SolvAxis: "Ein grosser Teil der Software-Entwicklung geschieht nach wie vor in der Schweiz"

28. Januar 2015, 12:48
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Der Chef des ERP-Anbieters SolvAxis verteidigt den Entscheid, einen Teil der Entwicklung nach Indien auszulagern. Und soeben hat SolvAxis seine ERP-Suite Pro-Concept als Web-Lösung lanciert.

Der Chef des ERP-Anbieters SolvAxis verteidigt den Entscheid, einen Teil der Entwicklung nach Indien auszulagern. Und soeben hat SolvAxis seine ERP-Suite Pro-Concept als Web-Lösung lanciert.
Patrik Hug (Foto) mag es nicht mehr hören. Seit Monaten muss er sich seitens der Presse die Kritik anhören, das von ihm geführte Unternehmen SolvAxis habe Leute entlassen. Dabei habe der jurassische ERP-Software-Hersteller in den letzten zwölf Monaten 26 Neukunden gewonnen - Stand November 2014. Heute seien es bereits einige mehr, erzählt er nicht ohne Stolz im Gespräch mit inside-channels.ch. Darunter befindet sich zum Beispiel eine Division von Adidas Deutschland.
Programmiert wird in Bangalore
Und doch entspricht es der Wahrheit, dass SolvAxis eine nicht bekannte Zahl von Personen entlassen musste. Die kolportierte Zahl von 30 Stellen lässt der Chef unkommentiert. Ebenso will er partout die Gesamtzahl der SolvAxis-Angestellten nicht nennen - "das haben wir vorher nie gemacht und das werden wir auch in Zukunft nicht machen", sagt Hug trotzig.
SolvAxis wurde im April 2014 vom schwedischen ERP-Anbieter Jeeves Information Systems AB übernommen. Schnegg, der seit Mitte 2014 für die SVP im Berner Grossrat sitzt, hat sich ganz aus SolvAxis zurückgezogen. Jeeves besitzt sämtliche Aktien.
In der Schweizer Softwareszene gibt vor allem der Umstand zu diskutieren, dass SolvAxis neben dem Abbau von Schweizer Stellen im indischen Bangalore einen beträchtliches Team von Software-Entwicklern aufbaut - immerhin trägt das Unternehmen das Label Swiss Made Software. Hug betont aber: "Ein grosser Teil der Software-Entwicklung geschieht nach wie vor in der Schweiz. Wir sorgen für Produktmanagement, Business-Analyse, Prototyping, Third-Level-Support und natürlich Requirements. Ausserdem arbeiten die Entwickler in Sonceboz am Core-Framework und an der Qualitätssicherung ." Seiner Meinung nach ist die Auslagerung des Code-Schreibens nur konsequent: "So können wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren." Er spricht von der Optimierung der Value Chain, um sich so auf aktuelle Herausforderungen einzustellen. "Wir machen nichts anderes als das, was zum Beispiel Industrieunternehmen - unsere Kunden - seit Jahren erfolgreich tun."
Neues Pro-Concept, Amanda braucht neue Strategie
Im Zentrum der Strategie von SolvAxis steht nach wie vor die KMU-Software Pro-Concept, die sich an Kunden in der Produktion, im Maschinen- und Anlagenbau, der Uhrenindustrie und der Med-Tech-Branche richtet. Die Lösung wurde in den vergangenen Monaten grundlegend aufgefrischt. Mit der ab heute verfügbaren Version 11.1 ist ProConcept ERP auch als komplette Web-Lösung verfügbar. In sämtlichen Modulen habe man neue Funktionen und Verbesserungen umgesetzt, sagt Hug. "Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Navigation im Web-Client annähernd identisch ist wie in der Client-Server-Version, damit sich die User ohne zusätzliche Schulung sofort zurechtfinden." Die beiden Varianten können auch im gemischten Modus eingesetzt werden. Betreiben will SolvAxis die Software nicht selber. Kunden sollen selber entscheiden, in welchem Rechenzentrum die Lösung laufen soll. Der Web-Client basiert auf HTML5 und Java.
Das zweite Standbein ist die noch junge Online-Lösung Amanda, die sich an Kleinstfirmen bis zehn Arbeitsplätze richtet. Für Amanda benötigt SolvAxis eine neue Verkaufsstrategie, denn der bisherige Ansatz hat sich nicht bewährt. 600 zahlende Kunden seien noch zu wenig, sagt Hug. Amanda zu revitalisieren, wird eine seiner Aufgaben sein im laufenden Jahr. Was SolvAxis aber nicht mehr anstrebt, ist die Rolle als Reseller von Drittlösungen wie etwa Dokumentenmanagement. "Wir unterstützen und integrieren diese Produkte aber nach wie vor", hält Hug fest.
Internationalisierung steht bevor
Umsatzsprünge wie in den letzten Jahren sind angesichts der Fokussierung nicht mehr zu erwarten. Im laufenden Jahr peilt SolvAxis eine leichte Steigerung auf etwas mehr als 24 Millionen Franken an. Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank vor zehn Tagen dürfte die Erwartungen noch etwas weiter gedämpft haben. Der Entscheid trifft vor allem jene Schweizer Softwarehersteller, die teuer in der Schweiz entwickeln und ins Ausland exportieren wollen. SolvAxis sieht sich aufgrund der global abgestützten Ressourcen etwas im Vorteil, doch es gebe eine grosse Unsicherheit, sagt Hug. Er befürchtet, dass auch SolvAxis darunter leiden wird, wenn die exportorientierten Industriekunden ihre Investitionen zurückfahren. "Das wird auch uns treffen." Man habe seitens der Kunden bis jetzt aber keine Anzeichen gehabt, dass grosse Einschnitte zu erwarten seien.
Schon bald wird SolvAxis selber stärker auf ausländische Geschäfte setzen. Ab 2016 will das Unternehmen die Internationalisierung vorantreiben und stärker im Ausland wachsen. Hug denkt dabei etwa an den US-amerikanischen Markt. (Maurizio Minetti)

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