Spam-Zombies erobern die Welt

14. Juni 2006, 12:45
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Ist Ihr PC noch wirklich Ihr PC? 7,5 Millionen gekaperte PCs schleudern Spam ins Internet. Und auch in der Schweiz gibt es "Zombiemeister".

Ist Ihr PC noch wirklich Ihr PC? 7,5 Millionen gekaperte PCs schleudern Spam ins Internet. Und auch in der Schweiz gibt es "Zombiemeister".
Gemäss Zahlen von CipherTrust soll das Volumen der weltweit verschickten Spam-Mails im Mai um 20 Prozent gegenüber dem Vormonat zugenommen haben. Ein grosser Teil der Spams wird heute von sogenannten Zombie-PCs verschickt. Zombies werden PCs genannt, die von Angreifern durch das Einschleusen eines Hintertür-Programms gekapert und dann zum Verschicken von Spam missbraucht werden, ohne dass der Benutzer etwas davon merkt.
Gleichzeitig mit dem Volumen der Spams stieg denn gemäss Ciphertrust auch die Zahl der Zombie-PCs an. Über sein Netzwerk von "Honeypots" (Eine Art Spamfallen) identifizierte Ciphertrust im Mai weltweit 7,5 Millionen Spam verschickende Zombie-PCs, 21 Prozent mehr als im April.
Ja, Meister
24 Prozent der Zombie-PCs befinden sich gemäss Ciphertrust in China, 9,5 Prozent in den USA. Der Ort, wo mit Abstand die meisten Server stehen, über die die Zombies kontrolliert werden, ist aber Taiwan, vor den USA und China. Zwei Drittel dieser Server sollen sich auf Taiwan befinden. Taiwan, so erklärte dies der Chefwissenschaftler von CipherTrust, Dmitri Alperovitch, biete den Spammern eine gute "Infrastruktur". Bandbreite sei dort günstig, und es sei ausserdem einfach, bei ISPs Server zu mieten, welche von den Behörden nur schwer aus dem Verkehr gezogen werden könnten.
Auch in der Schweiz lokalisierte CipherTrust aber Server von Spammern: 1,16 Prozent der Kontrollserver sollen sich in unserem Land befinden, womit die Schweiz diesbezüglich immerhin auf Rang sechs aller Länder liegt.
Wettrüsten
Durch den "Umweg" über Zombie-PCs können die Spamversender einerseits bei der Bandbreite sparen, die sie selbst bezahlen müssten. Vor allem aber können sie viele auf den IP-Adressen von bekannten Spam-Versendern basierende Anti-Spam-Filter austricksen: Die Zombie-PCs können schnell wechseln, und pro PC können weniger Mails verschicken werden, was sie unauffälliger macht.
Aber auch bei den Spam-Mails findet ein dauerndes Wettrüsten zwischen den Spammern und den Herstellern der automatisierten Abwehrlösungen statt. Gegenwärtig, so CipherTrust, gibt es einen starken Trend hin zu "Bilder-Spams". Indem der Text als Bild verschickt wird, werden auf Wortlisten oder Textanalysen basierende Spamfilter ausmanövriert. (hjm)

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