Stadt Bern entwickelt Sozialamtssoftware weiter

17. Februar 2012, 14:12
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Stadt Bern will das Klienteninformationssystem des Sozialamts von Bedag weiterentwickeln lassen.

Stadt Bern will das Klienteninformationssystem des Sozialamts von Bedag weiterentwickeln lassen.
Der Berner Stadtrat (Legislative) hat gestern eine Investition von 2,5 Millionen Franken für die Weiterentwicklung des Klienteninformationssystems KiSS durch den Berner IT-Dienstleister Bedag genehmigt. Das Projekt wurde zwar von einigen Parlamentariern, darunter dem bekannten Software-Beschaffungskritiker Matthias Stürmer, kritisiert, aber im Ganzen unterstützt. Allerdings mit Vorbehalten.
Stürmer verlangte ein verschärftes Monitoring für das Projekt (und hielt gemäss seinen Notizen, die er uns netterweise zur Verfügung gestellt hat, einen kleinen Vortrag über Scrum). Weiter beantragte er die Veröffentlichung des Source-Codes nicht nur der Neuentwicklung, sondern des ganzen Software-Pakets unter einer Open-Source-Lizenz. Dies, so Stürmer, damit man künftige Aufträge zur Weiterentwicklung von KiSS ausschreiben könne. Zudem verlangte Stürmer, dass der Gemeinderat (Exekutive) weitere Städte und öffentliche Organisationen für die gemeinsame Weiterentwicklung von KiSS gewinnen solle.
KiSS wurde ursprünglich von Born Informatik entwickelt. Die Lösung stellt auch den Kern des berühmten, weil spektakulär gescheiterten, Zürcher Software-Projekts ELUSA dar und Bedag hat für die Zürcher-Version von KiSS namens FAMOZ einen Wartungsvertrag bis 2019. Man darf gespannt darauf sein, ob sich die grösste und die viertgrösste Schweizer Stadt für die Weiterentwicklung eines Systems für ihre Sozialämter zusammenraufen können. Die Voraussetzungen wären gut, denn ihre bestehenden Lösungen haben den gleichen Kern und gehören dem gleichen (Berner) Dienstleister.
Überhaupt scheint uns die Forderung Stürmers (und anderer), dass Städte und Gemeinden bei der Entwicklung von Fachanwendungen mehr zusammenarbeiten sollen, wichtiger zu sein als die Frage, ob eine Lösung zum Schluss unter einer Open-Source-Lizenz vermarktet wird oder nicht. Denn Entwickler mit Branchenkompetenz sind so oder so selten und teuer. (Christoph Hugenschmidt)

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