Stadt Bern will wieder Individualsoftware für Beschaffung

22. August 2016, 14:55
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Der Gemeinderat der Stadt Bern hat dem Stadtrat einen Investitionskredit von knapp einer Million Franken für die Beschaffung einer neuen Beschaffungssoftware vorgelegt.

Der Gemeinderat der Stadt Bern hat dem Stadtrat einen Investitionskredit von knapp einer Million Franken für die Beschaffung einer neuen Beschaffungssoftware vorgelegt. Für Betrieb und Support über die kommenden acht Jahre soll zudem ein Verpflichtungskredit von knapp 300'000 Franken bewilligt werden. Wie die Medienstelle der Stadt Bern gegenüber inside-it.ch betonte, soll die Entwicklung der Software zwar ausgelagert, der Betrieb werde aber durch die Informatikdienste (ID) übernommen, so dass die Daten bei der Stadt bleiben.
Das Projekt für die Softwareentwicklung wurde Anfang Juni ausgeschrieben. Der Zuschlag ist laut der Medienstelle noch nicht endgültig erfolgt, soll aber in Bälde veröffentlicht werden.
Wieder Individualsoftware...
Gegenwärtig ist bei der Stadt Bern für das Beschaffungswesen eine Eigenentwicklung namens "Submiss" im Einsatz. In seinem ausführlichen Antrag gibt der Gemeinderat einige Einblicke in die Vergangenheit dieser Software. Diese wurde demnach 2007 von den ID selbst entwickelt, als der IBM-Grossrechner, auf dem die Vorgängersoftware lief, abgelöst werden musste. Allerdings hat man bei der Wahl der neuen technischen Plattform auf ein, wie sich später herausstellte, etwas kurzatmiges Pferd gesetzt, nämlich Microsoft .NET 2.0. Im Jahr 2013 kündigte der Hersteller an, dass .NET 2.0 nur noch bis 2014 unterstützt werde. Dies bedeutet, dass die Betriebsrisiken nun immer grösser werden.
Eigentlich wurde zuerst geplant, die Software wiederum durch die ID mittels eines Releasewechsels für eine zeitgemässe Plattform adaptieren zu lassen. Die dafür erarbeiteten konzeptionellen Grundlagen hätten aber gezeigt, dass eine neuerliche Eigenentwicklung durch die ID "nicht sinnvoll" sei, so der Gemeinderat.
Trotzdem will sich Bern wiederum eine Individualsoftware leisten. Die Begründung für die Eigenentwicklung lautete 2007, dass auf dem Markt keine auf das öffentliche Beschaffungswesen im Kanton Bern zugeschnittene Software existierte. Dies ist anscheinend auch neuen Jahre später noch nicht anders. Eine Software, die gleiche oder vergleichbare Möglichkeiten wie das heute im Einsatz stehende Submiss biete, sei am Markt zurzeit nicht erhältlich. Weder der Bund noch andere Kantone oder grössere Städte verfügten über ein auch nur annähernd vergleichbares Alternativprodukt. Auch deckten weder das Modell Simap noch auf dem Markt erhältlichen Planungssoftwareprogramme wie beispielsweise winbau oder DecisionAdvisor die beschaffungsrechtlichen Anforderungen ab, wie umfangreiche Abklärungen gezeigt hätten.
Aber nun auf Open-Source-Basis
Die neue Software soll auf der Basis der Open-Source-Plattform "Qlack Fuse" entwickelt werden. Die Firma, die den Auftrag ausführt, erhält einen vierjährigen Support-Auftrag mit einer Option für eine Verlängerung über weitere vier Jahre. Die Rechte an der Software selbst sollen aber an die Stadt übergehen. Diese will den Source-Code unter einer OS-Lizenz veröffentlichen.
Das Entwicklungsprojekt soll im Mai 2017 mit der Konzeption und der Erstellung eines Prototyps beginnen. Ab Januar 2018 soll die neue Software dann bereits eingeführt werden.
Mit der gegenwärtigen Software "Submiss" werden laut dem Gemeinderat jährlich rund 600 Beschaffungsverfahren mit etwa 6'000 Verfügungen und einem totalen Beschaffungsvolumen von 150 Millionen Franken abgewickelt. Mit der Lösung würden unter anderem Listen von Firmen geführt, die sich um Aufträge bewerben, sowie Protokolle und Auswertungen von Beschaffungskriterien erstellt. Zudem diene sie der Pflege der Firmendatenbank mit etwa 4500 Unternehmen, in welcher die gesetzlich verlangten Beschaffungsnachweise von offerierenden Firmen erfasst werden. Diese Firmendatenbank werde auch durch den Kanton Bern benutzt. (Hans Jörg Maron)

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