Staatstrojaner-Anbieter Finfisher steht erneut unter Verdacht

5. September 2019, 15:31
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Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den deutschen Hersteller von Spyware, Finfisher.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den deutschen Hersteller von Spyware, Finfisher. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage von 'Süddeutscher Zeitung', ' BR', 'NDR und 'WDR'.
Der Verdacht: Finfisher-Software, der Trojaner "Finspy", sei illegal in die Türkei exportiert worden und sei eingesetzt worden, um die grösste Oppositionspartei CHP auszuspähen.
Private Organisationen wie Reporter ohne Grenzen, Netzpolitik.org oder das European Center for Constitutional and Human Rights hatten Anklage erhoben nach der Entdeckung einer Website, die vermeintlich Oppositionellen gehörte, aber als Finspy-Schleuder gedient habe: "Nach dem Herunterladen auf ein mobiles Gerät ermöglichte diese Android-Anwendung, bei der es sich um Malware handelt, dem Angreifer den Zugang zu Telefon- und VoIP-Gesprächen, Datensystemen, Screenshots und anderen Fotos, GPS-Daten, Mikrofonen und Verbindungsdaten sowie zu verschiedenen Anwendungen, unter anderem Whatsapp, Line, Viber, Telegram, Skype, Facebook Messenger". "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" sei Finspy zum Einsatz gekommen, um nach dem Download ein Telefon weitreichend überwachen zu können, heisst es in der Anklage.
Experten sollen diese Analyse bestätigen. Detailliertere Hintergründe zur Anklage liefert 'Netzpolitik.org'. Laut der Publikation drohen den deutschen Finfisher-Verantwortlichen bis zu fünf Jahren Gefängnis.
Die Finfisher-Software-Suite ist in Deutschland als sogenanntes Dual-Use-Produkte klassifiziert, weil sie sowohl zivilen wie militärischen Zwecken dienen kann. Der Export muss also behördlich bewilligt werden. Es gibt laut 'Süddeutscher Zeitung' Informationen, dass Finfisher für den deutschen Staat einen "Bundestrojaner" entwickelt habe.
Die deutsche Firma geriet aber immer wieder in die Kritik, weil Produkte von Ägypten, Äthiopien oder Bahrein eingesetzt werden sollen. Daneben wurden von einem Unbekannten interne Verkaufsdokumente publiziert.
Auf der Corporate Website schreibt Finfisher, "ausschließlich mit Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten" zusammenzuarbeiten, um "Terror und Gewaltverbrechen zu verhindern und aufzuklären". (mag)

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