusern die Bandbreite. Schuld daran seien die hohen Preise von Swisscom Wholesale. Andere Provider wissen sich zu helfen.
Ganz neu ist die Geschichte nicht: Seit einigen Wochen ärgern sich viele ADSL-User in verschiedenen Internet-Foren (superspeed.ch) darüber, dass der Solothurner Internet Service Provider SolNet den sogenannten Powerusern die Bandbreite kürzt. Poweruser, oder Intensivuser, seien solche Internet-Benutzer, so Edouard Vonwyl, Sales Manager von SolNet, die 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche den PC laufen lassen und ständig grosse Datenmengen vom Internet runterladen würden.
Um die dadurch entstehenden Mehrkosten einigermassen in Schach zu halten, behält sich SolNet nun das Recht vor, Powerusern eine tiefere Priorität im Netz zu vergeben. Damit erreicht der Provider, dass die Poweruser sich gegenseitig die Bandbreiten abgraben. So surfen sie nun zum Teil mit tieferen Datenraten als mit 56k-Modems. Wer sich bei SolNet beschwert, erhält als Antwort, dass aufgrund der dreifachen Speederhöhung seitens Swisscom Wholesale "diverse Netzprobleme und Engpässe entstehen", so der Support. Zudem wird eine vorzeitige Kündigung nahe gelegt.
Für SolNet entstünden bei monatlichen Datentransfers ab 100 Gigabytes massive Kosten, sagte Vonwyl am 27. April dem 'PCtipp'. Um dies technisch und finanziell zu verkraften, müssten eigentlich die Abopreise erhöht werden, was aber eine unnötige Bestrafung von 99 Prozent der Kunden zur Folge hätte. Auch heute sagt Vonwyl gegenüber inside-it.ch, eine Erhöhung der Abopreise komme nicht in Frage.
Gemäss den aktuellen AGB kann SolNet "technische Einschränkungen vornehmen, wenn es für den störungsfreien Betrieb erforderlich ist." Vielleicht müsste man die Passage etwas präzisieren, meint Vonwyl. Eine Änderung werde gegenwärtig überprüft, so Vonwyl gegenüber inside-it.ch.
Provider verdienen wenig
Am 11. Januar dieses Jahres hatte Swisscom für seine Wiederverkäufer die Bandbreiten erhöht von Fredy Künzler, Chef des Providers Init7, in seinem Weblog 'blogg.ch' verdienen Provider an einem 2000/100-Monats-Abo gerade mal 2,45 Franken – brutto. Immerhin verursachten bereits vor der Bandbreitenerhöhung 1 Prozent der SolNet-Kunden 25 Prozent des Traffics, so Vonwyl in einer Stellungnahme auf 'blogg.ch'.
Guter Kunden-Mix bei anderen Providern
Ist nur SolNet von diesem Problem betroffen? Sunrise zum Beispiel scheint vom Poweruser-Problem nicht sonderlich belastet zu sein. Bernhard Finger, Interconnect Account Manager bei Sunrise, sagt, dass Sunrise technisch "sehr gut abgedeckt" sei. "Wir haben einen guten Mix von Small- und Heavy-Usern", so Finger. Die Zahl von Powerusern habe zwar in den letzten Wochen zugenommen, aber nicht massiv. Ähnlich sieht es Vladimir Barrosa, Head of Marketing & Communication beim Provider Green. Man habe keine solchen Probleme, wie sie SolNet zurzeit erlebe. Auch bei Green hat dies offensichtlich mit dem Kunden-Mix zu tun. Allerdings sagt Barrosa, der Poweruser-Anteil ab 18 Uhr habe bei Green seit Erhöhung der Bandbreiten um 25 Prozent zugenommen. "Aber da 75 Prozent der Green-Kunden KMU sind, die vor allem tagsüber Bandbreite benötigen, verursachen uns diese Poweruser keine Probleme", so Barrosa.
Kleine Provider benachteiligt
Auffallend ist, dass vor allem Provider, die sich primär an Privatkunden richten, die hohen Preise von Swisscom Wholesale anprangern. Tele2-Geschäfsführer Roman Schwarz sagt gegenüber inside-it.ch, dass man zwar keine Probleme mit Powerusern habe, präzisiert aber: "Die Preise von Swisscom Wholesale sind auf jeden Fall zu hoch." Der CEO des Providers Netstream, Alexis Caceda, bemerkt, dass Anbieter wie SolNet sehr knapp kalkulieren. Weil Netstream nicht so tiefe Preise anbiete, habe sich in den vergangenen Wochen nichts geändert. Jeder Provider müsse selber schauen, wo er eine angemessene Marge verdienen könne.
Swisscom denkt indes nicht daran, etwas an der bisherigen Politik zu ändern. Gemäss Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus entscheide der Markt den Preis für den Backhaul-Traffic. Da Swisscom Wholesale keine Beschwerde von SolNet erhalten habe, ändere sich nichts. Gemäss Vonwyl gab es aber zumindest ein Gespräch zwischen SolNet und Verantwortlichen bei Swisscom.
Bei SolNet hat man trotz der ganzen Geschichte den Humor nicht verloren. Auf die Frage, was denn seit der Stellungnahme "gegangen sei", sagte Vonwyl gegenüber inside-it.ch: "Nichts ist gegangen... einige Kunden sind gegangen." (Maurizio Minetti)

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