St. Galler dürfen bald gratis ins Internet

22. Dezember 2006 um 10:34
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Nicht Full-Throttle aber Full-Mesh: Projekt "Wireless St. Gallen" startet Umsetzung.

Nicht Full-Throttle aber Full-Mesh: Projekt "Wireless St. Gallen" startet Umsetzung.
In St. Gallen soll das erste flächendeckende WLAN-Netzwerk der Schweiz entstehen, dass von allen Stadbewohnern einen kostenlosen Internetzugang zur Verfügung stellt. Das Projekt wurde gestern von Stadtpräsident Franz Hagmann offiziell den Medien vorgestellt. Mit im Boot sind das städtische Organisations- und Informatikamt OIA, die Stadtwerke, die technische Hochschule Rapperswil und die Studentenschaft der Universität St.Gallen (SHSG) sowie der Verein Openwireless.ch.
Das Gratis-Netzwerk in St. Gallen soll nicht etwa werbefinanziert sein, sondern durch ein "Community-Projekt" entstehen, bei dem die Stadt die grundlegende Infrastruktur zur Verfügung stellt, und die User für die Verdichtung – und damit die Brauchbarkeit – des Netzwerks sorgen.
Full-Mesh
Das Projekt ist auch technologisch an vorderster Front: In St. Gallen soll ein sich selbst organisierendes "Full-Mesh"-Netzwerk entstehen. Die Stadt stellt dabei lediglich drei Basisstationen, beziehungsweise Gateways, auf hohen Gebäuden auf. Diese sind untereinander durch Glasfaserleitungen verbunden und mit einem 10 Mbit/s schnellen Internetzugang ausgerüstet, der bei Bedarf auf bis zu 100 Mbit/s erweitert werden kann.
Die Anwender sollen zu Hause Wireless-Router installieren, die mit einer besonderen Firmware ausgerüstet sind. Diese empfangen ihr Signal nicht von einem Festnetzanschluss, sondern von einer der Basisstationen oder einem benachbarten Router, und können es drahtlos weiterverbreiten. Im Internet surfen kann man, indem man sich mit seinem Desktop-PC oder Notebook drahtlos einwählt oder auch über ein Netzwerkkabel an einen solchen Router anschliesst. Ein Router genügt im Prinzip, um die Bewohner eines Hauses und seiner Umgebung zu bedienen.
Die "Intelligenz" im Netzwerk soll dann dafür sorgen, dass sich die Router selbst organisieren und zum Beispiel automatisch den gerade besten Weg durch das Netz zu den Gateways suchen.
Niedrige Investitionen
Wenn dies funktioniert, kann eine Stadt oder eine Gemeinde sehr günstig zu einem kostenlosen Internetzugang für seine Bewohner kommen. Die Stadt St. Gallen hat für die Initialisierungsphase des Projekts 94'000 Franken sowie je 50'000 Franken für die nächsten drei Jahre bewilligt.
Natürlich gibt es noch einige Fragezeichen. Entscheidend dürfte sein, welche Service-Qualität das Netz seinen Usern auf Dauer bieten kann. Falls es aber zum Erfolg wird, wird es äusserst interessant sein, wie die grossen Telekommunikationsunternehmen, ISPs, Hotspot-Betreiber und andere kommerzielle Anbieter reagieren. Gut möglich, dass die vorhandenen Ideen für werbefinanzierte Gratis-Netzwerke ganz schnell aus den Schubladen geholt werden.
Letzte Woche wurde die Pilotphase des Projekts "Wireless St. Gallen" gestartet, bei der rund 20 Studentenwohnungen mit den Routern ausgerüstet werden, um ein Testnetz aufzubauen. Im nächsten März soll dann das eigentliche Netz in Betrieb genommen werden. (Hans Jörg Maron)

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