Solothurn: Mit Open Source Geld gespart

30. November 2010, 17:18
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In fünf Jahren hat der Kanton durch den Einsatz von Open-Source-Applikationen 3,7 Millionen Franken gespart. Die weiteren 6,3 Millionen, die man durch den Verzicht auf neue Windows-Lizenzen gespart hat, sind jedoch nichts anderes als herausgeschobene Investitionen.

In fünf Jahren hat der Kanton durch den Einsatz von Open-Source-Applikationen 3,7 Millionen Franken gespart. Die weiteren 6,3 Millionen, die man durch den Verzicht auf neue Windows-Lizenzen gespart hat, sind jedoch nichts anderes als herausgeschobene Investitionen.
Der Kanton Solothurn hat heute erstmals Ergebnisse des lange erwarteten Schlussberichts zur IT-Strategie der Kantonsverwaltung veröffentlicht. Die externen Experten wurden vor einem Jahr herbeigezogen, um die umstrittene IT-Strategie zu überprüfen. In einem ersten Zwischenbericht vom Juli 2010 empfahlen sie dem Open-Source-Pionierkanton, eine "duale Strategie" mit Linux und Windows zu fahren. Die externen Experten untersuchten nun im zweiten Bericht vor allem die Kosten. Laut Mitteilung beziffern sie die Einsparungen in der Periode 2005 – 2009 mit rund zehn Millionen Franken.
Allerdings sind diese Ersparnisse nur zum Teil nachhaltig. Wie Urs Hammel von der Solothurner Kantonsverwaltung gegenüber inside-it.ch sagt, seien die 6,3 Millionen Franken, die man dadurch gespart hat, dass man zwölf Jahre lang keine neuen Windows-Lizenzen gekauft hat, nun nichts anderes als herausgeschobene Investitionen. Diese Ersparnisse seien also nicht nahhaltig. Durch den Einsatz von Open-Source-Applikationen habe man weitere 3,7 Millionen gespart. Weil man hier auf Open-Source-Software bleibe, seien dies nachhaltige Ersparnisse.
Open Source nur noch im Hintergrund
Der Kanton Solothurn präsentierte sich jahrelang als Pionierkanton, der erfolgreich Open-Source-Software, sprich Linux, auf den Desktops im Einsatz hatte. In Wahrheit arbeiteten 80 Prozent der Linux-Benutzer gleichzeitig mit Windows-NT-Desktops. Nach anhaltenden Protesten und dem darauf folgenden ersten Expertenbericht entschied sich die Kantonsverwaltung im vergangenen Sommer, eine "duale Strategie" mit Linux und Windows umzusetzen. Im September wurde dann klar, dass damit eine flächendeckende Einführung von Windows 7 und Microsoft Office ab Mitte 2011 gemeint war. Open-Source-Software bleibt nur im Applikations- und Datenbankbereich im Einsatz.
Die Umsetzung dieser "neuen" Dualstrategie in den Jahren 2011 und 2012 bedingt nun Investitionen von rund 7,5 Millionen Franken und zusätzliches Personal mit einer Kostenfolge von 1,8 Millionen Franken für den Ersatz des Linux-Desktops beziehungsweise der bestehenden alten Windows-Umgebung durch einen neuen Windows-Desktop, wie der Kanton mitteilt. Dies führe für die Betrachtungsperiode 2010 bis 2014 zu einer Erhöhung der IT-Kosten in der Staatsrechnung von 7,1 Millionen Franken. Da gemäss dem Expertenbericht die Dualstrategie (im Vergleich zu einer reinen Windows-Strategie) aber zu Minderkosten von 12,9 Millionen Franken führe, spricht der Kanton von einem Sparpotenzial von 5,8 Millionen Franken.
Untersucht wurde im Übrigen auch, ob die Linux-Plattform den sicherheitstechnischen Anforderungen genügt. Dies sei klar bejaht worden, schreibt der Kanton. Kritischer als der Einsatz der Linux-Plattform werde der Einsatz der veralteten Microsoft-Plattform eingeschätzt. (Maurizio Minetti)

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